Martas Augenöffner

Im fünfzehnten Jahr nach seiner Eröffnung hat das Kunst-Museum Marta Herford sechs neue Ausstellungen im Programm. Die Eigenproduktionen sind nach Angaben der Kustoren im engen Dialog mit den Künstlern und mit absichtlichem Bezug zur Raumdramaturgie des Frank-Gehry-Gebäudes entstanden. Unter dem Motto „Marta neu erleben“ will sich das Museum um breitere Zugänglichkeit und erhöhte Aufenthaltsqualität kümmern und den Besucherdialog intensivieren.

Dazu gehören unter anderem ein freies WLAN-Netz, komfortable Sitzgelegenheiten und ein barrierearmes Webterminal. Zum 29.02.2020 wird auch eine neue Preisstruktur im Marta Herford eingeführt, die dann unter anderem auch freien Eintritt für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre ermöglicht sowie spezielle Ermäßigungen für jungen Menschen in Ausbildungsverhältnissen. Auch eine neue Jahreskarte und attraktive Angebote für Mehrfachbesuche werden noch stärker auf die Bedürfnisse des Publikums eingehen.

Das Jahresprogramm 2020

Navid Nuur, These are the days, 2004-19, © Der Künstler

Der iranische Künstler Navid Nuur (*1976) setzt sich in seinem Werk mit zentralen Fragen der Wahrnehmung auseinander. Diese Ausstellung ist seit 2009 die erste umfassende Präsentation des Künstlers in Deutschland. Mit augenzwinkerndem Spielgeist und philosophischer Gewandtheit können sich Besuchende aller Altersgruppen gemeinsam mit dem künstlerischen „Materialforscher“ auf den Weg machen, um die Welt mit neuem Blick zu sehen.
Navid Nuur – Hocus Focus
 26.01. – 26.04.20

Trotz ihrer augenscheinlichen Unterschiede besitzen Glas und Beton eine lange gemeinsame Geschichte. Wie kaum ein anderes Material sind sie mit großen Architekturvisionen verbunden: von hell durchfluteten Kirchenbauten über militärische Festungen bis hin zu funktionalen Wohnmaschinen. Die Künstler Matti Braun, Andreas Bunte, Daniel Buren, Louisa Clement, Thomas 
Florschuetz, Daniela Friebel, Vincent Ganivet, Isa Genzken, Lena von Goedeke, Isa Melsheimer, Pennacchio Argentato, Túlio Pinto, Kilian Rüthemann, Kai Schiemenz, Tatjana Trouvé, Martin Walde und viele andere erkunden den Weg des Materials zwischen Fließen und Erstarren. Konstruktionen aus Glas und Beton werden elegant und brutal in Szene gesetzt.

Kai Schiemenz, Big Four Colours II, 2015, Glas, Betonsockel, 82,5 x 40 x 30 cm, Foto: Otto Felber/Kai Schiemenz, Berlin

Glas und Beton – Manifestationen des Unmöglichen
 29.02. – 07.06.20
Mit dem Beginn von „Glas und Beton“ wird es ab März 2020 in den großen Gehry-Galerien erstmals einen fest eingerichteten museumspädagogischen Aufenthalts- und Arbeitsraum im Ausstellungsparcours geben. „Die Insel im Marta“ ist ein neu entwickeltes Langzeitprojekt, das jeweils für ein gesamtes Jah­res­programm von einem Künstler entwickelt und begleitet wird. Den Auftakt 2020 macht der belgische Künstler Adrien Tirtiaux mit einer ebenso überraschenden wie architektonisch überzeugenden Installation für abwechslungsreiche Aktivitäten.

