Sprechstunde bei Dr. Eisenbart

Hannmuenden - 1 (1)Kennen Sie eine Stadt mit einem Punkt im Namen? Gibt’s nicht, denken Sie? Doch: Hann. Münden! Die Stadt hieß eigentlich nur ‚Münden‘. Das malerische Fachwerkstädtchen am Zusammenfluss der beiden Weser-Quellflüsse Fulda und Werra verdankt seinen abgekürzten Namen einem bürokratischen Akt aus dem Jahr 1991. Vorher wurde der Stadtkern – zur Unterscheidung von anderen Städten mit ähnlich klingenden Namen – auch mal ‚Hannoversch Münden‘ genannt; denn er hatte zu früheren Zeiten mal zur Hannoverschen Herrschaft gehört.

Inschrift am 'Weserstein'
Inschrift am ‚Weserstein‘

Ihren Ursprung und Aufstieg verdankt die alte Handelsstadt vor allem der Lage an der Vereinigung von Fulda und Werra, die von diesem Punkt an Weser heißt. Ein dicker Gedenkstein unter einer mächtigen Rosskastanie markiert die Stelle. Für einen Besuch empfiehlt sie sich vor allem wegen ihres historischen Stadtkerns mit vielen malerischen Fachwerkhäusern.

Schmuckseite des Renaissance-Rathauses
Schmuckseite des Renaissance-Rathauses

Auf dem Marktplatz kann man zur vollen Stunde ein leicht makabres Schauspiel bewundern: Aus dem Glockenspiel tritt eine Gruppe Figuren in barocken Kostümen hervor. Ein ‚Arzt‘ mit Perücke und rotem Rock reißt einem jammervoll dreinschauenden Patienten einen riesenhaften Backenzahn aus, während sein Assistent das Opfer offenbar mit einem Hammer narkotisiert.

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Besser als sein Ruf

Es handelt sich um den berühmt-berüchtigten ‚Doktor Eisenbart‘, der hier 1787 gestorben und begraben ist. Man trifft seinen Namen überall in dieser Stadt, ob in Restaurants, Cafés oder Buchläden. Er war, wie die Hann-Mündener nicht müde werden zu betonen, viel besser als sein Ruf – nämlich nach den Maßstäben seiner Epoche ein recht guter und gewissenhafter Arzt, der in ganz Deutschland unterwegs war und Privilegien von zehn Fürsten besaß. Der Grabstein, der an der St-Aegidien-Kirche an ihn erinnert, wurde allerdings erst 90 Jahre nach seinem Tod hier aufgestellt – noch dazu mit einem Geburtsdatum, dass sich als falsch herausstellte, als man in den 1950er Jahren den Taufschein entdeckte.

Grabstein mit falschen Geburtsdatum
Grabstein mit falschen Geburtsdatum

Doch für die Mündener ist er ohnehin unsterblich. Von Mai bis Oktober hat er noch jeden Samstag Sprechstunde auf dem Rathausplatz, und man kann sich von ihm auch die Stadt zeigen lassen. Wer etwas mehr Zeit mitbringt, kann die Stadt und ihre Umgebung auch auf dem Wasser erkunden. Wer sich für Botanik interessiert, dem sei der ‚Forstbotanische Garten‘ aus dem Jahr 1868 empfohlen.

Text: Jan-Peder Lödorfer

Photos: © repor-tal

Informationen: www.hann.muenden-tourismus.de

Adresse: Touristik Naturpark Münden e.V., Rathaus / Lotzestr. 2, 34346 Hann. Münden

Telefon: 05541 / 75-313

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