Götter, Gräber, Geoglyphen

Nasca. Im Zeichen der Götter führt die Besucher der Bundeskunsthalle in den Süden des Andenstaates Peru, wo die Nasca-Kultur (ca. 200 v.Chr. – 650 n. Chr.) ihre Blütezeit erlebte. Im Wüstenboden hinterließen die Nasca eines der größten Archäologie-Rätsel, das noch immer auf seine Entschlüsselung wartet: die riesigen Bodenzeichnungen, auch Nasca-Linien genannt.

Spiralförmige Geoglyphe, Foto: Alfonso Casabonne, Palpa 2017

Neueste archäologische Untersuchungen erzählen nun von einer untergegangenen Gesellschaft, geprägt von Ritualen, Kunst, Musik und dem Leben in einer der extremsten Klimaregionen der Erde. In der Ausstellung sind Gefäßmalereien, Goldmasken, Musikinstrumente und farbenprächtige Textilien zu sehen. Alle Exponate kommen aus öffentlichen sowie privaten peruanischen Sammlungen. Viele von ihnen wurden bislang noch nie dem internationalen Publikum gezeigt.

Trompete mit Anthropomorphem Mythischem Wesen, Frühe Nasca-Phase (Stilphase Nasca 3), 50–300 n. Chr., Ton, modelliert und bemalt, gebrannt, Museo Regional de Ica, «Adolfo Bermúdez Jenkins»; Ministerio de Cultura del Perú, MRI-00064-01

Die Ausstellung ist eine Zusammenarbeit zwischen dem Museo de Arte de Lima (MALI) und dem Museum Rietberg in Kooperation mit der Bundeskunsthalle unter Beteiligung der bedeutendsten Nasca-Archäologen weltweit. 

Sie versucht, die Nasca-Kultur möglichst umfangreich zu illustrieren; ihre Gesellschaft, ihre Geschichte und vor allem ihre Kunst. Die rund 200 Exponate geben Hinweise auf den Alltag der Menschen, die in fruchtbaren Tälern zwischen den Hochanden im Osten und einer dem Pazifik vorgelagerten Wüste lebten. Hier, auf einem der trockensten Flecken der Erde, legten sie ihre Bodenzeichnungen an. Nicht minder faszinierend ist die farbintensive Bildersprache der Nasca-Menschen, die heute auf Keramikarbeiten und Textilwaren zu sehen sind. Textilien, Musikinstrumente, Beigaben für Nasca-Gräber, inklusive Goldmasken und Keramikmalereien umfassen die Funde.

Bügelhenkel-Doppelflasche zweier Fische, Frühe Nasca-Phase (Stilphase Nasca 3), 50–300 n. Chr., Ton, modelliert und bemalt, gebrannt, Museo de Arte de Lima, Nachlass Familie Prado, IV 2.0 1033

Seit der Einwanderung des Menschen in Amerika – wahrscheinlich zwischen 18.000 und 14.000 v. Chr. – entwickelten sich in Amerika Kulturen, die mit den eurasischen nicht in Verbindung standen. Die Nasca – Kultur hinterließ keine Schrift, dafür eine reichhaltige Bildsprache auf Textilien, Keramiken – und im Wüstenboden. Nach Einschätzung der Archäologie gibt es keine prähispanische Kultur, die farbenprächtigere Keramiken und Textilien überlieferte.

Im Nasca-Becken an der Südküste Perus wurde der steinige Wüstenboden umgestaltet, indem die höhergelegenen Ebenen mit großflächigen Bodenzeichnungen versehen wurden. Diese Markierungen sind heute als Geoglyphen bekannt, was wörtlich Erdgravuren bedeutet. Ihre Anzahl geht in die Tausende. Eine kleine Gruppe hat besondere Aufmerksamkeit erlangt, da es sich bei ihnen um leicht erkennbare Figuren von Tieren (u.a. Kolibri, Pelikan, Affe, Hund, Spinne, Eidechse, Wal) oder um menschenähnliche Wesen handelt. Viel zahlreicher sind im Nasca-Becken jedoch geometrische Geoglyphen, die sich anhand ihrer Formen in Linien und Flächen einteilen lassen. Die geometrischen Geoglyphen können beeindruckende Ausmaße erlangen. Das größte bekannte Trapez ist beispielsweise 1,9 Kilometer lang.

 

In der Ausstellung wird die Wüstenlandschaft anhand von Projektionen auf große, reliefartige Geländemodelle gezeigt. Die Geoglyphen wurden für die Ausstellung mit Drohnen aufgenommen. Dabei sind neue, beeindruckende Aufnahmen entstanden. Anhand von 3D-Brillen können die Besucher die Landschaft überfliegen. Sie sehen die Geoglyphen vor ihren Augen, wie sie vielleicht einst ein Nasca-Priester vor seinem inneren Auge sah.

Nasca. Im Zeichen der Götter ist bis zum 16. September 2018 zu sehen.

Text: Bundeskunsthalle / Museum Rietberg / repor-tal

Informationen: www.bundeskunsthalle.de

Bilder mit freundlicher Genehmigung der Bundeskunsthalle Bonn

Ort: Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland, Museumsmeile Bonn, Friedrich-Ebert-Allee 4, 53113 Bonn

Telefon: 0228 / 91 71–200

Öffnungszeiten: dienstags und mittwochs 10 bis 21 Uhr, donnerstags bis sonntags und feiertags 10 bis 19 Uhr 

Eintritt: 10 €

Katalog:
Cecilia Pardo und Peter Fux (Hrsg.): Nasca – Peru. Archäologische Spurensuche in der Wüste. Die mysteriösen Geoglyphen Perus und die Kultur der Menschen, die sie erschaffen haben
Verlag Scheidegger & Spiess, gebunden, 21x28cm, 364 Seiten, 369 farbige und 35 sw Abbildungen
Preis: 48 €

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