Zum Gedächtnis
der großen Pina

Lächelnd sitzt ein junger Mann neben einer Leinwand, auf der ein Interview mit der jungen Pina Bausch bei ihrer ersten Inszenierung ‚Fritz‘ in Wuppertal zu sehen ist. Das war 1973. Damals ist die später weltberühmte Choreographin 33 Jahre alt. Pina Bausch schaut nach links, der junge Mann blickt von rechts auf die Projektionswand. Welch frappierende Ähnlichkeit! Salomon Bausch (Jg. 1981) ist heute so alt wie seine Mutter damals. Dasselbe Lächeln umspielt seine Lippen wie das seiner Mutter in dem Interview.

Rolf Salomon Bausch © repor-tal
Salomon Bausch © repor-tal

Salomon Bausch ist heute Vorstand der Pina Bausch Foundation, die den Nachlass der großen Künstlerin ordnet und für die Welt erhalten will. In diesem Jahr feiert das Pina Bausch Ensemble sein 40-jähriges Bestehen. Grund genug für die Compagnie und die Foundation, mit allen Pina-Fans zu feiern.

Doch es soll mehr sein als die Festivals, die es zu Lebzeiten der Choreographin  gegeben hat. Mehr als ’nur‘ Aufführungen. ‚Mehr als ’nur‘ eine Woche. Eine ganze Pina-Spielzeit soll es geben. In großen Lettern prangt der Schriftzug ‚Pina 40‘ auf Plakaten und Flyern. Rund 330 Veranstaltungen sind schon geplant. Es könnten noch mehr werden. 43 Aufführungen wird es von September 2013 bis Mai 2014 geben. Zwölf Stücke stehen auf dem Programm. 15 Aufführungen werden in Pina Bauschs Wahlheimatstadt Wuppertal aufgeführt. Weitere in Düsseldorf und Essen. Dies alles zusätzlich zu den internationalen Auftritten der Compagnie.

Shantala Shivanlingappa in
Bamboo Blues© Jong-Duk Woo.

Ein umfangreiches Begleit-Programm steht auch schon fest. Zum Beispiel wird es im September eine Photoausstellung von Walter Vogel mit den Portraits der jungen Pina geben. Und die Foundation wird eine von Pina im Jahr 2000 selbst konzipierte Ausstellung als Hommage an ihren verstorbenen Lebensgefährten und Kostümbildner der Compagnie, Rolf Borzik, präsentieren. An einem ganz besonderen Spielort, dem Skulpturenpark des Bildhauers Tony Cragg in Wuppertal, werden Installationen des langjährigen Pina-Bühnenbildners Peter Pabst zu sehen sein.

Bewegung als Ausdruck – Jo Ann Endicott bei einer Lesung  
© repor-tal

Ebenso gespannt darf man der geplanten Filmreihe entgegensehen: „Erstmalig werden wir Filmmaterial mit Dokumentationen von Stücken aus den 70er Jahren der Öffentlichkeit präsentieren“, strahlt Salomon Bausch. „Und ganz besonders freuen wir uns darüber, dass der 1987 von meiner Mutter gedrehte Film ‚Ahnen ahnen‘ gezeigt wird.“ Auch Wim Wenders preisgekrönter Film ‚Pina 3D‘ gehört dazu. Er soll jeden Sonntagmittag in der Spielzeit im Kino zu sehen sein.

Natürlich sollen auch Pina Bausch‘ Kollegen und Freunde zu Wort kommen. Alice Schwarzer wird sich mit Dominique Mercy, Mechthild Großmann und Lutz Förster über die Arbeit mit der Choreographin unterhalten. Dominique Mercy hatte nach dem Tod von Pina Bausch die Künstlerische Leitung der Compagnie zusammen mit Robert Sturm übernommen. Vor wenigen Wochen hat er diese Aufgabe Lutz Förster übergeben. Ein weiteres Highlight wird der Strawinsky-Abend, ein Gespräch mit den Tänzern der ersten Pina-Stunden in Wuppertal, John Giffin, Vivienne Newport und Jo Ann Endicott.

Julie Shanahan, Michael Strecker (l.) und Andrey Berezin in ‚Sweet Mambo
© Ursula Kaufmann

Aber auch die Musik, deren Auswahl immer wesentlicher, kreativer Bestandteil der Pina-Stücke war, bekommt ihren angemessenen Raum im der Jubiläums-Spielzeit. Deshalb werden viele der internationalen Künstler, deren Musik in Pina Bausch-Stücke eingeflossen ist, zu Konzerten anreisen, darunterder Japaner Jun Miyake, der Ungar Félix Lajkó, die Peruanerin Susanna Baca und das Quartett des gebürtigen Rumänen Alexander Bălănescu. Ein ganzer Abend gilt Musikern aus Korea.

Es wird das erste Festival, das Pina Bausch nicht selbst organisiert. Sie ist nicht mehr dabei, aber andere, die ihren Geist weiter tragen, sind noch da. So wird Pina Bausch nicht vergessen und ihr Werk nicht verloren gehen.

Das ausführliche Programm wird bald im Internet erscheinen.

Text: Ruth Hoffmann

Photos: © repor-tal

Informationen: www.pina40.de

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