Ausgeleierter Autor
dreht Gebetsmühle

Mit dem Roman ‚Die wundersame Reise einer finnischen Gebetsmühle‘ hat Arto Paasilinna den Bogen eindeutig überspannt. Zwar kann an sich keine Idee absurd genug sein, um nicht doch noch eine turbulente Geschichte daraus zu spinnen, aber die Ideen müssen sich zumindest so in einem Handlungsstrang einfügen lassen, dass ein dramaturgischer Spannungsbogen entsteht.

Paasilinna hat das zum Beispiel mit seiner Geschichte von der Gruppe lebensmüder Finnen, die mit einem Bus kreuz und quer durch Europa reisen, auf faszinierende Weise hingekriegt. Doch die neue Story von den zwei Typen, die mit einer elektronischen Gebetsmühle durch China reisen, ist leider weder witzig noch spannend, sondern nur noch abstrus und albern.

Schon der Einstieg ist plemplem: Einer der Protagonisten steht tagelang auf einem Stein in der Ostsee, ein paar Gummstiefel kommen vorbeigeschwommen und so weiter… er wird natürlich herausgefischt, und damit sind die ersten rund 30 Seiten vollgeschrieben, aber das Ganze bleibt Episode und steht in keinem Zusammenhang mit der anschließenden Handlung.

Arto Paasilinna

„Lauri soll Kalle bei der Vermarktung seiner neuen Erfindung unterstützen“, erfahren wir im Umschlagtext, „einer mehrsprachigen Gebetsmühle von der Größe einer alten Kaffeemühle und ausgestattet mit modernster Elektronik. Die beiden Finnen machen sich auf den Weg, Märkte im Fernen Osten zu erobern. Eine aberwitzige Verkaufsreise beginnt.“

Aberwitzig kann man diesen Plot meinetwegen nennen, aber witzig ist er nicht. Die Geschichte ist leider viel zu abwegig, um komisch zu sein. Da hilft es auch nichts, wenn die finnische Gebetsmühle aus eigenem Antrieb anfängt, Pornophonisches abzuspulen. Zitat: „Dann wurde die Musik unterbrochen durch Kalles lüstenes Lachen, in das mehrere Frauen mit sündigem Gekicher und Gegurre einstimmten. Bald waren immer lauteres Stöhnen und Kalles erregtes Geflüster zu hören, er stammelte den Namen seiner Frau – so kam es Lauri jedenfalls vor. Diese Art von Programm bot die Gebetsmühle fast eine halbe Stunde lang…“

Diese Art von verkrampfter Möchtegern-Komik bietet das Buch ganze Kapitel lang. Es ist zum Gähnen langweilig, und doch nicht geeignet, einen abends in den Schlaf zu lullen; denn stellenweise wird es regelrecht ärgerlich: Einen Aufenthalt in einem chinesischen Gefängnis als Slapstick zu verwursten, kann nur jemandem einfallen, dem sonst nichts mehr einfällt. Das ist kein schwarzer Humor, das ist schlechter Geschmack, aufgequirlt bis es stinkt.

Liebes Publikum, lassen Sie die Finger von diesem Buch.

Herr Paasilinna, schämen Sie sich.

Jan-Peder Lödorfer (Text)

Lübbe Ehrenwirth Verlag (Photos)

Informationen: www.luebbe.de

Arto Paasilinna: Die wundersame Reise einer finnischen Gebetsmühle
Lübbe Ehrenwirth, 219 Seiten, gebunden, € 18,99
ISBN 978-3-431-03842-2

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Kommentare 1

  • Zumindest ich und meine Frau haben herzlich gelacht ob diesem neuen Buch von Paasilinna. Was uns leider bei Ihrer Renzension, Herr Lödorfer, nicht passiert ist.

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