Korte für den Kopf

Das Buch eines Wissenschaftlers schreckt oft schon ab, bevor wir hineingeblättert haben. Ganz anders bei ‚Jung im Kopf – Erstaunliche Einsichten der Gehirnforschung in das Älterwerden’ von Martin Korte*. Der Professor für Neurobiologie tritt in seinem Buch den Beweis an, dass mitnichten alle Denk- und Gedächtnisfähigkeiten im Alter zurückgehen. Im Gegenteil: in vielen Dingen werden wir sogar besser.

Korte weigert sich, das Alter mit den üblichen Stereotypen zu belegen. Sein Credo: Alter ist eine Entwicklungsstufe des Menschen! Nicht der Verfall steht im Vordergrund. Korte beleuchtet alle Facetten von den Schwächen bis hin zu den – viele glauben es kaum – Stärken. Das sei im Alter ebenso der Fall wie in jeder anderen Entwicklungsstufe auch. Korte will mit seinem Buch Mut machen; denn „Viele Menschen orientieren sich im Alter auch neu und erleben diese Lebensphase… bewusst.“

Martin Korte

Nach Korte sollten wir bereit sein, uns von den ‚Mythen über das Altern‘ zu verabschieden. Er appelliert an unser Verantwortungsgefühl, unserem Gehirn gegenüber, dem wir oft nicht so viel Aufmerksamkeit schenken, wie zum Beispiel unserm Körper: „Denn mindestens bis zum 85. Lebensjahr haben wir mehr Macht über unser Altern als unsere genetische Disposition.“

In neun gut verständliche Kapitel hat der Gehirnforscher sein Buch aufgeteilt. Korte gibt zunächst eine grundsätzliche Einführung in Lernen und Vergessen des Gehirns und er erklärt, warum wir das Altern als Entwicklungsstufe begreifen müssen. Auch Grundsätzliches über den Alterungsprozess von Gehirnen erfahren wir. Insbesondere dieses Kapitel fordert den Leser durch viele medizinische Erkenntnisse. Doch selbst wenn man die medizinischen Details nur quer liest, bekommt man einen Einblick, der ausreichend ist, um Kortes Ausführungen weiter zu folgen.

Weiter geht es mit den verschiedenen Gedächtnissystemen und ihren Veränderungen im Lauf des Lebens, um die Zeitwahrnehmung und die Erinnerungen. Korte erklärt, woran wir merken, dass unser Gedächtnis anders funktioniert als in jungen Jahren.

Besonders interessant ist auch das fünfte Kapitel, in dem der Forscher schildert, „wie sich Charakterzüge, emotionale Befindlichkeiten und unsere soziale Kompetenz verändern.“ Weiter analysiert er die ‚Weisheit’ des Alters und wie sie entsteht.

Doch auch die Erkrankungen, die viele schrecken, wie Alzheimer und Demenz, Parkinson und Schlaganfälle beleuchtet Korte. Er beantwortet die Frage, was normale Alterungsprozesse sind, und wo wir von Erkrankungen sprechen müssen. Zum Ende gibt der Autor uns Ratschläge, wie wir unser Gehirn ‚pflegen’ und fithalten können: „Die goldenen Regeln gegen die Alterungsuhr des Gehirns sollen Ihnen Anregung sein, Ihrem Gehirn eine ähnlich gute Pflege angedeihen zu lassen wir Ihrer Haut.“

Im abschließenden Plädoyer appelliert Korte an die Entscheidungsträger der Gesellschaft, das kognitive Altern anzuerkennen.

Damit hat Martin Korte ein Buch geschaffen, das Menschen jeden Alters die Auseinandersetzung mit ihrem Gehirn eröffnet. Obwohl Kortes Ausführungen wissenschaftlich fundiert sind, hat er es geschafft, das Buch allgemeinverständlich zu schreiben. Außerdem ist es unproblematisch, wenn der Leser über die eine oder andere Stelle mal ‚hinweg liest’. Die Kapitel sind durchaus auch unabhängig voneinander zu erfassen. Am Ende weiß jeder: auch das alte Gehirn kann topfit und sogar leistungsfähiger sein als das junge.

Ein Buch das jedem empfohlen sei, der etwas für sein Gehirn tun möchte, egal welchen Alters!

Ruth Hoffmann (Text)

DVA (Cover)
© privat (Portrait)

Informationen: www.dva.de

Martin Korte: Jung im Kopf – Erstaunliche Einsichten der Gehirnforschung in das Älterwerden
DVA
328 Seiten
19,99 Euro
ISBN 978-3-421-04434-1

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* Martin Korte, geboren 1964, ist Professor für Neurobiologie an der TU Braunschweig. Seine Forschungsschwerpunkte sind die zellulären Grundlagen von Lernen und Erinnern ebenso wie die Vorgänge des Vergessens. Martin Korte ist einer der meistzitierten deutschen Neurobiologen und bereits durch eine Reihe von Fernsehauftritten bekannt.

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