Götter, Grenzen, Glutgestalten

Zum ersten mal in der Stadthalle Neuss präsentiert sich das Hong Kong Ballet (HKB) bei den Internationalen Tanzwochen. Die Company gehört zu den herausragenden asiatischen Tanzgruppen.

Hongkong Ballet / Shenren Chang, Photo Conrad Dy-Liacco

1979 gegründet wurde das HKB vielfach ausgezeichnet. Seit kurzem leitet es der Amerikaner Septime Webre. Er präsentiert zum Abschluss der Tanzwochen drei Werke aus einem Repertoire, das von den abendfüllenden Balletten des 19. Jahrhunderts bis zu den aktuellsten Arbeiten internationaler Choreographen reicht. Darunter viele Arbeiten, die auf dem Fundament der fernöstlichen Mystik und Ästhetik ruhen – wie etwa das erste Stück des Abends, SS

Hierin geht es um die „Harmonie zwischen Gott und den Menschen“. Zu der alten Melodie, die dem 2016 in Hongkong uraufgeführten Werk seinen Namen und seine musikalische Begleitung gab, hat der Choreograph Fei Bo mit vierzehn Tänzern eine komplexe Aktion kreiert. Menschliche Atemzüge und Pulsschläge werden Bewegung und kollidieren mit verschiedenen Elementen des Lebens, bis sie sich, der chinesischen Vorstellung von Mensch und Kosmos entsprechend, zu einer höheren Harmonie verbinden. 

Anschließend folgt Sacred Thread (Geheiligter Faden) für zwölf Tänzer des taiwanesischen Choreographen Edwaard Liang. Der künstlerische Leiter des BalletMet von Columbus, Ohio, hat für das HKB eine bemerkenswerte west-östliche Synthese geschaffen: Die Aktionen der Tänzer, die von chinesischen Hochzeitsritualen inspiriert sind, werden von drei Kompositionen des amerikanischen Minimalisten John Adams untermalt und erzeugen dergestalt ein immenses emotional-artistisches, durchgehend pulsierendes Spannungsfeld, in dem sich Beziehungen ändern, Opfer gebracht und Gewissheiten in Frage gestellt werden.

Der Abend endet mit Shape of Glow (Gestalt der Glut), für das der finnische Choreograph Jorma Elo ein ganz anderes musikalisches Kapital aufgeschlagen hat: Der Schluss-Satz einer frühen Symphonie und das Larghetto aus dem letzten Klavierkonzert von Wolfgang Amadeus Mozart sowie Ludwig van Beethovens Ouvertüre zu Die Weihe des Hauses bilden die Grundlage und den thematischen Ausgangspunkt der nahezu halbstündigen Handlung für die sechzehn Tänzer, die unter Jorma Elos Regie die Stimmungen und Texturen der ausgewählten Kompositionen reflektieren, deren würdevoll-majestätischer Höhepunkt der Saison der Premieren einen exquisiten Abschluss beschert.

Septime Webre ist seit Herbst 2017 künstlerischer Leiter des Hong Kong Ballet, davor war er siebzehn Jahre in selber Position am Washington Ballet. Webre, in New Orleans geboren, ist das siebte Kind einer kubanisch-amerikanischen Familie, die wegen der Revolution ihre Heimat Kuba verlassen hatte. Aufgewachsen nahe der mexikanischen Grenze in Texas, lernte Webre die mexikanisch-amerikanische Kultur und Traditionen kennen. Jetzt, mit einer einzigartigen Mischung von Akzenten, nennt er sich Chicano, Cubano und Americano. „Ich bin Amerikaner, und als Amerikaner kann ich Hispanic sein, und ich bin es“, sagt er selbst über sich in einem Artikel der Washington Post.

Die aktuelle Spielzeit der Internationalen Tanzwochen geht am 17. März mit der Aufführung des Hong Kong Ballet (HKB) zu Ende. Einerseits ein Finale, andererseits ein Debüt, denn das HKB tanzt erstmals in Neuss.

Text: repor-tal / Pro Classics

Photos mit freundlicher Genehmigung von Pro Classics, © Hong Kong Ballet / Conrad Dy-Liacco (Photo)

Informationen: www.tanzwochen.de

Termin: 17. März 2018, 20 Uhr

Ort: Stadthalle Neuss, Selikumer Str. 25, 41460 Neuss

Karten-Hotline: 02131 / 52 69 99 99

Eintritt: ab 27,40 Euro

Print Friendly, PDF & Email

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sind Sie ein Mensch? *