Ensemble Noisten:
Klezmer und eine Botschaft

Seit 1997 hat sich das Ensemble Noisten der Klezmer-Musik verschrieben. Die vier Musiker haben der traditionellen Musik der Juden Osteuropas ihren ganz eigenen Stil gegeben. Bundesweit haben sie damit seit dem Jahr 2000 Erfolg. Ihr Einsatz Klezmer-untypischer Instrumente und die Verflechtung mit anderen Musikrichtungen brachte einen neuen Klezmer-Stil hervor.

Andreas Kneip, Shan-Dewaguruparan, Claus Schmidt, Reinald Noisten zusammen mit Schauspielerin Nina Hoger

Das Ensemble Noisten besteht aus Klarinettist Reinald Noisten, Gitarrist Claus Schmidt, Kontrabassist Andreas Kneip und Tabla-Spieler Shan-Dewaguruparan. Noisten, Schmidt und Kneip kennen sich schon vom Studium an der Musikhochschule. Damals gründete sich das Ensemble als Trio. 1997 begannen die drei zusammen Klezmer zu spielen. Zwei Jahre später kam der Tamile Shan-Dewaguruparan, der aus Sri Lanka stammt, zum Ensemble, das seitdem als Quartett auftritt. Er spielt als Hauptinstrument die Tabla, neben anderen Schlaginstrumenten. Reinald Noisten arbeitet schon seit 1984 mit ihm zusammen. „Dewan und ich konnten uns anfangs nicht unterhalten, weil er noch nicht deutsch sprach und ich kein Tamil beherrsche“, erinnert sich Reinald Noisten. „Aber wir kommunizierten über die Musik. So entstand schon früh ein Seelenkontakt zwischen uns.“

Klezmer wird oft gleichgesetzt mit israelischer Folklore. Das ist sie aber nicht. Klezmer ist ursprünglich die Musik der Juden Osteuropas. Das Wort setzt sich aus den hebräischen Silben ‚kli’ und ‚zemer’ zusammen. „Wörtlich übersetzt heißt es ‚Gefäß des Liedes’. Man kann auch sagen, der Mensch ist ein Gefäß aus dem die Lieder herausfließen,“ erklärt Noisten. „Klezmer-Musik ist tief empfundene Religiosität gepaart mit überschwänglicher Lebensfreude.“ In den USA hat Klezmer schon seit den 1980er Jahren einen besonderen Stellenwert und wird dort gepflegt und weiterentwickelt. Diese Entwicklung ist seit Mitte der 1990er Jahre auch in Deutschland angekommen. Seitdem haben sich auch hier viele Festivals manifestiert wie zum Beispiel die Klezmertage in Bonn, Weimar oder Bamberg.

Derwisch-Tänzer Talip Elmasulu

Die Initialzündung der Liebe zur Klezmer-Musik für Reinald Noisten war die Begegnung mit Giora Feidman 1996. Gleich nach seiner Prüfung an der Musikhochschule hörte er den Meister der Klarinette. Der historische Zugang zum Klezmer spielte bei Feidman keine Rolle. Das Entscheidende lag in der Interpretation. „Ich war von Feidmans Spiel tief berührt und auch sprachlos“, erinnert sich der Musiker. „Feidman sagte immer, man muss die Seele in den Tönen spüren, sie förmlich hineinbringen.  Er versteht es, die einfachsten Melodien so intensiv zu spielen wie kein anderer“, schwärmt Reinald Noisten. „Das war ein neuer, tiefer Ansatz für mich. Feidman steht für den mystischen Ausdruck der Klezmer-Musik.“ Das erlebte der Klarinettist schon in verschiedenen Meisterkursen des großen alten Klezmer-Musikers.

Anfang 2000 lernte Reinald Noisten die Musik der amerikanischen Band ‚Brave Old World’ kennen. Die versuchten nach dem Motto ‚back to the roots’, dem Klezmer seine ursprüngliche Komponente zurückzugeben. „Diese Bodenständigkeit hat mir gefallen“, sagt Noisten. „So habe ich erfahren, wie ursprünglich Klezmer als Volksmusik authentisch gespielt wurde.“

Reinald Noisten, Claus Schmidt, Shan-Dewaguruparan und Andreas Kneip, das Ensemble Noisten

Als Reinald Noisten sein Ensemble gründete, stand fest: Klezmer-Musik ist die Basis, aber die klassische Klezmer-Musik sollte sich mit modernen Elementen verbinden. „Wir haben viele eigene Stücke komponiert“, erzählt er. „So haben wir Klezmer zum Beispiel mit Reggae verknüpft und arbeiten gerade an einem Stück in der indische Musik und Klezmer sich verbinden.“ Flamenco, tamilische und türkische Musik, Klassik, Jazz und andere Stilrichtungen lässt das Ensemble ebenfalls in seine Kompositionen einfließen. „Dadurch klingt die Musik frisch. Tabla und Bouzouki ersetzen beim uns die traditionellen Klezmer-Instrumente Fiedel und Akkordeon.“

Inzwischen haben sich für das Ensemble Noisten drei künstlerische Schwerpunkte herauskristallisiert:

  • Die Mischung von Klezmer-Tradition und individueller Interpretationen und Eigenkompositionen
  • Musikalische Lesungen mit der Schauspielerin Nina Hoger: Lyrik und Prosa unter anderem von Else Lasker-Schüler und Hilde Domin
  • Musikalischer Brückenbau zwischen den Religionen und Kulturen wie im Projekt ‚Klezmer trifft Derwisch’, ein jüdisch-islamischer Dialog

„Mit unserer musikalischen Lyrik-CD ‚Tiefer beugen sich die Sterne’ haben wir auf der Hörbuch-Bestenliste gestanden“, sagt Noisten nicht ohne Stolz. „Und das Projekt ‚Klezmer trifft Derwisch’ betrachte ich als eine Vision des Friedens.“ Außer den vier Ensemble-Musikern wirken dabei der Sufi-Ney-Flötist Murat Çakmaz und der Derwisch-Tänzer Talip Elmasulu mit.

Das Ensemble Noisten tritt mit seiner Musik und mit seinen Projekten in ganz Deutschland und Europa auf. Es hat bei den großen Radio-Anstalten Gehör gefunden einschließlich der Klassik-Wellen, wie zum Beispiel SWR 2, Bayern Klassik und WDR 3. Eine aktuelle Terminübersicht findet sich auf seiner Website. Dort gibt es auch eine Hörprobe, und man kann die CDs des Ensembles bestellen.

Ruth Hoffmann (Text)

Reinald Noisten (© Photos)

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One Response to Ensemble Noisten:
Klezmer und eine Botschaft

  1. Andrea Dötzer 13. September 2016 at 09:41 #

    Hallo Nina Hoger!

    Ich war vor einiger Zeit im Kloster Lippoldsberg und habe die Musik und die Lesungen gehört. Ich war begeistert! Besonders auch von den kurzen Versen, die Sie gelesen haben. Darf ich fragen, aus welchem Buch von Meister Eckhard Sie vorgelesen haben? Ich würde es mir gerne kaufen. Wenn Sie mit dem Ensemble Noisten wieder in meiner Nähe sind, komme ich ganz bestimmt wieder!

    Alles Gute Ihnen und weiter so!

    Andrea

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