Das Tor zur Welt
des Mittelalters

In den Sprachen der Sachsen und Franken im Süden heißt die Siedlung ‚Sliesthorp‘ oder ’sliaswich‘, also Siedlung an der Schlei. Die Wikinger nennen sie lieber nach der Heide, die sie umgibt: Haithabu.

Wikingerschiff
Rekonstriertes Wikingerschiff

Die Stadt gehört dem dänischen König und beherrscht die Verbindung zwischen Ost- und Nordsee. Hamburg war noch ein Dorf, als Haithabu schon Handelsbeziehungen in den gesamten baltischen Raum und bis ins Schwarze Meer unterhielt. Der arabische Autor At-Tartuschi schreibt im 10. Jahrhundert: „Haithabu ist eine sehr große Stadt am äußersten Ende des Ozeans.“

Runenstein
Der Runenstein wird illuminiert

Drei Jahrhunderte dauert die Blüte der Stadt. Gegen die von Süden vordringenden Franken errichtet man ein 30 Kilometer langes Wallsystem, das Danewerk. Siedlung und Danewerk sind eine bedeutende Archäologische Fundstätte, die durch einen modernen Museumsbau und ein Freilichtmuseum für das Publikum erschlossen wird.

Das Museum setzt morderne Medien ein, um die Bedeutung der damaligen Stadt in Handel und Handwerk deutlich zu machen. Es gibt einen Audioguide, der auch als Smartphone-App zur Verfügung steht.

Sklavenfessel
Sklavenfessel

Gebrauchsgegenstände, Schmuck und Waffen geben Aufschluss über den Stand der Technik und der Kunst, über Ernährung, soziale Ordnung und Religion. Von einer besonders lukrativen Handelsware zeugen die eisernen Sklavenfesseln, die in Haithabu gefunden wurden.

Das geheimnisvolle Prunkstück der Sammlung, der Runenstein, ist geschickt ausgeleuchtet und ’spricht‘ zu den Besuchern des Museums: „König Sven setzte diesen Stein für Skarthi, seinen Gefolgsmann, der nach Westen gefahren war, aber nun fiel bei Haithabu“.

Schiffsgrab
Modell eines Schiffsgrabes

Eine große Halle beherbergt die Teil-Rekonstruktion eines Langschiffes. Das Leben im Hafen illustrieren Filmszenen, die sehr geschickt in Fenstern arrangiert sind.

Angus-Rind
Ein Urvieh

Vom Hauptgebäude führt ein kurzer Spaziergang vorbei an uralten Eiben und Weißbuchen über den Ringwall bis zum Freilicht-Teil. Auf den Weiden grasen Schafe einer kleinen Rasse, wie sie im frühen Mittelalter üblich waren, und zottige Black-Angus-Rinder.

Haithabu-Siedlung
Historische Häuser

Die sieben Häuser der Siedlung sowie die Landungsbrücke am Hafen wurden auf der Basis der Bodenbefunde rekonstruiert. Im Innern zeigen sie historische Wohn- und Arbeitsstätten von Händlern, Fischern und Handwerkern. Während des Sommers wird das Freilichtmuseum von historisch arbeitenden Handwerkern und Händlern ‚bespielt‘. Für Erwachsene und Jugendliche gibt es ein Veranstaltungsprogramm.

Entdeckt wurde die Ausgrabungsstätte im Jahr 1897 von einem dänischen Archäologen. Der Pegel der Ostsee war im Lauf der Jahrhunderte um etwa einen Meter gestiegen. Dadurch standen viele Holzteile unter Wasser und wurden besser konserviert. Ein Höhepunkt der Ausgrabungen war die Bergung eines wikingischen Schiffes 1979/80.

Im Januar 2013 wollte sich Haithabu um die Aufnahme in das UNESCO-Weltkulturerbe bewerben. Doch kurz vor dem Termin zog Schweden seine Beteiligung ohne Begründung zurück. Die verbliebenen Staaten, Dänemark, Island, Lettland, Norwegen und Deutschland, müssen die Bewerbungsunterlagen nun neu abfassen, um den Antrag 2014 erneut einzubringen.

Jan-Peder Lödorfer (Text)

repor-tal (Photos & Video)

Wikinger-Museum Haithabu
Haddeby bei Schleswig
Tel. 04621/813222
Öffnungszeiten: April bis Oktober täglich 9-17 Uhr; November bis März dienstags bis sonntags 10 bis 16 Uhr; die Wikingerhäuser sind von November bis März geschlossen.

Informationen: www.haithabu.de

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