„…hier den Dreckskerl aufzuführen.“

Grandioses Spiel der 'bremer shakespeare company': Peter Lüchinger, Kathrin Steinweg, Ulrike Knospe, Michael Meyer, Theresa Rose und Christian Bergmann (v.l.n.r.)   © Christoph Krey
Grandioses Spiel der ‚bremer shakespeare company‘: Peter Lüchinger, Kathrin Steinweg, Ulrike Knospe, Michael Meyer, Theresa Rose und Christian Bergmann (v.l.n.r.) © Christoph Krey

‚Richard III.‘ gehört zusammen mit den dem Dreiteiler ‚Heinrich VI.‘ zu der York-Tetralogie Shakespeares. Es schließt den Mehrteiler ab, der die sogenannten Rosenkriege zwischen 1455 und 1485 umfasst. Das Königs-Drama ist um 1593 entstanden und gehört damit zu den frühen Werken Shakespeares. Dass es nicht oft auf deutschen Bühnen zu sehen ist, liegt auch an der verwickelten Story, in der diverse Edwards und Richards neben einer Vielzahl anderer Familien- und Adelsmitglieder vorkommen. Um so spannender zeigt sich die Inszenierung der ‚bremer shakespeare company‘.

Michael Meyer verleiht Richard Profil.© Marianne Menke
Michael Meyer verleiht Richard Profil.
© Marianne Menke

Wie aus dem Nebel der Vergangenheit erheben sich die Protagonisten zu Beginn des Spiels vom Boden der Bühne. Der verkrüppelte Richard – eine Glanzdarstellung von Michael Meyer – verschreibt sich dem Bösen, um die Macht der Krone zu erlangen. In der Übersetzung von Thomas Brasch sagt er zu Anfang: „Weil ich den Liebhaber nicht spielen kann, hab ich beschlossen, hier den Dreckskerl aufzuführen.“ Dabei scheut er nicht nur vor Betrug und Intrige nicht zurück, sondern ist auch der Drahtzieher für die Ermordung seiner Brüder und seiner Neffen. Er wähnt sich unantastbar und allen überlegen.

Dynamisch und schnell ist das Spiel der Bremer Company. Um die Zuschauer aber nicht gänzlich durch die Vielzahl der Protagonisten insbesondere bei Namensdoppelungen zu verwirren, haben sie sich einen Trick einfallen lassen: Christian Bergmann, der allein sieben Rollen verkörpert, ‚fällt‘ aus der Rolle für eine kurze Erläuterung, von wem gerade die Rede ist und wie er in den Zusammenhang gehört. Auch dies mit Tempo und Humor, aber fürs Verständnis sehr hilfreich. Denn dem modernen Publikum sind die Namen des Adels aus dem 15. Jahrhundert nicht mehr so vertraut wie dem Publikum des 16. Jahrhunderts. Damals fungierte das Theater auch als eine Art ‚Yellow Press‘, die das Volk über das Leben ihrer Herrscher auf dem Laufenden hielt.

Hastings geköpft, Buckingham am Ende: Theresa Rose, Kathrin Steinweg, Peter Lüchinger, Ulrike Knospe und Frank Auerbach (v.l.n.r.) © Christoph Krey
Hastings geköpft, Buckingham am Ende: Theresa Rose, Kathrin Steinweg, Peter Lüchinger, Ulrike Knospe und Frank Auerbach (v.l.n.r.) © Christoph Krey

Der von Shakespeare als Verkörperung des Bösen dargestellte Richard bekommt in der Bremer Inszenierung aber auch einen menschlichen Touch: durch die Ablehnung seiner Mutter wird er zum Ausgestoßenen, der sich Achtung und letztlich auch Liebe erzwingen will.

Richard spielt mit den Menschen und ihren Leben. Unterstützt wird er dabei vom intriganten Buckingham (Peter Lüchinger) und dem unbedarften Hastings (Frank Auerbach). Lüchinger und Auerbach umspielen die Rolle des Richard ebenso wie Ulrike Knospe, Theresa Rose und Kathrin Steinweg jeweils in mehreren Rollen. Die Sechs verstehen es, Michael Meyer in seiner schillernden Rolle als selbstverliebter Exzentriker zu unterstützen und herauszustreichen.

Richard sieht sich als uneingeschränkter Herrscher über Leben und Tod. © Christoph Krey
Richard sieht sich als uneingeschränkter Herrscher über Leben und Tod.
© Christoph Krey

Die Brüche sind es, die das Stück verständlich machen. So kündigt zum Beispiel der Satz „London – Nieselregen“ zwischendurch eine neue Szene an, löst die Spannung und bereitet die Zuschauer auf die nächste Handlung vor. Geschickt untermalt ist die Inszenierung durch Musik. Roman Beilharz hat sie unaufdringlich, doch markant, vorwärtsstrebend und Wiedererkennungswert vermittelnd eingesetzt. Auch der Einsatz von Mikrophonen, um bei entscheidenden Szenen einen eindringlichen polyphonen Effekt zu erzeugen, ist ein gelungenes Stilmittel von Regisseurin Ricarda Beilharz.

‚Die Tragödie von König Richard III.‘ der Inszenierung der ‚bremer shakespeare company‘ ist ein neues Licht zum Verständnis des psychologischen Dramas.

Text: Ruth Hoffmann

Photos mit freundlicher Genehmigung von Pro Classics

Informationen: www.shakespeare-company.com, www.shakespeare-festival.com

 

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