Die Emanzipation des Flauto Dolce

Perfektes Duo: Dorothee Mields und stefan Temmingh © Harald Hoffmann
Perfektes Duo: Dorothee Mields und stefan Temmingh © Harald Hoffmann

Stefan Temmingh hat sich als Blockflöten-Solist vor allem dadurch einen Namen gemacht, dass er die Musik des Barock auf ungewohnte Weise aktualisiert: mit authentischen Klängen und originellen Interpretationen. Beim Neusser Shakespeare-Festival stellte er zusammen mit der Barock-Sopranistin Dorothee Mields und der ‚The Gentleman’s Band‘ seine instrumentale Interpretation alter Lieder vor.

Die Melodien populärer Lieder aus der Zeit des Barock sind selten überliefert. Zu damals landläufigen Texten gibt es aber oft mehrere spätere Vertonungen. Stefan Temmingh hat zusammen mit seinem Ensemble ‚The Gentleman’s Band‘ Lieder im barocken Sinn instrumental umgesetzt. Deshalb lautet der Titel des Konzertes und der gleichnamigen CD ‚Inspired by Song‚. So kommt der Hörer in den Genuss, mehr oder weniger bekannte traditionelle Lieder in barocker Fassung zu hören.

Dorothee Mields
Dorothee Mields
© Annelies van der Vegt

Temmingh und die auf Barockmusik spezialisierte Sopranistin Dorothee Mields entwickeln einen konzertanten Dialog. Mields samtweicher Sopran antwortet auf die virtuosen Klänge der Flöten – eine Kommunikation zwischen der Singstimme und dem Instrument. Temminghs wird beim Spiel förmlich eins mit seinem Instrument; er geht darin auf, sein Körper biegt sich tänzerisch mit dem Lauf der Melodie, und wenn er ganz allein ‚Engels Nachtegaeltje‘ von Jacob van Eyck (1590 – 1657) spielt, glaubt man, die Nachtigall über die Bühne flattern zu sehen.

Temminghs Flöten sind allesamt Spezialanfertigungen, die meisten von dem Schweizer Ernst Meyer, der sich darauf spezialisiert hat, die Blockflöte im Kontext mit modernen Instrumenten konkurrenzfähig zu machen. Und das ist ausdrücklich die Mission des Solisten Temmingh: Die Blockflöte als modernes Instrument zu ‚emanzipieren‘. 

Francesco Geminiani
Francesco Geminiani

Einer der favorisierten Komponisten von Temmingh ist Francesco Saverio Geminiani (1687 – 1762). „Ein etwas verrückter Komponist“, lacht Temmingh. „Man sagt, Geminiani habe zu viele Noten in einen Takt gepresst.“ Für den Flöten-Virtuosen ist das aber kein Problem.

Dorothee Mields gehört zu den führenden Interpretinnen der Musik des 17. und 18. Jahrhunderts. Kein maniriertes Tremolo stört ihren Gesang. Alles klingt weich und zart, aber auch lustig und herausfordernd oder traurig und zurückhaltend.

Die Solisten und das Barock-Ensemble: Axel Wolf, Dorothee Mields, Stefan Temmingh, Margret Köll und Domen Marinčič (v.l.n.r.) © Christine Schneider
Die Solisten und das Barock-Ensemble: Axel Wolf, Dorothee Mields, Stefan Temmingh, Margret Köll und Domen Marinčič (v.l.n.r.) © Christine Schneider

‚The Gentleman’s Band‘ begleitet unterstützend, unaufdringlich, authentisch auf historischen Instrumenten: Margret Köll an der Barockharfe, die noch ohne Pedalmechanik auskommt, Axel Wolf an der 14-saitigen Barocklaute und der fünfchörigen Barockgitarre, Domen Marinčič an Viola da Gamba und einem mit Bünden versehenen Violoncello und Wiebke Weidanz am Cembalo.

Text:  Jan Peder Lödorfer

Photos mit freundlicher Genehmigung von Pro Classics

Weitere Konzerte mit Stefan Temmingh 2014: 9. August Mainz, 23. August Dorsten, 30. August Bernkastel, 6. September Viechtach, (Japan-Tournee im Oktober), 29 November Bingen, 13. Dezember München.

Informationen: www.shakespeare-festival.de, www.stefantemmingh.com

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