Kampagne gegen
Kauderwelsch

Nun hat sich der Bundesverkehrsminister zum Hüter der deutschen Zunge aufgeschwungen. Wo doch der Duden im Begriff ist, ganz allmählich auch die englische Sprache mehr oder weniger komplett aufzunehmen (siehe dazu die Besprechung der 26. Auflage). Die Bundesbahn dagegen hat jetzt eine Liste von 2.200 Anglizismen in der Hand, die künftig einheimischen Sprachgewächsen Platz machen sollen, wie zum Beispiel ‚Business Class‘, ‚Non-Stop‘ oder ‚Package Deal‘.

Aufgeführt sind interessanterweise auch ehrwürdige Klassiker wie ‚Bonus‘, die eigentlich gar nicht wirklich englisch sind, und die schon unsere Urgroßeltern kannten. Wer weiß – vielleicht würden diese – ich rede von unseren Urgroßeltern – auch weiteren Bekannten begegnen, wenn erst die Liste der deutschen Übersetzungen herauskommt. So könnte der ‚Non-Stop‘- ja wieder ‚D-Zug‘ heißen, der Intercity wieder ‚Express‘!

Zumal wenn man, um der deutsch-französischen Freundschaft willen, auf die Ausdrücke zurück kommt, die um die Wende zum 20. Jahrhundert wiederum von selbsternannten Hütern der Deutschen Sprache mühsam abgeschafft worden waren, wie ‚Perron‘, ‚Kondukteur‘ oder ‚Billett‘! Wenige Bezeichnungen waren stark genug, sämtliche offiziell verordneten Sprach-Waschgänge zu überstehen, wie das unsterbliche Wort ‚Lokomotive‘.

Zum Glück gibt es ja bei uns aktuell (noch?) keine Behörde, die offiziell mit der Verteidigung der Sprache gegen Wörter mit Migrationshintergrund betraut ist – im Gegensatz zu Frankreich, wo es sogar zwei gibt: die ehrwürdige Académie Française und ein Komittee im Weichbild des Elyséepalastes. Sie sorgen per ordre de mufti dafür, dass zum Beispiel der Computer in Frankreich ‚ordinateur‘ und das iPad ‚tablette‘ heißt. Ob solche Extravaganzen die internationale Verbreitung der französischen Sprache befördern, wage ich zu bezweifeln.

Verständigung und Verständlichkeit sind allerdings auch nicht immer vorangige Ziele solcher Sprachpolitik. Manchmal geht es einfach nur darum, vor dem Publikum zu glänzen. Das gleiche Motiv treibt auch Werbetexter dazu, linguistische Mésalliancen zusammenzukleistern wie ‚Call & Surf Basic mit Internet Flatrate‘. Wer da nur ‚Bahnhof‘ versteht, liegt allerdings falsch. Hier handelt es sich um ein Produkt der Telekom: früher Fernsprech-, heute Fremdsprech-Unternehmen.

Schorsch Bonks

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