Trauen, spüren und auf die Piste

Vielleicht interessiert es Sie ja, auf welchen Umwegen ich zum Tango Argentino gekommen bin, damit Sie sich die Umwege sparen können!

Es war nämlich so: Ich hätte mich eigentlich nie überhaupt mit Tanzen beschäftigt, weil ich immer dachte: Das kannst du sowieso nicht. Nun denke ich, dass es sich lohnt, schon mal etwas auszuprobieren, das man sich eigentlich gar nicht zutraut. Schlimmstenfalls ist man um eine Erfahrung reicher, die einen in seinem Selbstbild bestätigt. Es kann aber auch sein, dass sich sozusagen eine Tür öffnet, wo man sie zuvor nie vermutet hätte.

Meine Frau und ich haben zuerst die Standard-Tanzschule ausprobiert. Das fand ich anfangs ganz nett, aber nach etwas mehr als einem Jahr stellte ich fest, dass es mir keinen Spaß machte, mir immer längere und kompliziertere Schrittfolgen zu merken. Es erinnerte mich an das Spiel ‚Kofferpacken‘: Man muss sich eine immer längere Folge von Begriffen merken und sie in der richtigen Reihenfolge aufsagen. Das galt auch für den Tanz, der dort als ‚Tango‘ bezeichnet wurde: „Vor, vor, Wiegeschritt, rück, seit, Schluss“ oder so ähnlich. Zum Glück habe ich es vergessen.

Tango Argentino geht sogar barfuß!

Tango Argentino galt in dieser Tanzschule als eine Art Akrobatik für Hochbegabte, unerreichbar für unsereinen. „Da brauchen Sie Jahre, um überhaupt anzufangen“ behauptete die Tanzlehrerin.

Eines Tages bot die Volkshochschule ein Schnupperwochenende mit Tango Argentino an. Der Lehrer, Klaus Wendel aus Essen, brachte uns nur bei, wie man dem elementaren Gefühl nachspürt, sich als Paar zu bewegen. Simples Gehen, Schritte vor und zurück, einer führt, einer folgt. Wer führt, muss die Schritte des Partners im Voraus denken. Dann zeigte er uns den Grundschritt, mit dem der Argentinische Tango beginnt.

„Das ist eigentlich alles“, erklärte er schließlich. „Damit könnt ihr auf die Piste. Alles andere ergibt sich mit der Zeit. Eine Stunde Tanzen bringt mehr als zehn Stunden Unterricht.“

Die Improvisation kommt ganz von allein.

Das ist jetzt etliche Jahre her, aber es hat uns den Weg eröffnet zum frei improvisierten Tanzen. Wir können uns zu zweit bewegen mit den Schritt-Elementen des Tango Argentino, der ja ursprünglich ein Volkstanz aus Elementen unterschiedlicher Kulturen ist. Das funktioniert nicht nur mit eigentlicher Tango-Musik, die ja an sich schon eine große Variationsbreite hat, sondern auch mit Jazz, Wiener Walzer oder fast jeder beliebigen anderen Musik, die einen erkennbaren Takt und Rhythmus hat.

Lassen Sie sich also nicht einreden, Tango Argentino sei schwierig! Messen Sie sich nicht an den artistischen Darbietungen trainierter, professioneller Showtanzpaare; denn der echte Tango Argentino ist keine exklusive Disziplin für Artisten. Es kommt nicht darauf an, wie es für andere aussieht, sondern wie es sich für Sie anfühlt. Probieren geht über Studieren!

Jan-Peder Lödorfer (Text)

fotolia (Photos)

 

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