Kiosk an der Kuhweide

Ein Melkhus ist meist aus Holz, grün gestrichen und hat ein rotes Ziegeldach. Das ist ihr Markenzeichen, jedenfalls am Radweg der Deutschen Sielroute. Hier bieten Bäuerinnen der Region an, was die Milch hergibt, von einem frischen Glas Milch über Milchmixgetränke, Eis, Milchkaffee, Quarkspeisen und außerdem auch Kuchen oder anderes Gebäck. Aber auch regionale Köstlichkeiten sind dabei. Das hängt ganz davon ab, was die Hausherrin zubereitet.

Inge Struck betreibt ein Melkhus in Jade.

Bedienung darf man dabei nicht erwarten. Manchmal ist jemand vor Ort, aber nicht immer ist dafür Zeit. In der Landwirtschaft gibt es viel zu tun. Im Melkhus steht aber immer alles gut gekühlt in Vitrinen. Die Preise finden sich auf einer Tafel.

Inge Struck zum Beispiel vertraut auf die Ehrlichkeit der Gäste. „Wir haben dort eine kleine Kasse stehen, wo die Leute einfach das Geld legen können“, erklärt die Bäuerin. Das Melkhus ‚Drei Eichen’ auf ihrem Pferdehof liegt ganz in der Nähe von Jaderberg und dem Neuenburger Urwald unweit des Jadebusens.

Inge Struck

„Jeden Morgen stellen wir frisch zubereitete Getränke und Speisen in die Vitrinen“, sagt Inge Struck. Doch wenn die Bauersleute ihren Feierabend einläuten, haben sie auch durchaus einmal Zeit für einen gemütlichen Klönschnack am Melkhus oder über den Gartenzaun.

Ihren Ursprung haben die Melkhüser im äußersten Westen Ostfrieslands, dem Rheiderland, gleich an der niederländischen Grenze am Dollart. Dort hatte die inzwischen verstorbene Friedel Schumacher die Idee. Zusammen mit Ihrer Tochter verwirklichte sie den Plan. Schnell breitete sich die Idee in ganz Ostfriesland aus und nahm ihren Eroberungszug in die Wesermarsch, die Wildeshausener Geest, das Ammerland, das Emsland bis zur Grafschaft Bentheim, nach Cuxhaven und bis nach Rothenburg/Wümme.

Mehr als 75 Melkhüser gibt es schon. Obwohl der Name nach Region und dem jeweiligen Plattdeutsch variiert, ist Melkhus ein rechtlich geschützter Begriff. Nur wer sich an die Standards hält, darf sich Melkhus, Melkhüs, Melkhuske oder im Ammerland auch Mölkstand nennen. Eine Übersicht der Melkhüser findet sich im Internet. Geöffnet sind die Milchhäuschen meistens von April bis Oktober, aber das kann auch je nach Wetter sein.

Übrigens heißen die Melkhüser nicht so, weil in ihnen Milch verkauft wird, sondern weil früher auf dem Bauernhof das Melkgeschirr darin untergebracht war.

Ruth Hoffmann (Text)

repor-tal (Photos)

Informationen: www.melkhus.com, www.kreuzmoor.womoweb.de

Print Friendly, PDF & Email

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sind Sie ein Mensch? *