Else ist immer angesagt

Der Else-Lasker-Schüler-Almanach mit dem Titel ‚Jeder Vers ein Leopardenbiss‘ ist schon der 9. seiner Art. Im Jahr seines Erscheinens 2011 hat in Berlin die Ausstellung ‚Else Lasker-Schüler. Die Bilder‘ stattgefunden, in der ‚Deutschen Nationalgalerie im Hamburger Bahnhof – Mseum für Gegenwart‘. Dazu passt das üppige Angebot des Almanachs: Essays und Zeitzeugenberichte, Interviews und Bilder.

Der erste Abschnitt des Buches hebt er den Dichter Peter Hille (1854-1904) aus der Versenkung, den Else Lasker-Schüle als ihren Mentor verehrte. Man kann ihn auch als einen der Pioniere des deutschsprachigen Kabaretts betrachten.

Ein literarisches Highlight ist der Text einer szenischen Lesung von Anna Schäfer mit dem Titel ‚Exil und Versöhnung‘. Die Autorin ist 1939 in Wien geboren, wegn ihres jüdischen Vaters von den Nazis verfolgt, überlebte bei Verwandten in Norddeutschland, wanderte 1964 nach Kanada aus und arbeitete dort als Dozentin.

Sigrid Bauschinger (Univ. Massachusetts) reflektiert Lasker-Schülers Auseinandersetzung mit ihrer christlichen Umwelt, die sich kondensiert in einem Brief, den sie 1940 an den damaligen Papst Pius XII schrieb. Es geht um Antisemitismus, speziell um die Greuel-Legende, wonach Juden angeblich rituelle Morde verübt hätten. Noch zwischen 1871 und 1914 gab es in Deutschland 17 Verfahren wegen solcher Anschuldigungen, und die Nazis verbreiteten sie in ihren Propagandaschriften weiter. Erst Papst Johannes XXIII setzte 1965 ein deutliches Signal dagegen.

Else Lasker-Schüler war ein Multitalent. Ihre Seite als bildende Künstlerin beleuchtet Erika Klüsener, emeritierte Professorin an der Clarion University of Pennsylvania, in einem ausführlichen und reichlich farbig illustrierten Beitrag, gefolgt von einem Interview mit der Forscherin, die das Verzeichnis der zeichnerischen Werke Lasker-Schülers erarbeitet hat: Ricarda Dick.

In Textform können wir uns auf den Spuren der Dichterin und Künstlerin führen lassen durch ihre Geburtsstadt Wuppertal, Teile Berlins, die Westfälischen Herkunftsorte ihrer Vorfahren und Stationen ihrer Emigration über Sizilien bis nach Jerusalem.

Avital Ben-Chorin, 1923 in Eisenach geboren, Frau des verstrbenen Schriftstellers Schalom Ben-Chorin, beschreibt ihre Eindrücke von den persönlichen Begegnungen mit der Dichterin.

Der Wuppertaler Germanist Heinz Röllecke, u.a Herausgeber der Werke Hugo von Hoffmannsthals und der Brüder Grimm, steuert einen Bilder- und Zitatenreichen Essay über Else Lasker-Schülers Gerdichte in der Begegnung mit Gottfried Benn bei.

Weitere Beiträge stammen von dem israelische Autor Uri Avnery, geboren 1923 in Beckum als Helmut Ostermann und Träger mehrerer Friedenspreise, Hans  Dieter Zimmermann (TU Berlin), Markus Hallensleben (Univ. British Columbia) und vielen weiteren Autoren aus aller Welt.

Der Almanach ist ein Überblick über die internationale Forschung zu LaskerSchüler, eine Brücke zur zerstörten Kultur vor dem Dritten Reich und ein Appell, den Geist der verbannten und verbrannten Dichter und Künstler lebendig zu halten.

„Jeder Vers ein Leopardenbiss“ – in den Hintern der deutschen Gegenwartskultur!

Jan-Peder Lödorfer

Jeder Vers ein Leopardenbiss
Else-Lasker-Schüler-Almanach
Herausgegeben von Hajo Jahn
Mehr als 520 Seiten, viele Bilder, 22 Euro
Peter Hammer Verlag Wuppertal
ISBN 978-3-7795-0360-6

Einkaufen bei Amazon.de

Print Friendly, PDF & Email

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sind Sie ein Mensch? *