Als die Tageshelle in die Kirche kam

Sog. Kopf mit der Binde (Detail), Werkstatt des Naumburger Meister, um 1239, Mainz, Bischöfliches Dom- und Diözesanmuseum Mainz, © Bischöfliches Dom- und Diözesanmuseum, Mainz. Foto: Bernd Schermuly

Himmelwärts strebende Gewölbe ohne Schwere, lichtdurchflutete Maßwerkfenster und monumentale Figuren, die tiefe menschliche Gefühle zeigen stehen für die Architektur des zwölften Jahrhunderts. Aber auch Mikroarchitektur kennzeichnet die faszinierende Epoche der Gotik. Im Diözesanmuseum Paderborn läuft die große Sonderschau „GOTIK. Der Paderborner Dom und die Baukultur des 13. Jahrhunderts in Europa“.

Baldachin mit Turmaufsatz vom Dorsale des Westchors im Mainzer Dom, Werkstatt des „Naumburger Meisters“, Mainz, um 1239, Sandstein mit Farbfassungsresten, Baldachin: Landesmuseum Mainz, Turmaufsatz: Hessisches Landesmuseum Darmstadt, © Dom- und Diözesanmuseum Mainz, Foto: Marcel Schawe, Frankfurt a. M.

Ausgehend von Frankreich, revolutionieren Ideen und Innovationen die Architektur und Kunst in ganz Europa. Schwerelosigkeit der Gewölbe und Detailtreue in der Mikroarchitektur stehen für die moderne Baukunst jener Epoche. Im Jahr des Paderborner Domjubiläums und im „Europäischen Jahr des Kulturerbes 2018“ widmet das Diözesanmuseum Paderborn dieser faszinierenden Epoche die bis zum 13. Januar 2019 laufende Ausstellung.

Anhand hochkarätiger Exponate entwirft die Schau ein faszinierendes Panorama der Zeit und zeigt, wie sich die neuartigen Ideen beim Bau der großen Kathedralen flächendeckend ausbreiteten – von Reims über Paderborn bis nach Riga. 

Bedeutende Leihgaben aus Museen und Sammlungen in ganz Europa lassen die Zeit der Gotik mit ihren vielfältigen gesellschaftlichen und technischen Veränderungen lebendig werden. Zu den herausragenden Ausstellungsstücken zählen die sogenannten Reimser Palimpseste, die ältesten erhaltenen Architekturzeichnungen, der berühmte Kopf mit der Binde des Naumburger Meisters, das einzigartige Heiliggrab-Reliquiar aus dem Schatz der Kathedrale von Pamplona, das bislang noch nie in Deutschland gezeigt wurde, und die Originalfragmente des im Zweiten Weltkrieg zerstörten Schreins der heiligen Gertrud von Nivelles.

 

Weitere Preziosen der Goldschmiedekunst, Buchmalerei, Elfenbeinschnitzerei und Skulptur, etwa aus dem Louvre und dem Musée Cluny in Paris ergänzen die Schau. Eigens erstellte 3D-Modelle und interaktive Animationen geben ungewöhnliche Einblicke in die Konstruktionstechniken gotischer Gebäude.

Diözesanmuseum Paderborn, Ansicht von Osten, Foto: Noltenhans

Sechs Ausstellungseinheiten nehmen die Ideen und Dynamiken in den Blick, die den internationalen Erfolg der gotischen Architektur- und Formensprache begründeten: vom Bauprozess über bahnbrechende technische Neuerungen bis zu Fragen des kulturellen Austauschs und Wandels:

  • Gotik – Strahlkraft bis in die Regionen: Der Paderborner Dom
    Selbstbewusst verbinden Paderborner Bischöfe und die Bauhütte regionale, spätromanische Traditionen mit neuen gotischen Einflüssen aus Nordfrankreich und dem Mittelrhein zu neuen Formschöpfungen. Der 1068 von Bischof Imad geweihte Vorgängerbau wird bewusst abgerissen, um eine größere und modernere Kathedrale zu errichten, die nach rund 60 Jahren vollendet wurde. 
  • Baubetrieb und technische Innovationen
    Das neue Medium der Architekturzeichnung, das in der Ausstellung durch die berühmten Reimser Palimpseste vertreten ist, revolutionierte innerhalb weniger Jahrzehnte sämtliche Planungs- und Bauverfahren.
  • Große Gefühle in Stein gemeißelt, in Holz geschnitzt
    Die gotische Skulptur erlangt monumentales Format, sie wird zum Gegenüber des Betrachters und zeichnet sich durch eine teils ausgeprägte Mimik und Gestik aus mit dem Ziel, Emotionen und Mitgefühl bei den Gläubigen zu erwecken.
  • Die gotische Kathedrale – Abbild des himmlischen Jerusalems
    Als irdisches Abbild des himmlischen Jerusalems war der Innenraum der gotischen Kathedrale besonders gegliedert. Im Zusammenspiel von Architektur, Skulptur, Glasmalerei, liturgischer Ausstattung, aber auch mehrstimmiger Musik, wie sie in den französischen Kathedralen erstmals zu hören war, spiegelt sich die hochmittelalterliche Spiritualität der Zeit.

Text: Projekt2508 / repor-tal

Photos mit freundlicher Genehmigung von Projekt 2508

Informationen: www.dioezesanmuseum-paderborn.de

Anschrift: Erzbischöfliches Diözesanmuseum und Domschatzkammer, Markt 17, 33098 Paderborn

Telefon: 05251 / 125-14 00

Öffnungszeiten: dienstags bis sonntags 10 bis 18 Uhr, jeden ersten Mittwoch im Monat bis 20 Uhr

Eintritt: 9 Euro

Print Friendly, PDF & Email

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sind Sie ein Mensch? *