Das Puzzle der Drei mit dem Stern (4)

Im bunten Kosmos der christlichen Kulturtradition spielen sie eine besonders brillante Rolle: die ‚Heiligen Drei Könige‘, auch als ‚Magier aus dem Morgenland‘ bekannt. Was steckt hinter der Legende, was bedeuten die Figuren und ihre kostbaren Gaben? Was hat es mit dem Stern auf sich, dem sie gefolgt sein sollen? fifty2go hat einen Experten gefragt: Prof. Dr. theol. Manfred Becker-Huberti. In Teil 4 geht es um den Kalender und die Bräuche.

fifty2go: Was bedeutet Epiphanias?

Professor Dr. Becker-Huberti © Manfred Becker-Huberti
Professor Dr. Becker-Huberti
© Manfred Becker-Huberti

Professor Becker-Huberti: Epiphanias oder Epiphanie (von griech. Ἐπιφάνεια Epipháneia, latinisiert zu Epiphanía ‘Erscheinung’). bedeutet Erscheinung des Herrn. Gefeiert wird die menschliche Gegenwart Gottes in der Person Jesu Christi. Im Mittelpunkt der Liturgie stehen das Gedächtnis der Anbetung der Magier, die Taufe Jesu im Jordan und sein erstes Wunder bei der der Hochzeit von Kana.

Ursprünglich wurde am 6. Januar die Geburt Jesu und die Epiphanie gefeiert. Im 4. Jahrhundert wurde das Weihnachtsfest auf den 25. Dezember verlegt. Beim Fest der Epiphanie haben sich seit der Reliquientranslation der Heiligen Drei Könige von Mailand nach Köln im Jahr 1164 die Drei Könige in den Vordergrund geschoben.

Was bedeutet ‚Hochneujahr‘?

Hochneujahr, Großes Neujahr, Großneujahr oder Oberster sind Bezeichnungen für den 6. Januar im süddeutschen und alpinen Raum und im älteren Brauchtum. Der Name wird darauf zurückgeführt, dass dieser Tag einmal im christlichen Bereich Jahresbeginn war. Weil es keine historisch gesicherten Belege für diese Annahme gibt, wird sie von anderen bestritten, die darauf verweisen, die Quelle dieser Annahme sei vorchristlicher Natur – ebenso wie die Einordnung der Zeit zwischen dem 25.12. und 06.01. als ‘Zeit zwischen den Jahren’ bzw. Raunächte.

Was haben die HDK mit diesem Fest zu tun?

In der Westkirche wurde das Fest der Epiphanie auf die Heiligen Drei Könige reduziert, die ursprünglich nur in der Lesung die Göttlichkeit Jesu bestätigten, sich dann aber in den Vordergrund schoben, als ihre Reliquien nach Köln gebracht wurden.

Welchen Ursprung hat der Brauch des Sternsingens?

Jedes Jahr ziehen auch heute noch die Sternsinger los.
Jedes Jahr ziehen auch heute noch die Sternsinger los.
© bilder-erzbistum-koeln.de, Photograph: Michael Kasiske

Das Sternsingen, Dreikönigssingen oder Sterndrehen in den Raunächten ist ein Heischebrauch, der sich 1541 erstmals in St. Peter in Salzburg nachweisen lässt. Sein Ursprung wird in den kirchlichen Dreikönigsspielen vermutet. Jugendliche, Schüler und Sängerknaben zogen, als Drei Könige verkleidet, singend und Texte deklamierend von Haus zu Haus und brachten am Hauseingang ein Zeichen an, das die bösen Geister abweisen sollte. Für das Jahr 2016 lautet das Zeichen: 20*C+M+B*16. Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts wurden C, M und B als Caspar Melchior und Balthasar gedeutet. Ihre Namen sollten die Dämonen abhalten, Haus und Hof heimzusuchen. Seit der Mitte des 20. Jahrhunderts gelten die drei Buchstaben als Abkürzung für: Christus mansionem benedicat = Christus segne dieses Haus. Seit 1958 haben die modernen mehr als 300.000 Sternsinger Geld nicht für sich, sondern für die benachteiligten Kinder in dieser Welt gesammelt – inzwischen weit über 300 Millionen Euro. Es ist weltweit die größte Solidaritätsaktion von Kindern für Kinder.

Artikel-Photo mit freundlicher Genehmigung des Erzbistums Köln, © bilder-erzbistum-koeln.de, Photograph: Bernhard Moll

Informationen: www.becker-huberti.de

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