Spiel der Identitäten

Isabel Rohner, Buchautorin, Germanistin, Feministin, Wissenschaftlerin, hat ihren ersten Krimi geschrieben: Schöner Morden. Gemordet wird in der Parallelwelt der Schönen aber nicht unbedingt Reichen. Auf 160 Seiten entwickelt sich ein turbulentes Spiel der Schicksale.

Isabel Rohner – Linn Kegel – Loretta Coppelia: Drei Frauen, die etwas gemeinsam haben: Isabel Rohner ist Schriftstellerin genau wie ihre Romanheldin Linn Kegel. Linn erfindet ihrerseits Loretta, die einen Mord aufklärt, was Linn ganz nebenbei auch gelingt.

Isabel Rohner, unter anderem Biographin und Dokumentarin von Hedwig Dohm, schreibt einen Krimi. Der Plot: Eine Bestseller-Autorin schreibt ihren ersten Kriminalroman. Allerdings fällt der fiktiven Schriftstellerin partout kein sinniger Handlungsstrang ein. Dazu benötigt sie das reale Leben, einen Mord, der Verbindung hat zu ihrem ehemaligen Arbeitsplatz in einer Künstleragentur.

Linn Kegel (Chegel auf Schwyzerdütsch) – denn sie ist rein zufällig Schweizerin wie die reale Autorin Isabel Rohner auch – steht unter Hochdruck: Ihr Verleger – natürlich ein Mann – droht ihr, sie durch eine junge Autorin zu ersetzen, falls sie nicht subito ein Exposé auf seinen Schreibtisch legt: „Huere Siech!“ ist ihre Form des verbalen Blitzableiters – vielleicht auf deutsch so etwas wie ‚Verdammt‘. Aber das können Schweizer bestimmt besser erklären.

Während also Linn Kegel einerseits versucht, ihre Schreibblockade zu überwinden, stochert sie andererseits ganz nebenbei im Leben ihrer Ex-Kollegen bei einer Künstleragentur, macht erstaunliche Entdeckungen und findet tatsächlich den Mörder. Denn dort ist eine unliebsame Bereichsleiterin umgebracht worden. Ein Motiv für den Mord haben die meisten auftretenden Protagonisten. Doch es wäre wohl nicht Isabel Rohner, wenn dieser turbulent knappe Krimi auf ’normale‘ Art zu Ende ginge. Nee, da muss der Leser sich schon auf etwas gefasst machen…

Isabel Rohner © Christian Kruppa

Apropos Leser, natürlich auch die Leserin, aber ich möchte leserliche Texte schreiben und deshalb gendere ich nicht. Genau das ist mir bei dem feministischen Krimi von Isabel Rohner sehr positiv aufgefallen. Es wird nicht gegendert. Wir sind emanzipiert und haben Chefinnen und Polizistinnen – kein unleserlicher Doppelkrampf. Und genauso konsequent tauchen auch Verbrecherinnen oder Idiotinnen auf.

Ein kleiner Tipp: Isabel Rohner zitiert gerne Klassiker, zum Beispiel Schillers Don Carlos. Und so beginnt das ‚Spiel‘ schon mit der klassischen Auflistung der Protagonisten in Film-Manier, dem ‚Starring’…

Der kleine Krimi ist für Genre-Fans beiderlei Geschlechts wirklich zu empfehlen.

Text: Ruth Hoffmann

Cover und Photo mit freundlicher Genehmigung des Ulrike Helmer Verlages

Informationen: www.ulrike-helmer-verlag.de

Isabel Rohner: Schöner Morden
Ulrike Helmer Verlag, Crimina, 160 Seiten, Paperback
13 Euro
ISBN 978-3-89741-433-4

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