Kann man Kunst auch mal ganz anders erleben? Welche (unbewussten) Augenbewegungen spielen beim Erfassen eines Bildes eine Rolle? Abseits von gewohnten Sichtweisen verleiten experimentelle „Stationen“ in dieser Schau zu Kunsterlebnissen, die auch das eigene Sehen, Wahrnehmen und Begreifen thematisieren – ein ungewöhnliches Ausstellungserlebnis.
Sehtest – Bewegte Blicke auf die Sammlung Marta 
17.05. – 30.08.20

Dirk Braeckman, Anthony McCall, Radenko Milak, Kelly Richardson, James White und andere Künstler prüfen eingespielte Wahrnehmungsmechanismen. Im Spannungsfeld zwischen malerischen und fotografischen Techniken thematisieren sie die Wahrhaftigkeit von Bildern und erschließen neue Deutungs­zusammenhänge. Die Schau ergründet dabei auf verblüffende Weise die Wechselseitigkeit von fotorealistischer Darstellung und malerischem Illusionsraum, in der das Reale nur andeutungsweise aufscheint.
Trügerische Bilder – Ein Spiel mit Malerei und Fotografie
 27.06. – 25.10.20

Brigitte Waldach, Gewalt, 2013, Museum Marta Herford, Raumzeichnung mit 6-Kanal Sound, Foto: Bernd Borchardt

Die Berliner Künstlerin Brigitte Waldach erhält den Marta-Preis der Wemhöner Stiftung 2020. In ihren großformatigen Zeichnungen und begehbaren räumlichen Verspannungen kommt auch Texten und Klängen eine Rolle zu. Mit Linien und Worten ergründet sie geistesgeschichtliche und literarische Zusammenhänge. Ihre malerischen Textwolken, Raumzeichnungen und Klanginstallationen setzen sich immer wieder intensiv auch mit der deutschen Geschichte auseinander. Die Wemhöner Stiftung finanziert diesen alle zwei Jahre ausgelobten Preis mit 25.000 Euro. Die bisherigen Preisträger*innen sind das Duo Heike Mutter / Ulrich Genth (2014), Simon Wachsmuth (2016) und Peter Wächtler (2018).
Brigitte Waldach – Marta-Preis der Wemhöner Stiftung 20.09.20 – 17.01.21

Mode war schon immer ein raffiniertes Spiel zwischen gesellschaftlichen Normen und individuellem Ausdruckswillen. Mehr denn je aber geraten heute Fragen nach Funktionalität und Haltbarkeit, Konsumdruck und Produktionszusammenhängen in den Fokus, während Kleidungsstücke in einer nie dagewesenen Menge und Geschwindigkeit hergestellt, getragen und abgelegt werden. Gleichzeitig hat sich Mode als ‚Fashion‘ zu einem komplexen Bedeutungssystem entwickelt, in dem sich Zugehörigkeit, Selbstdarstellung, Stile und Ansprüche spiegeln.

Zhanna Kadyrova, Second Hand, 2015-2019, Scaffolding, Keramik gesammelt aus der Darnitsky Silk Factory, Zement, Holz, Foto: Ela Bialkowska, OKNO Studio

Look! Enthüllungen zu Kunst und Fashion
 14.11. – 11.04.21

Das Marta Herford gehört mit 18 bundesweiten Projektpartnern aus der Kultur zum Netzwerk Kunst & Spiele der Robert-Bosch-Stiftung. Ab Sommer 2020 wird die frühkindliche Bildung einen neuen Schwerpunkt der schon bisher intensiv verfolgten Vermittlungsarbeit im Kita- und Schulbereich bilden. Darüber hinaus werden unter anderem ein neues Mal-Café für Menschen mit und ohne Behinderungen, ein Sonntagsatelier als Angebot über die verschiedenen Generationen hinweg, spezifisch auf die jeweiligen Ausstellungen hin entwickelte Themenwerkstätten sowie von bildenden Künstlern angeleitete Workshops für Erwachsene das Marta-Atelier weiter beleben. Angebote wie dialogische Führungen, poetische Rundgänge und offene Runden werden zudem neu konzipiert und engagiert auf die Erwartungen des Publikums hin fokussiert.
Schließlich wird sich im Laufe des Jahres auch das Online-Angebot von Marta Herford noch einmal in neuem Gewand und mit neuer Funktionalität präsentieren.

Text: Marta/repor-tal
Photos mit freundlicher Genehmigung des Museums Marta Herford
Informationen: www.marta-herford.de

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