Schätze hoch über der Ostsee

Reich bemalte Holzdecke aus Wilster, Ende 18. Jahrhundert
Reich bemalte Holzdecke aus Wilster, Ende 18. Jahrhundert

Je weiter man nach Norden kommt, desto flacher wird Deutschlands Landschaft – denken viele. Tatsächlich erhebt sich aber über der nördlichsten Stadt, Flensburg, ein Berg. Wer ihn ‚besteigt‘, findet oben einige beeindruckende Kunst-Sammlungen vor.

Der Museumsberg
Der Museumsberg

Hoch und trocken über dem Spiegel der Ostsee haben die Schleswiger im Jahr 1876 ihre Kunstschätze verstaut. Die Sammlung enthält Kunst und Kunsthandwerk aus dem ganzen ehemaligen Herzogtum, also auch aus dem nördlichen Teil, der seit 1920 zu Dänemark gehört. Die Ausstellung umfasst eine große Zeitspanne: Es gibt Kirchenkunst aus dem Mittelalter ebenso wie moderne, dazu viel regionales Ambiente wie Schmuck, Möbel oder Kinderspielzeug.

Pesel von der Insel Föhr, 1637
Pesel von der Insel Föhr, 1637

Einmalig ist vermutlich die Sammlung sogenannter ‚Pesel‘. Darunter versteht oder verstand man in Nordfriesland und auf seinen Inseln repräsentative Räume, die zwar üppig mit Holzvertäfelung und/oder Fayencefliesen ausgestattet, aber nicht heizbar waren. Sie wurden nur an Festtagen genutzt. Etliche Pesel sind in den Räumen des Museums im Original aufgebaut.

Ein weiterer Typ Wohnraum, der in der Ausstellung vertreten ist, heißt ‚Döns‘. Dieser Raum war kleiner als der Pesel und konnte indirekt mit einem Ofen in der Küche beheizt werden. Diese Räume waren kaum möbliert außer mit wandfesten Bänken. Auch die Betten in den Schlafkammern waren üblicherweise als ‚Alkoven‘ vor den Wänden eingebaut.

Juwelenschrank, Flensburg Anfang 17. Jh.
Juwelenschrank, Flensburg Anfang 17. Jh.

In andere Räumen gab es durchaus auch Möbel im heutigen Sinn. Die Möbelsammlung mit rund 900 oft reich geschnitzten oder mit Intarsien verzierten Stücken tut ein Übriges, um einen Eindruck vom Lebensstil der reichen nordfriesischen Bauern und den Fertigkeiten der Handwerker vergangener Jahrhunderte zu vermitteln. Eine großbürgerliche Wohnumgebung des 18. Jahrhunderts ist durch das Bürgerzimmer aus Schleswig repräsentiert. Es zeigt nicht nur Holzpaneele, sondern auch eine Stuckdecke mit Kronleuchter, eine Ledertapete mit Goldauflagen und einen Fayence-Kachelofen.

Diese Sammlungen sind im Hauptbau, dem ‚Heinrich-Sauermann-Haus‘ ausgestellt. Das ‚Hans-Christiansen-Haus‘ daneben zeigt Werke des gleichnamigen Künstlers (1866 – 1945), der als einer der ersten Vertreter des ‚Jugendstils‘ gilt, und anderer namhafter Maler der Region wie Barlach und Nolde bis zu aktueller Kunst.

Text: Jan-Peder Lödorfer

Photos mit freundlicher Genehmigung der Sammlung Museumsberg Flensburg, © repor-tal

Informationen: www.museumsberg-flensburg.de

Adresse: Museumsberg 1, D-24937 Flensburg

Telefon: 0461/852956

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10 bis 17 Uhr

Eintritt: 6 Euro

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