Jägermeister ohne Waldesruh

Jäger dürfen ihre Schießgewehre nicht mit Schalldämpfern benutzen. Das Verwaltungsgericht Düsseldorf hat die Klagen zweier Berufsjäger abgewiesen. 

Schalldämpfer für Feuerwaffen sind genehmigungspflichtig, weil es natürlich nahe liegt, dass sie für kriminelle Aktionen benutzt werden können. Geklagt hatten zwei Jäger vor dem Herrn, der eine ein Förster, der andere ein angestellter Revierjagdmeister. Doch das Gericht entschied: Die Gefahr, dass die Schalldämpfer in die falschen Hände geraten, ist größer als das öffentliche Interesse am Lärmschutz*.

Die Kläger selbst hätten, so die Begründung der Kammer, auch nicht glaubhaft gemacht, dass der Einsatz eines Schalldämpfers für ihre Berufsausübung erforderlich sei. Denn, so die Kammer weiter, sie könnten ihre Ohren auch mit elektronischen Gehörschutzstopfen gegen das zu laute Büchsenknallen schützen.

Auch der Tierschutz – damit haben Jäger insofern zu tun, als sie zur Ausübung ihrer Tätigkeit auch Hunde einsetzen – sei kein überwiegendes Interesse; der Hund muss also den Knall aushalten, auch wenn er sich vermutlich keinen ‚In-Ear-Hörschutz‘ unter die Schlappohren klemmen kann.

Wir dürfen also als Wanderer und Spaziergänger erwarten, dass auch künftig hin und wieder ein peitschender Büchsenknall die Waldesruh zerschneidet. Es sei denn, und diesen Weg zeigt das Gericht in seinem Urteil auf, die Arbeitgeber der Jäger würden die Bestimmungen zum Arbeitsschutz so auslegen, dass sie ihren Mitarbeitern schallgedämpfte Büchsen und Flinten zur Verfügung stellen wollten. Davon ist bisher zwar noch nicht die Rede; das Urteil könnte aber die zuständigen Behörden auf die Idee bringen, eine Arbeitsschutz-Verordnung über den Lärmschutz bei der Jagdausübung zu erlassen.

Bonks nAuch darf man sicher erwarten, dass sich die Tierschützer zu Wort melden werden. Und zwar die einen auf Seiten der hörschadensgefährdeten Hunde, die anderen unter dem Panier des jagdgestressten Wildes. Womöglich sehen sogar diejenigen eine Chance, die sich in Deutschland die Zulassung der Jagd mit Pfeil und Bogen wünschen, wie in den USA.

Sie wollen davon nichts mehr hören? Okay, ich schließe mich dem Gericht an und empfehle In-Ear-Hörschutz!

Schorsch Bonks

*Aktenzeichen 22 K 4721/14 und 22 K 5426/15

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