Die Bühne ist keine Badewanne

Ein Konzert zum krönenden Abschluss eines Jazz-Workshops: Hoch motivierte Instrumentalisten jeden Alters und jeder Übungsstufe haben sich vier Tage lang zusammengefunden, um sich mit ihren Instrumenten im Zusammenspiel zu üben. Mehrere Combos und eine Big Band, die sich erst auf dem Workshop formiert haben, spielen mit Herz und vollem Einsatz, und die Spielfreude springt aufs Publikum über.

Doch leider muss jede Band auch noch als Background für Vokal-Solisten herhalten, die ihrem Job bei weitem nicht gewachsen sind. Weder eine zickige Zehnjährige noch eine gestandene Über-50-Jährige sind in der Lage, einen Ton zu halten. Von einer Performance zur nächsten wächst mein Respekt vor den Instrumentalisten, die sich durch diverse vokale Schieflagen nicht aus der Ruhe bringen lassen.

Kein Mensch stellt sich vors Publikum und spielt ein Instrument, wenn er’s nicht kann. Woher nehmen die Leute die Chuzpe, so zu tun, als könnten sie singen – und missbrauchen dann auch noch eine echte Live-Band, als wäre sie eine gefühllose Karaoke-Kiste? Dass sie sich nicht schämen!

Da wünsche ich mir – auch wenn ich ihn sonst eher fies finde – einen Dieter Bohlen, der den singenden Nervensägen klipp und klar vor den Kopf sagt: „Wie kommst du bloß auf die Idee, dass du singen kannst? Und warum blamierst du dich noch in deinem Alter?“

Aber nein: stattdessen werden die letzten Heuler vom Moderator auch noch groß herausgestellt. Als ob es nicht reicht, wenn sich nur der Sänger blamiert.

Die Stimme ist das phantastischste und vielseitigste aller Musikinstrumente. Doch: Sie zu beherrschen, ist eine Kunst, die viel Training braucht. Immerhin aber kann man die Stimme – im Gegensatz etwa zu Geige oder Klavier – sogar in der Badewanne trainieren.

Ich lasse schon mal das Wasser ein…

Bonks

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