Montague gegen Capulet in Zeitlupe

Poetenpacks Romeo und Julia, Plakatmotiv Rayk Goetze

Wieder einmal die alte Geschichte: Romeo und Julia. Aber auch immer wieder neu, diesmal vom Theater Poetenpack aus Potsdam, das vor wenigen Tagen Premiere feierte. Die Inszenierung von Andreas Hueck spricht bestimmt das junge Publikum an. Und die schauspielerischen Leistungen der Truppe überzeugen alle.

Was macht es aus, das alte neue Lied von Romeo und Julia? Wie kann ein Regisseur es schaffen, keine abgedroschene Handlung auf die Bretter zu bringen? Schwer, sehr schwer. Durchbrochen wird die Handlung durch Musik-Untermalungen, die das Pulsieren des Ablaufs unterstreichen. Arne Assmann spielt Saxophon und sorgt für akustische Dramatik mit Trommel und Donnerblech. Auch der zarte, mehrstimmige Chorgesang der Schauspieler an entscheidenden Stellen, ein schlichter Ruf nach „Romeo oder „Julia, weckt beim Zuschauer die Gefühle unter der Haut.

Das Gift! (Julia Borgmeier und Reiner Gabriel)

Stefan Leitz hat die meist turbulenten Kampfszenen choreographiert und einstudiert. Besonders gelungen ist ihm und den Darstellern eine Slapstick-artige Zeitlupe, die an Tai-Chi und zugleich an Comics erinnert: Im wilden Handgemenge tummeln sich die Körper, hier ein Faustschlag, dort ein ‚getroffenes‘ verzerrtes Gesicht. Hände und Körper werden im Gerangel zu einer großen Figur.

Julia Borgmeier gibt eine herausragende Julia. Sie beherrscht das mimische Repertoire der Gefühlswelten: überschäumende Freude und Todesentsetzen, aber genauso die kleinen Varianten wie Beschämung und Angst oder Gehorsam und innerer Widerstand. Eine großartige schauspielerische Leistung!

Regisseur Andreas Hueck hat nach eigenen Angaben Textvarianten aus etlichen deutschen Romeo und Julia-Übertragungen benutzt. Daraus ergibt sich mancher Bruch der Sprach-Ebenen, den er zu Anspielungen auf die aktuelle Politik oder zur direkten Ansprache vor allem des jungen Publikums nutzt.

Das Spiel ist aus! (André Kudella, Andrea Seitz, Florian Bamborschke, Markus Braun v.l.n.r.)

Eine Steigerung erlebt das Stück nach der Pause. Die Handlung nimmt dann deutlich Fahrt auf. Der Witz weicht der tragischen Dramatik. Poetenpacks Romeo und Julia ist sehenswertes zeitgenössisches Shakspeare-Drama. Das Publikum im Neusser ‚Globe‘ bestätigte dies mit donnerndem Applaus.

Text: Ruth Hoffmann

Photos und Plakatmotiv mit freundlicher Genehmigung von Pro Classics, © Christoph Krey

Informationen: www.shakespeare-festival.de

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