Auf Wanderschaft
zur Erleuchtung

Der Buddhismus ist die viertgrößte Religion der Welt. Hauptsächlich verbreitet ist er in Asien. Wie alle großen Weltreligionen gliedert er sich in unterschiedliche Richtungen und Traditionen. Eine davon ist Zen*, das auch in Europa und den USA viele Anhänger gefunden hat. Diese Tradition wurde rund tausend Jahre nach Buddha – also im 5. Jahrhundert nach Christus – in China begründet. Im 13. Jahrhundert kam der Zen-Buddhismus nach Japan und spielt seitdem im japanischen Geistes- und Kulturleben eine herausragende Rolle.

Harry Mi Sho Teske

Der Kieler Harry Mi Sho Teske (Jg. 1958) ist Zen-Mönch und wurde im Dezember 1996 förmlich als ‚Dharma**-Nachfolger‘, also Meister bestätigt. Er hat fifty2go seinen Weg zum Zen Buddhismus geschildert:

„Obwohl ich in der Fremde, auf der Reise als wandernder Zimmermannsgeselle weit herumgekommen bin, habe ich nicht das gefunden, was ich erhofft hatte. Meine Ängste und sämtliches Leiden, das ich bis dahin erfahren hatte, habe ich mit auf den Weg genommen, und als ich wiedergekommen bin, waren leidhafte Erfahrungen und die Unzufriedenheit noch genauso meine Wegbegleiter wie vorher. So habe ich einen Weg gesucht, um mit den Ängsten und der Unzufriedenheit fertig zu werden.

Buddhistische Säule © repor-talAn der fernöstlichen Philosophie, besonders am Zen, weckte in mir die Möglichkeit Interesse, dass leidhafte Erfahrungen eine Ursache haben, die beseitigt werden kann. Weiterhin hat mich die Möglichkeit fasziniert, ein ganz normales Leben im Alltag führen zu können und trotzdem die höchsten Freuden des spirituellen Lebenswandels zu genießen.

Bemerkenswert am Zen ist, dass die Erleuchtung keinerlei Formen und Rangabzeichen bedarf. Zen-Buddhismus ist in der letzten Gestalt eine Tradition ohne Schichten und Rangunterschiede. Ein weiteres großes Interesse ist die Zen-buddhistische Nähe zum Kampfsport, der zum großen Teil von der Kultur des meditativen Erleuchtungsweges beeinflusst worden ist und dessen Wurzeln im Zen-Buddhismus liegen. Eine andere Form des Buddhismus kam für mich nie in Betracht, obwohl ich mittlerweile mit großem Interesse besonders der Nyingma*** Tradition des tibetischen Buddhismus zugetan bin. Außerdem ist die Ausbildung mithilfe der Kōans**** einzigartig im Zen und bildet das Rückgrat der Zen-Schulung.

Buddha © repor-talIm Zen-Buddhismus gibt es nicht die Tradition der Weitergabe der Lehre nach einer bestimmten Übungszeit, sondern stets nur nach den besonderen Fähigkeiten und nach der Reife des Schülers. Voraus geht eine 15-jährige Ausbildungszeit, in der der Meister den Schüler auf Herz und Nieren prüft. Wenn man dazu noch ein Verständnis der buddhistischen Tradition hat, eine gewisse Befähigung als Lehrer und darüber hinaus noch eigene Schüler hat, ist man ein Zen-Meister.

In der Ruhe liegt die Kraft.

Es gibt Zen-Orden, in denen Mönche und Nonnen ordiniert werden, dem auch Laien angehören können. Ein Zen-Orden breitet den Boden für eine Gemeinschaft in Form eines Zen-Klosters vor. Mich hat nie der komplizierte Lebenswandel interessiert, sondern stets die Umsetzung und Integration in den normalen Alltag eines Westeuropäers.

In der westlichen Tradition gibt es Strenge und das strikte Halten an Regeln genauso wie in der östlichen Kultur. Dieselben Werte sind in den westlichen Traditionen grundlegend genauso vorhanden wie im Zen-Buddhismus.

Die Zen-Übung lässt sich sehr gut integrieren, nachdem man den traditionellen Übungsweg internalisiert hat. Das Sitzen in Stille lässt sich wunderbar mit dem durchaus hektischen Leben unserer westlichen Zivilisation verbinden, indem es den Kontrapunkt darstellt.“

Das Gespräch führte Ruth Hoffmann

Photos Harry Mi Sho Teske © Harry Mi Sho Teske
Photos ‚Bhuddismus‘ © repor-tal

Informationen: www.ostsee-zen.de

*Das japanische Wort ‚Zen‘ leitet sich über das chinesische ‚Chan‘ aus dem Sanskrit ‚Dhyāna‘ ab. Es bedeutet ‚Meditation, Selbstversenkung‘.

**’Dharma‘ ist das Sanskrit-Wort für ‚Gesetz‘, es bedeutet auch Ethik, Ordnung des Lebens. Im Buddhismus meint es die Lehre des Buddha.

***Die Nyingma-Tradition ist die älteste Form der vier großen Traditionen des tibetischen Buddhismus Die anderen drei Traditionen heißen Kagyü, Sakya und Gelug.

****Kōans sind im japanischen Zen-Buddhismus Aussagen oder Fragen der Meister, über die der Schüler meditiert, um zur Erleuchtung zu kommen. Oft sind sie für die reine Vernunft unzugänglich, was die besondere Herausforderung darstellt.

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