Forscher, Kämpfer, Kosmopolit

Gehört haben schon viele den Namen Feldenkrais. Wenigen ist aber klar, was die Feldenkrais-Methode eigentlich ist. Und noch weniger kennen den Menschen hinter dieser Methode. Christian Buckard hat das Leben des außergewöhnlichen Autodidakten recherchiert und dargestellt.

Moshé Feldenkrais zu charakterisieren ist vermutlich genauso schwer, wie seine Methode zu beschreiben. Die Feldenkrais-Methode muss man erleben, um zu verstehen, was sie bewirkt: Das Zusammenspiel von Körper, Geist und Seele zu erfassen, nichts Esoterisches, sondern eine pragmatische Aufarbeitung unserer Funktionen. Doch wer war dieser Feldenkrais? Christian Buckard hat sich auf die Suche gemacht und ein umfassendes Bild seines Lebens und Charakters gezeichnet.

1904 in der Ukraine geboren, in Weißrussland aufgewachsen, verläßt Moshé Feldenkrais, gerade fünfzehnjährig, seine Familie und macht sich auf den Weg nach Erez Israel, nach Palästina. Nach einer abenteuerlichen Reise kommt er nach Tel Aviv und schlägt sich als Bauarbeiter, Nachhilfelehrer und Landvermesser durch. 

Sein Wissensdurst ist unerschöpflich. Als Zionist tritt er der Haganah, der jüdischen Selbstverteidigungs-Organisation, bei. Hier lernt er Jiu-Jitsu. Damit beginnt sein Weg in den Körper. Feldenkrais entdeckt die Zusammenhänge von unbewussten Reaktionen und bewussten Aktionen. Im Lauf vieler Jahre kommt er schließlich zu dem Schluss: Bewegung muss bewusst werden. Nur wer weiß, was er tut, kann tun, was er will.

Zum Studium geht der junge Mann nach Frankreich. Das erwünschte Medizinstudium kann er sich nicht leisten, also studiert er Physik, macht seinen Doktor und schafft es sogar, mit dem Team der Curies an der Weltspitze der Atomforschung zu arbeiten. Zugleich wird er einer der ersten Meister und Verbreiter des Judo in Europa, während er weiter an seiner Methode arbeitet und merkt, dass er eine ganz neue Art des Lernens entdeckt und erschlossen hat.

Während des 2. Weltkriegs kämpft er gegen die Nazis im Dienst der Briten und des im Aufbau befindlichen Staates Israel. Gleichzeitig In Frankreich und Großbritannien, bevor er seine Methode endgültig entwickelt und auf der ganzen Welt verbreitet. Feldenkrais, der Kosmopolit, bleibt aber in seinem Herzen in Israel verwurzelt.

Autor Christian Buckard studierte unter anderem Judaistik. Ihm ist mit Moshé Feldenkrais – Der Mensch hinter der Methode ein spannender und gleichzeitig umfassender Bericht über den ‚Entdecker‘ der körperlichen Funktionen im Zusammenspiel mit geistigem Bewusstsein gelungen. Wer die Feldenkrais-Methode bisher noch nicht kennt, wird sie nach der Lektüre sicher ausprobieren.

Text: Ruth Hoffmann

Cover mit freundlicher Genehmigung von Piper

Informationen: www.piper.de

Christian Buckard: Moshé Feldenkrais. Der Mensch hinter der Methode
Piper, 2017, 368 Seiten, Broschur
ISBN 978-3-492-31092-5
12 Euro

 

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