Die ‚heilige Puppenstube‘ (3)

Krippen - 1
Heilige Familie, Hirten und Herde gehören zum Stammpersonal. Der Engel ist eine Besonderheit. © repor-tal

Jeder kennt sie, die weihnachtlichen Stellagen mit Baby, Eltern, Ochs‘ und Esel – mal mit, mal ohne Dach überm Kopf. Manchmal fast abstrakt, oft aber bis ins Detail liebevoll ausgestaltet samt Beleuchtung wie ein Modellbahn-Diorama: die Krippen. Doch woher kommt dieses plastische Bild, was steckt dahinter, und was bedeutet sie heute? fifty2go hat Professor Manfred Becker-Huberti* gefragt. Seine Antworten bringt fifty2go in vier Folgen jeweils an einem Adventssonntag. Heute, zum 3. Advent, geht es um die Dimension der Zeit.

Krippen 7
Auch Hänsel und Gretel können mal zu Besuch kommen.
© bilder-erzbistum-koeln.de, Photograph: Nicola Dierkes

“Die dreidimensional aufgebaute Krippe bezieht ihr ungebrochene Popularität daraus, dass eine Erzählung Form angenommen hat, dreidimensional im Raum steht, anfassbar, umstellbar und formbar wird. Viele Krippen werden zu Wandelkrippen, die nach den Abläufen umgebaut werden. Anfangs stehen nur das leere Gebäude und die Tiere da; von Ferne ziehen die Heiligen Drei Könige heran. Etwas näher sind schon Maria, Joseph und der Esel usw.

Wer seine Krippe als Wandelkrippe begreift, kann sie schon zum 1. Advent aufstellen: Im Stall fehlen natürlich das Jesuskind, Maria und Joseph. Die Hirten sind auf dem Feld. Die Heiligen Drei Könige sind noch weit entfernt, aber schon unterwegs. In der Krippe liegt kein Stroh, sondern daneben. Jedes Kind und jeder Erwachsene, der im Advent eine gute Tat vollbringt, darf einen Strohhalm in die Krippe legen. Ziel ist es, dass das Christkind am Heiligen Abend weich zu liegen kommt – natürlich durch die guten Taten. Am Heiligen Abend werden alle Krippenfiguren hinzugestellt – bis auf die Heiligen Drei Könige, die mit ihrem Gefolge erst am 6. Januar hinzukommen.

Hier erinnert Marias Gewand an einen Ordenshabit. © repor-tal
Hier erinnert Marias Gewand an einen Ordenshabit. © repor-tal

Die Krippe bleibt während der Weihnachtszeit stehen. Bis zur Liturgiereform nach dem II. Vatikanischen Konzil war das Mariae Lichtmess, heute ‚Darstellung des Herrn‘ genannt am 2. Februar. Seit der Liturgiereform endet die Weihnachtszeit mit dem Sonntag nach dem 6. Januar. Wer will, kann seine Krippe aber noch länger stehen lassen. Die eigene Krippe kann man mit seinen Kindern das Jahr über pflegen, indem man Moos für den Boden sammelt und trocknet, einen Zugbrunnen baut, der dazu gestellt wird …

In vielen Familien gibt es Krippen, die ein Onkel, ein Uropa gebaut hat oder die man in Österreich oder Tirol vor vielen Jahrzehnten erworben hat. Solche Krippen sind das Herz oder die Seele einer Familie, repräsentieren ein Gefühl von Zusammengehörigkeit zwischen Lebenden, Verstorbenen und noch nicht Geborenen. Gott wird Mensch, damit der Mensch göttlich wird.

Lesen Sie am 19. Dezember Teil 4.

Professor Dr. Becker-Huberti erklärt die Herkunft der Krippen. © Manfred Becker-Huberti
Professor Dr. Becker-Huberti
erklärt die Herkunft der Krippen.
© Manfred Becker-Huberti

*Prof. Dr. Manfred Becker-Huberti (Jg. 1945) hat Katholische Theologie, Philosophie, Publizistik und Kunstgeschichte studiert. Promoviert wurde er 1975. Für das Erzbistum Köln arbeitete er im Schulbereich und in den Medien. Er hat an verschiedenen Hochschulen und Universitäten, dem Kölner Priesterseminar und Diakoneninstitut gelehrt. Seit 2006 ist Becker-Huberti Freiberufler, Autor und Honorarprofessor (2007) an der Philosophisch-Theologischen Hochschule in Vallendar.

Informationen: www.becker-huberti.de

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