Papiere für den schlimmsten Fall

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Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht sind wichtig, wenn man sich nach einem Unfall oder einer schweren Krankheit nicht mehr verständigen oder seine Wünsche bezüglich einer Behandlung nicht mehr äußern kann. Dies sind aber zwei unterschiedliche Formen der Vorsorge. Der Berufsverband der Rechtsjournalisten e.V. klärt auf.

Rechtsjournalistin Isabel Frankenberg

Was ist eine Patientenverfügung?
Die Patientenverfügung wurde früher auch als ‚Patiententestament‘ bezeichnet. Es ist eine Willenserklärung des Betroffenen, ob, wann, unter welchen Bedingungen und in welcher Art und Weise er eine Behandlung oder medizinische Untersuchung wünscht oder ablehnt. Legt ein Patient fest, dass in einer bestimmten Situation ein Eingriff vorgenommen oder unterlassen werden soll, kann er dies in der Patientenverfügung niederschreiben.
Wichtig ist, dass diese nicht nur verfasst, sondern auch hinterlegt wird. Die Verfügung muss in schriftlicher Form vorliegen. Neben den allgemeinen Angaben zum Patienten muss sie auch die Situationen genauestens definieren, in denen das Inkrafttreten des Dokuments gewünscht wird. Um im Ernstfall eine klare Entscheidung treffen zu können, dürfen sich die Aussagen im Schreiben nicht widersprechen.
Eine individuelle Patientenverfügung wird höher bewertet als sogenannte „Standard-Patientenverfügungen“ mit Ankreuz-Protokoll. Hierbei besteht die Gefahr, dass die Inhalte nicht genau gelesen und durchdacht werden. Da Ärzte erst im Ernstfall und wenn der Patient sich selbst nicht mehr verständigen kann, auf die Verfügung zurückgreifen, besteht keine Möglichkeit, die Aussagen im Dokument zu widerrufen.

Schriftliche Vereinbarungen sind sicherer, Fotolia ©

Ein Notar kann helfen
Die Patientenverfügung ist ein kompliziertes Dokument, das viele Fragen aufwirft, die vom Betroffenen nicht selbst geklärt werden können. Ein Notar erstellt das Schreiben nicht nur, sondern geht auch alle Inhalte mit dem Betroffenen durch. Zudem kann das Dokument auch beurkunden und damit die Gültigkeit garantieren. Denn nur wenn es auch in offizieller Form vorliegt, ist es rechtlich gültig.
Ist die Patientenverfügung fertig und beurkundet, kann sie beim Hausarzt hinterlegt werden. Damit im Ernstfall klar ist, dass eine Patientenverfügung existiert, sollte der Betroffene immer einen entsprechenden Hinweis, z.B. im Portmonee, bei sich tragen.

Die Vorsorgevollmacht
Experten raten dazu, neben einer Patientenverfügung auch einen Bevollmächtigten zu ernennen, der im Fall der Fälle berechtigt ist, Entscheidungen zu treffen. Dies ist so geregelt, da eine Patientenverfügung meist nur sehr allgemein formuliert wurde und nicht detailliert genug auf die konkrete Notsituation zutrifft.
Der Bevollmächtigte kann offene Fragen schnellstmöglich klären und eine klare Behandlungsmethode anordnen. Er gilt als Vertreter im Willen. Das bedeutet, dass er an Stelle des nicht mehr entscheidungsfähigen Patienten über die nächsten Schritte der Behandlung entscheidet. Die Vorsorgevollmacht und die Patientenverfügung können also kombiniert werden. Hierzu muss der Bevollmächtigte namentlich im Verfügungsschreiben vermerkt werden.
Meist handelt es sich um eine Vertrauensperson, also um einen Familienangehörigen oder einen guten Freund. Damit davon ausgegangen werden kann, dass dieser die Aufgabe des Bevollmächtigten auch tatsächlich übernehmen möchte und sich über seine Verantwortung bewusst ist, sollte im Vorfeld ein ausführliches Gespräch mit dem Bevollmächtigten stattfinden. Die jeweiligen Behandlungswünsche sollten der Vertrauensperson klar sein, damit diese im Ernstfall passende Entscheidungen treffen kann.

Text: Isabel Frankenberg / repor-tal

Photo mit freundlicher Genehmigung des Berufsverbandes der Rechtsjournalisten e.V., © Isabel Frankenberg

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Informationen: www.familienrecht.net

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