Wo Friesen zwischen Wiesen fietsen

Die Löwen bewachen die Brücke am Norderhaven von Harlingen

Dass wir Deutschen leichthin ‚Holland‘ sagen, wenn wir die Niederlande meinen, reizt gerade die Friesen noch mehr als etwa die Limburger im Süden. Denn früher lag Friesland von Holland aus betrachtet jenseits der ‚Südsee‘, niederländisch Zuiderzee, also gefühlt ebenso weit weg wie Indonesien; umgekehrt natürlich entsprechend.

Weit, flach, grün und von Kanälen durchzogen: typisch friesische Landschaft

Heute erinnert vor allem die blau-weiß gestreifte Flagge mit den roten Seerosenblättern daran, dass wir uns in einem Landstrich mit gehobenem Selbstbewusstsein befinden – und gewisse Ortsschilder. Die löwenstolze Kulturhauptstadt Europas 2018, Leeuwarden, heißt auf friesisch kurz Ljouwert, die betriebsame und dennoch malerische Hafenstadt Harlingen noch kürzer Harns, die schnucklige Seestadt Sneek superkurz Snits.

Die Wasserbrücke ist das Wahrzeichen von Sneek

A propos Seen: Die Provinz ist durch Wasserwege voll erschlossen. Friesland ist ein Paradies für Wassersportler jeder Disziplin. Es eignet sich allerdings auch ideal zum Radeln für Genießer – auf niederländisch: lekker fietsen. Das in den Niederlanden flächendeckend verbreitete System der Knotenpunkte (Knooppunten) erlaubt es problemlos, individuelle Stecken zusammenzustellen. Die Punkte und die Wege sind mit Tafeln durchgängig markiert und durch Karten, Apps oder Empfehlungen in Heftform erschlossen. Das System wird unterhalten vom ANWB, der im Gegensatz etwa zu unserem ADAC auch eine Organisation für Radfahrer ist.

Hol über mit Fiets oder zu Fuß

Ein Vorschlag gefällig? Wie wäre es zum Beispiel mit der Runde De Oersetters – 45 Kilometer durch Wiesen und Felder mit zwei ‚Übersetzern‘ auf kleinen Fähren für Radler und Fußgänger. Start und Ziel ist Bolsward; als Abschluss bietet sich ein Besuch der hiesigen Friese Bierbrouwerij an. Bolsward ist auch Standort der ältesten Fabrik für die friesische Schnaps-Spezialität Beerenburg: Sonnema, die zu besichtigen ist. Faltblätter mit diesem und anderen Tourenvorschlägen sind bei den Büros des VVV teils kostenlos zu haben. 

Ab und zu findet man ein ‚Winkeltje‘ am Wegesrand.

Der Nordosten der Provinz Friesland hat einen gewissen Baumbestand, weshalb er stolz als Friese Wouden etikettiert wird. Für unsere Begriffe ähnelt er eher einer Parklandschaft. Für den Genussradler bieten die Bäume einen gewissen Schutz vor dem Wind, der in der friesisch-freien Landschaft schon mal lästig werden kann.

Die Ijsselmeer-Küstenorte Makkum und Stavoren sind während der Sommersaison Rummelplätze für Surfer, Segler und Menschen jeden Alters, die es lieben, mit dröhnenden Motoren übers Wasser zu fräsen. Sie genießen hier das Privileg, auch viele Kilowatt an der Schraube ohne Führerschein auf die Umwelt loslassen zu dürfen. Wenn Sie nicht zu denen gehören, machen Sie besser einen Bogen um diese Orte.

Ideal für Touren durch Städte und Landschaften: Das Sloepje

Ein Zentrum des gemäßigten Segelsports ist Grou auf halbem Weg zwischen Sneek und Leeuwarden. Von hier aus sind sogar Radtouren mit mehr als nur zwei Fähr-Überquerungen machbar. Manchmal gibt es für die Fährgäste einen Lakritz als kleine Stärkung.

Friesische Kultur findet man eher da, wo man nicht so leicht mit einer dicken Yacht hinkommt. Franeker zum Beispiel bietet ein sensationelles Planetarium, das seit der Barockzeit (!) unverändert erhalten ist. Oder sie schauen sich Dokkum an, wo der Apostel der Germanen, Bonifatius, der Legende nach ums Leben gekommen ist. Ein Denkmal erinnert daran.

Das Martyrium des heiligen Bonifatius in Dokkum

In den Niederlanden ist es übrigens nirgends ein Problem, ordentliche Fahrräder zu entleihen. Ebenso zum Verleih stehen kleine Boote (sloepjes), mit denen man unter den typischen Brücken durchkommt und so auch die Innenstädte und Orte erreichen kann. Wer uns Deutschen keine Schande machen will, hält sich an die Tempolimits.

Text: Jan-Peder Lödorfer
Photos: © repor-tal

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