Verloren zwischen Moor und Montparnasse

Paula Modersohn-Becker hat erst nach ihrem Tod den Ruhm erreicht, der ihr zu Lebzeiten als Malerin nicht gewährt wurde. Das Von der Heydt-Museum in Wuppertal ehrt die Künstlerin mit einer außergewöhnlichen Ausstellung.

„Ich bin nicht Modersohn, und ich bin auch nicht mehr Paula Becker: Ich bin ich, und hoffe, es immer mehr zu werden.” Dies schrieb Paula Modersohn-Becker am 17. November 1906 an ihre Freundin Clara Rilke-Westhoff. Ein Jahr und drei Tage später ist das Leben der aufstrebenden Künstlerin mit 31 Jahren beendet. Aber in den sieben Jahren intensiver Schaffenszeit, war Paula Modersohn-Becker immer eine suchende, mit sich selbst ringende und um Vollendung bemühte Künstlerin, immer selbstkritisch, nie wirklich zufrieden.

Kopf eines kleinen Mädchens mit Strohhut, um 1905, Leinwand, 27 x 33 cm, Erworben 1949 vom Kunst- und Museumsverein

Die Kuratorin der Ausstellung, Dr. Beate Eickhoff, hat eine ganz außergewöhnliche Schau konzipiert, die durch ihre Zusammenstellung das Leben .von Modersohn-Becker nachzeichnet. Sie zeigt, dass die ‚Frau von Otto Modersohn‘ mehr war als nur die Frau von Otto Modersohn, und dass sie über den Kreis der Worpsweder Künstler hinauswuchs.

Der elf Jahre ältere Maler hatte die kunstbegeisterte junge Frau geheiratet, als sie gerade 25 Jahre alt war, um seiner Tochter aus erster Ehe wieder eine Mutter zu geben – doch da hatte er sich geirrt. Paula wollte malen, malen, malen. Nicht nur setzte sie ihr Malstudium zu einer Zeit durch, da an den meisten deutschen Akademien Frauen nicht zugelassen waren, sie reiste auch allein nach Paris, um ihre Studien fortzusetzen und ihr Können zu vervollständigen.

 „Paula Modersohn-Becker war keine Feministin, aber sie hat sich auf ihrem Lebens- und Kunstweg von den Männern emanzipiert. So wurde sie Wegbereiterin für viele Künstlerinnen”, sagt Dr. Gerhard Finckh, Direktor des Von der Heydt-Museums. „Sie war ihr Lebtag hin- und hergerissen zwischen häuslichem Glück in Worpswede und der großen weiten Welt in Paris.”

„Was wir berücksichtigen müssen, dass alle Bilder von Paula Modersohn-Becker von einer jungen Frau gemalt wurden”, erklärt Beate Eickhoff. „Sie starb mit 31 Jahren und hinterließ 700 Gemälde und rund 1000 Zeichnungen. Ausgestellt hat sie in ihrem Leben aber nur zweimal und vielleicht drei oder vier Bilder verkauft. Sie erhielt viel Zuspruch, aber auch ebenso viel Kritik.”

Mädchenakt mit Blumenvasen, um 1907, Leinwand, 89 x 109 cm, Schenkung 1952 von Dr. Eduard Freiherr von der Heydt

Bei ihren insgesamt vier Paris-Aufenthalten nimmt sie alles auf, was ihr die Metropole des künstlerischen Schaffens zu bieten hat: Cézanne, Van Gogh, Gauguin, Maurice Denis und Edouard Vuillard und immer wieder Cézanne. Wichtige Station sind auch Gespräche mit Auguste Rodin und die erste Begegnung mit Bernhard Hoetger. Hoetger, der ihr Mut macht, durch den sie ein neues Selbstbewusstsein gewinnt.

Der Kuratorin Beate Eickhoff ist mit dieser Ausstellung eine sensible Gratwanderung durch das Leben und Schaffen Paula Modersohn-Beckers gelungen, wie es noch nicht zu sehen war.

Die Schau ist bis zum 6. Januar 2019 zu sehen.

Text: Ruth Hoffmann

Photos mit freundlicher Genehmigung des Von der Heydt-Museums

Informationen: www.von-der-heydt-museum.de

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