Stifterfigur mit drei Buchstaben

Romanische und gotische Elemente kennzeichnen den Naumburger Dom.
Romanische und gotische Elemente kennzeichnen den Naumburger Dom.

Ich gebe es zu: Auch ich habe gelernt, Fragen zu beantworten, ohne zu wissen, was die Antwort eigentlich bedeutet. Das nämlich lernt man beim Kreuzworträtseln. So war auch die Antwort auf die Standardfrage: ‚Stifterfigur im Naumburger Dom‘ – natürlich! – ‚UTA‘. Aber wer ist eigentlich diese Uta?

Nettes Städtchen: Naumburger Altstadt
Nettes Städtchen: Naumburger Altstadt

Viele von uns – mich selbst eingeschlossen – wussten auch nicht immer, was eine ‚Stifterfigur‘ ist. Und den Naumburger Dom kannte ich – als Wessi – auch bloß aus dem Kreuzworträtsel.

Um so erstaunter war ich, als ich das malerische Städchen Naumburg und seinen imposanten Dom, endlich ‚in echt‘ sehen durfte. Und natürlich war ich sehr gespannt auf Uta, die Stifterfigur. Aber eins nach dem anderen.

Bunte Bürgerhäuser, kleine Läden
Bunte Bürgerhäuser, kleine Läden

Wir betreten eine Stadt, die aufs elfte Jahrhundert zurückgeht und heute einen recht lebendigen Eindruck macht. Sie liegt am Fluss Saale und an der sogenannten ‚Straße der Romanik‘. Letztere ist eine Bau-Epoche des Mittelalters, deren Architektur sich – grob gesagt – durch massive Wände auszeichnet, welche durch Rundbogenfenster unterbrochen sind.

Der Naumburger Dom, der den Aposteln Petrus und Paulus geweiht wurde, als er noch katholisch war, ist aber kein typischer Vertreter dieses Baustils. Dafür kann man an ihm um so besser erklären, was den epochalen Unterschied zwischen dem romanischen und dem späteren, sogenannten gotischen Stil ausmacht: Romanisch sind das Langhaus und die unteren Teile der östlichen Türme (das sind die achteckigen).

Naumburg - 1 (16)
Gotische Türme, romanisches Langschiff

Man schrieb das 11. Jahrhundert, als die Naumburger mit ihrem Dom begannen. Anders als bei den meisten Kirchen damals üblich fingen sie nicht mit dem Chor im Osten, sondern mit dem Langschiff. An dessen östlichem Ende setzten sie zwei Türme an. Dann erreichte die neue Welle der Baukunst Naumburg. Sie kam ursprünglich aus Frankreich und verherrlichte das Licht der Sonne. Man baute keine massiven Wände mehr, sondern nur noch Gerippe, die sich waghalsig gegen den Himmel streckten. Sogar die Bögen der jetzt viel größeren Fenster bekamen eine Spitze nach oben. Der Naumburger Dom zeigt also typisch romanische und typisch gotische Formen und fast alles dazwischen. Und schließlich sitzen zwei barocke ‚Pickelhauben‘ auf den Ost-Türmen.

Stifterin Uta und Gemahl im Westchor
Stifterin Uta und Gemahl im Westchor

Der Westchor, das ist der Teil, der sich hinter den beiden vierkantigen Türmen erstreckt, gilt als Paradebeispiel für die eben aus Frankreich übernommene Gotik. Dieser Raum beherbergt die Statuen der zwölf Stifter, also der Adligen, die seinerzeit den Bau finanziert haben, darunter auch Uta und ihr Gemahl mit dem für Kreuzworträtsel eher sperrigen Namen Ekkehard.

Die Skulpturen sind unter anderem deswegen so berühmt, weil ihr namentlich unbekannter Schöpfer – man nennt ihn nur den ‚Naumburger Meister‘ – ihnen sehr lebendige, ausdrucksstarke Gesichter gegeben hat, und das in einer Epoche, in der man Personen eher typisiert als lebensecht darstellte. Denn Uta schaut so reizend, während sie die Wange an ihren Kragen kuschelt, dass man am liebsten gleich ‚du‘ sagen würde.

Allerdings bedeutet ‚lebensecht‘ nicht, dass die Dargestellten tatsächlich so ausgesehen hätten, denn gelebt haben sie zu der Zeit, als die Skulpturen entstanden, nicht mehr. Ganz reizend lächelt übrigens auch Utas Schwägerin Reglindis an der Säule gegenüber. Beide Figuren sind ein bisschen skandalös; denn es war damals wie heute nicht üblich, in der Kirche ständig zu lächeln, schon gar nicht für Skulpturen.

Realistisch in diesem Sinn sind auch einige Szenen am Lettner, einer Art Kulissenwand zwischen Westchor und Langschiff, der ebenfalls vom Naumburger Meister stammt. Zum Beispiel rasiert der als Raufbold verschriene Apostel Petrus da einem gewissen Malchus ein Ohr ab. Der Meister hält im Stein die Szene fest, als das Ohr gerade noch am Kopf, aber das Schwert schon im Ohr steckt. Es tut direkt weh, das zu sehen…

Aber rund um den Dom gibt es kleine Läden und Restaurants, scheinen weltoffene und kreative Menschen zu wohnen. Naumburg ist zum Glück für uns und alle Besucher noch keine Touristen-Hochburg, sondern eine Stadt, die wenigstens überwiegend von ihre eigenen Bewohnern lebt.

Auch die Bürgerhäuser machen war her.
Auch die Bürgerhäuser machen war her.

Zu den weiteren  architektonischen Sehenswürdigkeiten rechnen Kenner das spätgotische Rathaus und den Marktbrunnen mit dem heiligen Wenzel – unter anderem; denn die Naumburger Altstadt ist voller prächtiger Bürgerhäuser, und ein Schloss gibt es obendrein. Nicht zu vergessen, dass Friedrich Nietzsche hier aufgewachsen ist. Das Haus ist ein kleines Museum.

Text: Jan-Peder Lödorfer

Photos © repor-tal

Informationen: www.naumburger-dom.de

Adresse: Domplatz 16-17, 06618 Naumburg

Telefon: 03445/2301-120 oder -133

Öffnungszeiten: März bis Oktober Montag bis Samstag 9 bis 18 Uhr, Sonn- und Feiertag 12 bis 16 Uhr

Eintritt: 6,50 Euro inklusive Schatzgewölbe

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