Na, wie seh‘ ich aus?

Félix Vallotton (1885-1925): Gabrielle Vallotton im gelben Kleid (1908)

Ob wir wollen oder nicht: Wir sind im Bild. Lange vergangen ist die Zeit, als das Portrait einer Person ein Zeichen von Macht und Prestige war. Vergangen auch die Zeit, als eine Photographie (mit zwei ‚ph‘) ein aufwendiges Stück – wenn nicht gar Kunst, so doch – Handwerk war. Wir sind im Zeitalter der ‚Selfies‘ angekommen – von der umfassenden Überwachung öffentlicher Räume durch Kameras ganz zu schweigen.

Gabrielle Vallotton (Photo um 1911)

Eine Ausstellung zum Thema ‚Portrait‘ hat sich, wenn sie denn den Anspruch hat, von Bedeutung zu sein, vor dieser Folie zu profilieren. Das Clemens-Sels-Museum in Neuss hat sich dieser Hersuaforderung gestellt und eine Portrait-Synopse unter dem Motto ‚Wunsch und Wirklichkeit‘ zusammengestellt mit dem Anspruch, den Einfluss der Photographie auf das künstlerische Genre des Portraits zu zeigen.

Sie konfrontiert Portraits und Selbstportraits von Künstlern des 19.und 20. Jahrhunderts mit Photographien, die eben dieselben Personen zeigen. Das ist spannend für Interessenten beider Sparten; denn die entscheidenden Unterschiede, Stärken und auch Schwächen beider Techniken, treten klar hervor.

Mary Stuck mit dunklem Hut (Photo 1915)

Wie die Entwicklung zeigt, hatte der Dichter Baudelaire Unrecht mit seiner 1895 geäußerten düsteren Prophezeihung, das Photo sei der Todfeind der Malerei. Vielmehr hat das Lichtbild der Malerei ganz neue Impulse gegeben, eine Befreiung vom Zwang, die Natur realistisch zu zeigen, während die Photographie andererseits zu Massenmedium wird, das dem breiten Publikum den Blick in die bis dahin unerreichbare Welt gewährt.

Als neues Medium für den Alltag neigt die Technik der Photographie dazu, vor allem beim Thema Portrait die abgebildete Person zu idealisieren, buchstäblich in das günstigste Licht zu rücken. Die Malerei dagegen traut sich, bis zur Verzerrung und Entstellung zu gehen, um das Innere der Person nach Außen zu kehren.

Franz von Stuck (1863-1928) Bildnis der Tochter Mary um 1916

Natürlich darf im Zeitalter von ‚Instagram‘ und ‚Facebook‘ die Aufforderung zum Mitmachen nicht fehlen. Auf Instagram gepostete Sefies (#clemensselsmuseumneuss) werden Teil der Schau und sollen einladen zu der ’selfie-kritischen‘ Auseinandersetzung mit der Frage: ‚Was ist Wunsch, was Wirklichkeit?‘

Die Ausstellung ‚Wunsch & Wirklichkeit‘ im Clemens-Sels-Museum Neuss ist noch bis zum 18. Februar 2018 zu sehen.

Text: Jan-Peder Lödorfer

Photos mit freundlicher Genehmigung des Clemens-Sels-Museums Neuss 

Adresse: Am Obertor, 41460 Neuss
Tel. 02131/904141

Öffnungszeiten: Dienstag bis Samstag 11 bis 17 Uhr
Sonntag und Feiertag 11 bis 18 Uhr

Informationen: www.clemens-sels-museum-neuss.de

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