Lederstrümpfe
aus Leidenschaft

Liebten wir sie als Kinder nicht alle, die Geschichten von Old Shatterhand, Winnetou, Lederstrumpf und Chingachgook? Wollten wir nicht alle Cowboy oder Indianer sein? Das Abenteuer rief. Bei Joachim Kreuzer (Jg. 1963) und Manfred Schröter (Jg. 1962) hat es nie aufgehört zu rufen. Die beiden verwirklichen gerade einen ihrer Träume: Sie brechen am 23. Juni 2013 nach Kanada auf, wo sie gekleidet und ausgerüstet wie vor rund 250 Jahren als ‚Kaufleute der historischen North West Company‘ den Yukon hinunter schippern wollen.

Kreuzer (l.) und Schröter arbeiten auf Hochtouren an ihrer historischen Ausstattung.

„Die North West Company ist zwar nicht auf dem Yukon gefahren“, erklärt Joachim Kreuzer. „Aber das holen wir jetzt nach. Wir werden auch wie damals versuchen, einen Tauschhandel aufzuziehen.“ Zu diesem Zweck haben die ‚Händler‘ ein Sortiment bunte Glasperlen dabei. Es soll nämlich alles ganz historisch zugehen.

Manfred Schröter und …

Aber der Reihe nach. Im wirklichen Leben ist Joachim Kreuzer Bootsbauer, Schmied und Händler für Western-Bedarf im siegerländischen Windeck. Manfred Schröter ist Montageleiter einer Firma für Sicherheitstechnik und lebt in Bonn. Die beiden kennen sich seit gut zwanzig Jahren. Und sie beschäftigen sich schon seit dreißig Jahren mit der nordamerikanischen Geschichte und deren Darstellung. So haben sie sich kennengelernt. Gemeinsam sind sie ‚Die wilden Kerle‘. Und beide haben schon reichlich Erfahrung mit Abenteuer-Touren. Der große Traum von Manfred Schröter ist, den Yukon im Westen von Kanada durch Alaska bis zur Beringsee zu befahren.

… Joachim Kreuzer als ‚York men‘

Sein Freund Joachim Kreuzer war gleich dabei. Im Frühjahr 2011 begannen sie Pläne zu schmieden: Historisch sollte alles sein, und das Boot natürlich selbst gebaut. Zwei Männer – ein Wort: Am Nikolaustag wurde der Kiel gelegt. „Den Mast und die Rah habe ich von einem Urlaub in Schweden mitgebracht“, erzählt Joachim Kreuzer. „Da habe ich die beiden idealen Stücke im Wald gefunden.“ Und sogar an einer Galionsfigur fehlt es nicht. Der Bildhauer Michael Lichtschlag hat dem Yukon-Team eine hübsche Nixe für den Bug geschnitzt.

Anderthalb Jahre haben die beiden Abenteurer in ihrer Freizeit am Boot gearbeitet. 6,70 Meter lang und 1,20 Meter breit ist ihr ‚York boat‘ geworden. „Die historischen ‚York boats‘ waren zwischen 12 und 16 Meter lang“, erklärt Manfred Schröter. „Wir haben es kleiner gebaut, weil wir es einerseits in einem Container nach Kanada bringen lassen müssen und weil es auch nicht zu schwer sein soll, wenn wir es unterwegs mal aus dem Wasser holen müssen.“ Von Antwerpen geht das Boot nach Montreal. Von dort reist es einmal quer durch Kanada mit der Eisenbahn. Und das letzte Stück wird es mit einem Lkw zum Yukon gebracht.

‚York boats‘ waren im 18. Jahrhundert typische Handelsschiffe auf Flüssen und Seen. 1746 wurden sie zum ersten Mal schriftlich erwähnt. „Sie wurden insbesondere in der Hudson Bay in Ost-Kanada und auf den Shetland- und Orkney-Inseln Großbritanniens eingesetzt.

Historisches ‚York boat‘ um 1900

In siebzig Tagen wollen die beiden Abenteurer die rund 3.200 Kilometer lange Fahrt bis zum Beringmeer überwinden, wollen als ‚York men‘ mit dem ‚York boat‘ unterwegs sein. Sogar mit historischen Musketen und mit Pfeil und Bogen haben die beiden sich ausgerüstet. Die sind zwar auch schussbereit, aber aus Sicherheitsgründen haben sie auch ein modernes Gewehr dabei. Aber die ‚Winchester‘ ist nur für den Notfall, falls sich ein Bär tatsächlich weder vom Bären-Spray noch vom lauten Geknatter einer Knarre vertreiben lassen sollte. Sicher ist sicher.

