Mindestens heißt nicht höchstens

Die Deutschen nehmen ihr Mindeshaltbarkeitsdatum sehr genau – zumindest wenn man sich in anderen EU-Ländern umschaut oder auch im eigenständigen Großbritannien. Auf der großen Insel heißt es einfach best before, was den Verbrauchern etwas anderes suggeriert. Doch wann sind Lebensmittel wirklich schlecht? Die Verbraucherzentrale Hamburg klärt auf.

Während uns in Deutschland schon allein der Ausdruck Mindesthaltbarkeitsdatum suggeriert, nach Ablauf dürfe man auf keinen Fall diese Lebensmittel essen, sagt der Ausdruck best before genau das, worum es meistens geht und was auch allgemein bekannt ist: Lebensmittel schmecken – bis auf wenige Ausnahmen – am besten frisch. 

Daran ist nicht zu rütteln – aber schlecht sind Lebensmittel nach dem abgelaufenen Datum oft noch lange nicht, wie die Verbraucherzentrale Hamburg feststellt. Denn viele Lebensmittel können selbst dann noch wochen- oder sogar monatelang gegessen werden, wenn das Mindesthaltbarkeitsdatum bereits überschritten ist. 

„Doch aus Angst vor Gesundheitsgefahren werfen Verbraucher immer wieder einwandfreies Essen in den Müll“, berichtet Silke Schwartau von der Verbraucherzentrale Hamburg. Dabei lasse sich durch Prüfen mit Augen, Nase und Mund schnell herausfinden, ob ein Lebensmittel tatsächlich entsorgt werden muss.

Damit der Verbraucher auch weiß, bei welchem Lebensmittel er genau auf das Datum achten soll, wo sich ein persönlicher ‚Test‘ eignet und wie er gemacht wird, hat die Verbraucherzentrale Hamburg eine Checkliste erstellt. Damit können Verbraucher nun besser erkennen, ob ein Lebensmittel noch gut ist. Zu jedem Lebensmittel gibt es zusätzliche Frischhalte- und Lagertipps, um möglichst viel vor der Tonne zu retten.

Die Verbraucherschützer führen in ihrer Checkliste rund 30 Lebensmittel von A bis Z auf und sagen, bei welchen ein abgelaufenes Mindesthaltbarkeitsdatum nicht automatisch zur Entsorgung führen muss. Sie erläutern, welche Anzeichen die verschiedenen Lebensmittel zeigen, wenn sie nicht mehr verzehrt werden sollten und was das konkret für den eigenen Haushalt bedeutet. 

Was macht man zum Beispiel bei einzelnen Schimmelstellen auf Käse, bei weißem Belag auf Schokolade oder mit Eiern, die erst ein paar Tage das Datum überschritten haben? „Hat sich das Lebensmittel verfärbt, schimmelt es, riecht es komisch, hat eine Gasbildung stattgefunden? Wer seinen eigenen Sinnen vertraut, ist meistens gut beraten und muss keine Angst vor einer Lebensmittelinfektion haben“, so Schwartau. 

Ein abgelaufenes Mindesthaltbarkeitsdatum sei nicht gleich zu setzen mit schlecht oder gesundheitsschädlich. „Vorsicht ist eher beim sogenannten Verbrauchsdatum, etwa auf frischem Hackfleisch, geboten. Das muss eingehalten werden“, so die Verbraucherschützerin.

Nebenbei bemerkt würde eine Namensänderung des Mindesthaltbarkeitsdatums in best before in Deutschland auch nicht helfen. Denn das negative Gschmäckle würden wir Deutschen sofort auf den neuen Begriff übertragen. Das Einzige, was uns vorm Wegwerfen nach Ablauf des Datums abhalten kann, ist unser Geldbeutel. Denn da zwickt es doch genug.

Text: Ruth Hoffmann / VZ Hamburg

Informationen: www.vzhh.de

Die Checkliste So erkennen Sie, ob Lebensmittel noch gut sind kann unter www.vzhh.de kostenlos heruntergeladen werden.
Die Liste ist auch als handlicher Flyer zum Ausklappen für 1,00 Euro, zuzüglich Porto und Versandkosten, im Online-Shop der Verbraucherzentrale Hamburg unter www.shop.vzhh.de erhältlich.

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