Heilsames aus der Klausur

TCM (Traditionelle Chinesische Medizin) ist in aller Munde und bekannt. Aber wer befasst sich schon mit der Westlichen Traditionellen Medizin? Ja, richtig! Die gibt es auch. Die große Kloster Apotheke deckt nicht nur dieses Jahrhunderte alte Wissen auf, sondern gibt auch praktische Anleitung, Tinkturen, Pillen und Tropfen selbst herzustellen.

Ein einfacher Beginn: das Klosterfasten. Basierend auf alten Lehren hat die Heilpraktikerin Dr. Iris Eisenmann-Tappe eine Kur zum Entschlacken und Entgiften entwickelt. Wer sich keine Fastenkur im Kloster leisten möchte oder kann, bekommt hier vom ersten bis zum siebten Tag eine klare Anleitung, welche Tees die Kur unterstützen, was gegessen werden darf, unterstützt durch leichte Qigong-Übungen.

Natürlich darf die Heilkunst der Hildegard von Bingen nicht in der Kloster-Apotheke fehlen. Dr. Johannes Gottfried Mayer hat einige Rezepturen der großen Mystikerin und Heilkundigen des 12. Jahrhunderts wissenschaftlich überprüft. Mayer ist Medizinhistoriker in Würzburg und kennt sich in der traditionellen Medizin entsprechend aus. 

Eines der Geheimnisse, warum die Heil-Kräuter oft in Wein gelöst und nicht als Tee zubereitet wurden: das Wasser war zu schlecht und Wein ein effektives Auszugsmittel. Rezepte für den Einsatz bei Kopfschmerzen und Fieber, bei Zahnfleischproblemen oder rheumatischen Schmerzen und vieles mehr sind genauestens beschrieben. 

Herangezogen hat Mayer neben den Überlieferungen der Hildegard von Bingen auch andere Quellen für das traditionelle heilkundliche Wissen, etwa das Arzney Buch nach Christoph Wirsung (16. Jahrhundert) und das Lorscher Arzneibuch (8. Jahrhundert). Aber Achtung: Gewürzweine sind keine Genussweine! Ein Pinnchen voll reicht oft.

Auch die alten Methoden des Schröpfens und Blutegelsetzens werden erklärt. Heute werden sie von einigen Ärzten wieder angewandt. Interessant, aber nicht unbedingt einsatzbar ist die Beschreibung der Signaturenlehre des Theophrastus Bombastus von Hohenheim, besser bekannt als Paracelsus. Sie lehrt, dass die Form einer Pflanze ihre Heilwirkung anzeigt.

Teilweise führte diese Lehre aus dem 16. Jahrhundert zu abstrusen Auslegungen. Während Augentrost zum Beispiel durchaus eine entzündungshemmende Wirkung bei Augenerkrankungen aufweist, hat die Bohne definitiv keine Heilkraft bei Nierenleiden, auch wenn die Frucht noch so sehr diesem Organ ähnelt.

Wer den Platz hat, kann sich nach der Kloster Apotheke auch einen Klostergarten zu Hause anlegen. Welche Pflanzen hineingehören, wie sie gepflegt werden müssen und nach der Ernte ihre Anwendung finden, wird ebenso beschrieben wie die Anwendung alter Bräuche: Weissdorn soll ewige Jugend bescheren! Versuchen wir es?

Egal, ob wir an diese alten Bräuche glauben oder nicht, die Kloster-Apotheke birgt so manchen Schatz aus vergangenen Jahrhunderten, der unsere moderne Schulmedizin nicht ersetzt, aber unterstützen kann.

Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Bibel und fragen Sie Ihren Abt oder ihre Äbtissin!

Text: Ruth Hoffmann

Cover mit freundlicher Genehmigung von Klartext

Informationen: www.klartext-verlag.de

Georg W.F. Tempel (Hrsg.): Die große Kloster Apotheke. Das alte Wissen der Mönche und Nonnen
Klartext, 126 Seiten, gebunden
16,95 Euro
ISBN 978-3-8375-1934-1

 

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