Kanone, © repor-tal

Salut für Kanada und Alaska

Sogar eine kleine Kanone haben die beiden an Bord. Mit ihr wollen sie einen Salut schießen, wenn sie eine Ortschaft anlaufen. – Hoffen wir, das die Bewohner es richtig verstehen.

Von Whitehorse geht es weiter nach Dawson City. Um die Wende zum 20. Jahrhundert wurde der Ort das ‚Paris des Nordens‘ genannt. Gold regierte hier damals die Welt. Und natürlich sind auch unsere ‚York men‘ mit Goldwaschsieben ausgerüstet. „Wir wollen wirklich einen Claim dort abstecken“, erklärt Joachim Kreuzer mit treuherzigem Blick. Gute 850 Kilometer hat das Yukon-Team dann hinter sich. Von dort geht es weiter nach Eagle in Alaska gleich hinter der Grenze zu den USA. Das sind weitere rund 150 Kilometer.

Manfred Schröter bei der Anprobe: ein Regencape nach historischem Vorbild.

Und bei allem Sinn für das historische Original, sind Kreuzer und Schröter auch auf Sicherheit bedacht. Schließlich haben die Stromschnellen des Yukon es auch in sich. „Wir tragen Schwimmwesten unter unserer historischen Kleidung“, sagt der Sicherheitstechniker Schröter. „Moderne Westen tragen nicht auf. Und die Sicherheit soll gewährleistet sein.“ Ansonsten haben die zwei sich aber echt historisch ausgerüstet. Auf dem Boot gibt es die zweckmäßige Arbeitskleidung mit Strickmütze gegen den kalten Wind. Aber wenn sie die Uferpromenaden der wenigen Städte entlang flanieren, wollen sie ihren Dreispitz hervorholen. Sogar die wasserfesten Lederstiefel wurden von einem Schuhmacher originalgetreu nachgearbeitet. Viele Kleidungsstücke haben die beiden selbst angefertigt. Besonders gespannt sind sie dabei zum Beispiel auf den Einsatz ihrer historischen Regencapes aus in Leinöl getränktem Leinen.

Präsentiert haben die Abenteurer sich und ihr Boot auf der ‚boot‘ in Düsseldorf 2012 und 2013 und auch auf der Hansesail in Rostock. ‚Confiance‘ haben sie ihr Boot getauft. Und zuversichtlich sind die beiden auch, was den glücklichen Ausgang ihrer Reise betrifft. Und darauf setzen auch ihre Frauen, die zuhause bleiben müssen. Doch ihre erste Probefahrt hat die ‚Confiance‘ erfolgreich Ostern 2012 auf der Regnitz südlich von Bamberg hinter sich gebracht. Da wird es ja hoffentlich weiter gut gehen.

Ordentlich Krach gegen die Grizzlys

Wenn alles nach Plan verläuft wollen sie rechtzeitig zur Lachswanderung an den Yukon Flats sein, dem weitverzweigten Fluss-System bevor der Yukon in das Beringmeer mündet. Hier möchten sie den Grizzlys beim Lachsfang zusehen.

Gut gerüstet ins Abenteuer

Insgesamt ist die Reise nicht ohne, sozusagen Abenteuer pur. Denn das Yukon-Gebiet ist ungefähr anderthalbmal so groß wie Deutschland mit rund 30.000 Einwohnern, wovon 28.000 allein in Whitehorse leben. Natur pur. „Wir erden die ersten sein, die den Yukon nach der Zeit bis 1900 mit einem ‚York boat‘ befahren“, strahlen die beiden. – Sie werden bestimmt entlang des Yukon die Attraktion sein. Und auch hier können ihre Fans die Reise mitverfolgen. Sie wollen regelmäßig auf ihrer Homepage vom Stand ihrer Reise berichten. Und damit alles auch für die Nachwelt dokumentiert wird, haben die beiden eine komplette Kamera-Ausrüstung dabei.

Text: Ruth Hoffmann

Photos: © repor-tal

Informationen: www.new-historical-adventure.de

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