Das Puzzle der Drei mit dem Stern (2)

Im bunten Kosmos der christlichen Kulturtradition spielen sie eine besonders brillante Rolle: die ‚Heiligen Drei Könige‘, auch als ‚Magier aus dem Morgenland‘ bekannt. Was steckt hinter der Legende, was bedeuten die Figuren und ihre kostbaren Gaben? Was hat es mit dem Stern auf sich, dem sie gefolgt sein sollen? fifty2go hat einen Experten gefragt: Prof. Dr. theol. Manfred Becker-Huberti. Heute geht es um den ‚Stern von Bethlehem‘.

fifty2go: Gibt es Belege für historische Personen oder Ereignisse?

Professor Dr. Becker-Huberti

Professor Dr. Becker-Huberti
© Manfred Becker-Huberti

Professor Becker-Huberti: Für die Erscheinung von Magiern an der Krippe Jesu gibt keine historisch stichhaltigen Beweise. Anders verhält es sich mit dem ‘Stern von Betlehem’. Nach Mt 2,1ff. haben die Magier ‘einen Stern aufgehen sehen’ und sind ihm gefolgt, bis er in Betlehem über dem Geburtsort Jesu anhielt. Dieser Stern war ihnen Signal und Wegweiser. Heutige Theologen gehen mehrheitlich nicht mehr von der Historizität der Magiererzählung aus und sehen sich daher auch nicht gezwungen, das Phänomen des Sterns von Betlehem naturwissenschaftlich als Supernova, Komet oder Jupiter-Saturn-Konjunktion auszudeuten.

Dennoch existiert das interessante Phänomen, dass der kaiserliche Hofastronom Johannes Kepler 1603 eine Sternkonjunktion entdeckt hat, die im Jahre 7 vor Christus dreimal am Himmel zu sehen war: am 29. Mai, 3. Oktober und 4. Dezember. Es handelt sich um die Konjunktion der Planeten Jupiter und Saturn im Sternbild der Fische, eine Tripel-Konjunktion. Dabei ist es mit großer Wahrscheinlichkeit zu einer Erscheinung gekommen, die sich in Darstellungen und Erzählungen gerne als ‘Sternenschweif‘ oder ‘Kometenschweif’ darstellt: ein zarter Lichtkegel mit den beiden Planeten an der Spitze, der von den Sternen direkt auf die Erde zu weisen schien.

Die Magier könnten einer außergewöhnlichen Konstellation am Himmel gefolgt sein

Die Magier könnten einer außergewöhnlichen Konstellation
am Himmel gefolgt sein. © repor-tal

Bei diesem Phänomen handelt es sich um das von Astronomen so genannte Zodiakallicht, das mit den Planeten an sich nichts zu tun hat. Es ist Sonnenlicht, das von Staub gestreut wird, und kegelartig auf die Erde ‘fällt’. Darum wissend, dass das Jahr 0 nicht das Geburtsjahr Jesu sein konnte und Herodes bereits 4 vor Christus gestorben war, gilt diese Sternkonjunktion als ‘Stern von Betlehem’. Der Saturn war immer der Stern Israels und wurde zeitweise sogar im Tempel zu Jerusalem verehrt. Der ‘Tag des Saturn’, der sich im englischen Begriff ‘Saturday’ am deutlichsten erhalten hat, ist der Tag der Juden, Symbol des Sabbats, des jüdischen Gesetzes. Der Jupiter dagegen galt als Königsstern, ‘Hirt der Sterne’, ‘Regent der Planeten’, Heil- und Friedensbringer, der Gnade und Segen bewirkt.

Die Konjunktion kann astrologisch so verstanden werden, dass den Juden (Saturn) der König (Jupiter) der Gerechtigkeit (Saturn) geboren wird. Der Neugeborene ist die Inkarnation des höchsten Gottes (Jupiter). Die Konjunktion im Sternbild der Fische wirkt dann als Hinweis auf den Ort dieses Geschehens: Die Fische symbolisieren das Land Amurru, das ist das Westland (aus Sicht Babylons), das heutige Palästina. Im Übrigen galten die Fische als Zeichen des Endes der irdischen Welt, als Grenzstelle des Übergangs in das Jenseitige.

Gibt es Parallelen in anderen religiösen Traditionen?

Mir sind keine parallelen Erzählungen in anderen Religionen bekannt.

Lesen Sie morgen Teil 3: Drei kostbare Gaben – was steckt dahinter?

Photos mit freundlicher Genehmigung von …, © repor-tal

Informationen: www.becker-huberti.de

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