Jerusalem meets Neuss

Sharon Kam, Foto Maike Helbig

Die Klarinettistin Sharaon Kam und das Jerusalem Quartet spielen am 19. November Werke von Joseph Haydn, Dmitri Schostakowitsch und Johannes Brahms.

Die Klarinettistin Sharon Kam ist den Freunden der ZeughausKonzerte Neuss keine Unbekannte, und auch ihr Bruder, der Bratscher Ori Kam, hat sich in der Kammermusikreihe schon mit großem Erfolg präsentiert. Bei ihrem Gastspiel am Montag, 19. November werden die beiden Künstler mit einer beachtlichen ‚Verstärkung‘ und einem klassisch ausgerichteten Programm aufwarten: 

Die Geiger Alexander Pavlovsky und Sergei Bresler sowie der Cellist Kyril Zlotnikov, mit denen Ori Kam das Jerusalem Quartet bildet, beginnen den Abend um 20 Uhr mit dem Streichquartett op. 76 Nr. 5 G-dur von Joseph Haydn, dem ersten der sechs Werke aus dem Jahr 1796, die nach ihrem Widmungsträger als Erdödy-Quartette bezeichnet werden.

Welche Rolle Joseph Haydn für Dmitrij Schostakowitsch gespielt hat, lässt sich an verschiedenen Schöpfungen ablesen: In seinem ersten Klavierkonzert zitiert er vergnügt das Hauptthema der großen D-dur-Sonate, seine neunte Symphonie tänzelt über weite Strecken mit Haydnscher Leichtigkeit dahin – und auch im Kreis der frühen Streichquartette findet sich die eine oder andere spielerische Geste, die ihren Weg von Esterháza gen Osten gefunden hat.

Das zweite Streichquartett freilich, das Schostakowitsch im Jahr 1944 und somit in direkter zeitlicher Nähe sowohl zu seiner der tragischen achten Symphonie als auch des scharfkantigen Klaviertrios komponiert hat, hält sich von lockeren Gesten fern: Der Krieg geht zwar seinem Ende zu, aber welch ein Ende ist das?! Selbst der dritte der vier ungewöhnlichen Sätze, ein Walzer, gehört eher in die Kategorie der Totentänze als aufs blankpolierte Parkett anachronistischer Hofopernbälle …

Jerusalem Quartet, Foto Felix Broede

Der versöhnliche Ausklang ist freilich garantiert. Sharon Kam und das Jerusalem Quartet beenden ihr gemeinsames Konzert mit dem 1891 entstandenen Klarinettenquintett h-moll op. 115 von Johannes Brahms – einem der vier kostbaren Werke, die ihre Existenz dem vorzüglichen jungen Meininger Musiker Richard Mühlfeld verdanken: Wäre ihm der alternde Brahms nicht begegnet, so hätte er mit seinem zweiten Streichquintett op. 111 seine kreative Tätigkeit eingestellt. Zumindest hat er das seinem Verleger und seinen Freunden gegenüber behauptet. Wenn man indes die vier Juwelen hört, die ihm nach dieser selbstverordneten Pensionierung ‚entfahren‘ sind, liegt der Verdacht nahe, dass es nur eines geeigneten Auslösers bedurfte, um den musikalischen Rückstau zu entfesseln und in das Ebenmaß klassischer Formen zu lenken.

Text: Pro Classics / repor-tal

Photos mit freundlicher Genehmigung von Pro Classics

Weitere Informationen: www.zeughauskonzerte-neuss.de

Ort: Zeughaus Neuss, Markt 42 – 44, 41460 Neuss

Konzertbeginn 20 Uhr, Einführung um 19.15 Uhr

Karten-Hotline: 02131 / 52 69 99 99

Eintritt: ab 22,60 Euro

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