Geschändete Schätze der Weltkultur

3D-Darstellung der Basilika von Leptis Magna, Libyen © FDD ICONEM / MAFL

Modernste virtuelle Rekonstruktionen in der Ausstellung Von Mossul nach Palmyra ermöglichen eine virtuelle Reise durch diese heute zerstörten Stätten des Weltkulturerbes. Dass diese Stätten auf diese Weise wieder auferstehen, ermöglicht Schlüsse auf ihre Zukunft und ihren möglichen Wiederaufbau.

Mossul, Aleppo, Palmyra, Leptis Magna – diese Städte sind Symbole für sagenumwobene, vergangene Zivilisationen, aber auch für die Zerstörung ihrer Denkmäler durch Fanatismus und Kriege. Das kulturelle Erbe im Nahen Osten und Nordafrika ist multikulturell und multireligiös und steht für den Austausch zwischen drei Kontinenten. Doch ihr architektonisches Erbe ist zum Sinnbild einer Vergangenheit geworden, die von den einen verehrt wird und den anderen verhasst ist.

Eine riesige Leinwand zeigt die erst kürzlich aus den Händen des Islamischen Staats zurückeroberte Stadt Mossul. Obwohl die tiefen Wunden, die der Krieg geschlagen hat, überall deutlich zu sehen sind, ist ihre traditionelle städtische Architektur aus der Vogelperspektive gut zu erkennen.Die Große Moschee des an-Nuri mit ihrem schiefen Minarett zeigt das Ausmaß der Zerstörung. Die Überblendung der Ruinen mit einem neuen, virtuellen Abbild in 3D zeigt das Gebäude wie es einmal war und wie es rekonstruiert werden könnte.

Ein Streifzug durch die Straßen der Altstadt führt zu Aleppos geschichtsträchtigstem Sakralbau, der Umayyaden-Moschee. Ihr völlig zerstörtes Minarett ersteht dank einer virtuellen 3D-Rekonstruktion aus den Ruinen.

Die Plünderungen und Zerstörungswut des IS in der antiken Oasenstadt Palmyra sind ein schwerer Schlag für das Weltkulturerbe. Die historisch bedeutsamsten Gebäude, darunter der Tempel des Bēl und der Tempel des Baalschamin, wurden gesprengt. Dem Blick auf die archäologischen Stätten in Ruinen ist eine in Kooperation mit der Universität von Lausanne entstandene virtuelle Rekonstruktion des Tempels des Baalschamin gegenübergestellt. 

Leptis Magna ist die einzige der vier Stätten, die trotz des Konflikts in Libyen keinen schwerwiegenden Zerstörungen ausgesetzt war. Doch droht dem großartigen antiken Komplex Gefahr durch Plünderung und Vernachlässigung. Die Drohnen-geleitete virtuelle Besichtigung führt die Besucher durch Straßen und in Gebäude und gestattet detaillierte Einblicke in deren skulpturale Ausstattung. 

Das Virtual-Reality-Erlebnis ermöglicht den Besuchern eine Reise zu sechs bedeutenden Orten in der arabischen Welt, die zerstört wurden oder aktuell nur schwer zugänglich sind. Seit der Zerstörung der Buddha-Statuen von Bamiyan im Jahr 2001 ist die Fragilität des Kulturerbes auf der ganzen Welt ins Bewusstsein gerückt. Die in den letzten zehn Jahren angerichteten Schäden an der Architektur in der arabischen Welt sind umfangreicher als in den Jahrhunderten zuvor.

Die Schau ist bis zum 3. November 2019 zu sehen.

Text: Bundeskunsthalle / repor-tal

Photos mit freundlicher Genehmigung der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland GmbH

Informationen: www.bundeskunsthalle.de

Öffnungszeiten: dienstags und mittwochs 10 – 21 Uhr, donnerstags bis sonntags und feiertags 10 – 19 Uhr

Eintritt: 10 €

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