Wie der Tango mit der Welt tanzt

Ein letzter Tango,  © German Kral Filmproduktion
Ein letzter Tango, © German Kral Filmproduktion

Tango erlebt seit Jahren ein großes Revival, nicht nur in Argentinien, sondern weltweit. Auch in Deutschland tanzen Tausende Menschen mit Begeisterung Tango Argentino. Geboren ist der Tango in den Armenvierteln der Großstädte am Río de la Plata: Buenos Aires und Montevideo. Von dort erobert er zuerst die Metropolen Europas, kehrt wie im Triumph nach Hause zurück und geht von neuem auf Weltreise.

Der Beginn des Tangos wird auf das Ende des 19. Jahrhunderts datiert, wo am Río de la Plata, in den Großräumen Buenos Aires und Montevideo, aufgrund starker Migrationsbewegungen die verschiedensten Völker und Kulturen aufeinander trafen. Die musikalischen und tänzerischen Elemente, die zur Entstehung des Tango Argentino beigetragen haben, sind vielfältig: angefangen vom Candombe der Kreolen und Schwarzen und der Habanera aus Kuba über die polnische Mazurka und die böhmische Polka bis zum Walzer, Ländler und der Ziehharmonika der deutschen Einwanderer.

Fotolia © Jan de Vries
Fotolia © Jan de Vries

Schon sehr früh wurde der Tango in eher versteckten Veranstaltungshallen getanzt, weil er der Obrigkeit zu exzessiv erschien und daher ein Dorn im Auge war – die Vorform der städtischen Milonga. Das Wort bezeichnet sowohl einen Tango-Stil als auch die Clubs, die den Tango um die Jahrhundertwende zu einem ersten Aufschwung führten. Bestimmend waren von Anfang an die Tänzer: Die Damen wurden bis 1938 bei Tanzauftritten nicht einmal namentlich erwähnt. Als reines Beiwerk für die Kunst des Partners spielten sie eine untergeordnete Rolle.

Kurz vor dem Ersten Weltkrieg gelang dem Tango der Sprung über den Atlantik in die Salons und Bars von Paris. Er avancierte im modischen Vorbild Europas zum erfolgreichen ‘Trend’ und verhalf einigen Tänzern und Orchestern zu Karrieren in der ‘Alten Welt’. Im Umkehrschluss verhalf ihm sein Erfolg in Europa in seinem Ursprungsland zu einem neuen Image: vom Ausdruck der Verarmung und Verkommenheit zum ‚Tango de Salón‘.

Einige Jahre später veränderte eine neue Generation von Musikern, die ‚Guardia Nueva‘ den Tango mit Professionalität und technischer sowie künstlerischer Virtuosität. Stilbildende Tänzer wie José Giambuzzi, Bernardo Undarz und die Tango-Pionierin Carmen Calderón wurden Gastgeber ihrer eigenen Milonga und gründeten eigene Tanzschulen.

Die Zeit zwischen 1935 und 1955 wird als das ‚goldene Zeitalter‘ des Tangos bezeichnet. Der Zweite Weltkrieg brachte Argentinien unter der Regierung von Juan Perón einen Aufschwung, und die Menschen hatten ausreichend Geld, um sich am Wochenende zu vergnügen. Tango-Sendungen waren fester Bestandteil des Radioprogramms, und die Tango-Veranstaltungen und -ensembles wuchsen. Die Musik von Orchesterchefs wie Carlos di Sarli, Aníbal Troilo und Osvaldo Pugliese war auf höchstem Niveau, und die Stücke sowie Tanzschritte dieser Zeit sind auch heute noch Basis jeder Milonga.

Anfang der 1950er Jahre wurden wie überall in der westlichen Welt andere Musikstile wie Rock’n’Roll, Beat und Rock populär, was den Tango ins Abseits beförderte und eher für intellektuelle Schichten interessant machte. Astor Piazzolla, von Jazz und Klassik beeinflusst, erweiterte sein Orchester um Schlagzeug und E-Gitarre, polarisierte damit die Traditionalisten und schuf mit dem Tango Nuevo eine neue, künstlerisch ambitionierte und eher avantgardistische Form des Tango.

Traumpaar auf der Bühne: María Nieves & Juan Carlos Copes © Personal Archive Juan Carlos Copes
Traumpaar auf der Bühne: María Nieves & Juan Carlos Copes © Personal Archive Juan Carlos Copes

Wie viele seiner Landsleute floh er in der Militärdiktatur der 1970er Jahre nach Europa, wo sich sein Stil in der Trauer des Exils vertiefte. Sein neuer konzertanter Tango, den er unter anderem in Zusammenarbeit mit María Nieves und Juan Carlos Copes auf die Bühne brachte, weckte neues Interesse für den Tanz – zuerst in Europa und ab Mitte der 1980er Jahre erneut in Argentinien.

Bis heute ist Tango kulturelles Alleinstellungsmerkmal und wichtiger Wirtschaftsfaktor für das Land – und wie zu Beginn seiner Geschichte kontinuierlich im Austausch mit anderen Künsten und Einflüssen.

Text: repor-tal

Photos mit freundlicher Genehmigung vom Filmverleih Alpenrepublik

Informationen: www.alpenrepublik.de

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