Monument für
mehrere Mythen

Der Stauferkaiser Friedrich I., bekannt als ‚Barbarossa’, regierte von 1152 bis 1190 das ‚Heilige Römische Reich Deutscher Nation‘, das Barbarossas Amtsnachfolger Franz II. im Jahr 1806 notgedrungen aufgelöst hat. Doch die Idee eines Nationalstaates der Deutschen blieb in den folgenden Jahrzehnten sehr lebendig, und in der Romantik wurde Kaiser Friedrich Barbarossa zur Symbolfigur dieser Idee.

Der historische Rotbart war zwar auf einem Kreuzzug ums Leben gekommen, aber eine Legende erzählt, er sitze tief unten in einem Berg und warte darauf, dass seine Zeit wiederkommt. Gehandelt wurden mehrere Berge, aber der Favorit war der Kyffhäuser, nicht zuletzt auch wegen seiner Lage in der Mitte Deutschlands.

Hier stand die Ruine einer weitläufigen Burganlage, zu der auch Barbarossa im 12. Jahrhundert einige bauliche Veränderungen beigetragen hatte. Als man 1871 ein neues Deutsches Reich gründete und den König von Preußen zum Kaiser ‚Barbablanca’ (Weißbart) krönte, war die Zeit reif, einen Neubau zu planen. Für die Finanzierung machten sich vor allem die Reservisten und Aktiven der Reichswehr stark. 1897 war das Monument fertig.

Blick von der Terrasse auf das Monument
Blick von der Terrasse auf das Monument

Eine weite Terrasse breitet sich vor einem ummauerten Innenhof aus, der Barbarossas Höhle darstellt. Hier thront der schlafende Kaiser zwischen seinen Raben und Zwergen über einem rohen Felsengrund. Hinter dem Hof erhebt sich ein mächtiger Viereckturm mit Kaiserkrone, vor dessen Fassade ein Reiterstandbild des neuen Kaisers Wilhelm prangt.

Während der nationalsozialistischen Regierung bis zum 2. Weltkrieg wurden die Ruinen der umgebenden Burganlage ausgegraben und museal präpariert. Ausgesprochene Nazi-Symbolik wurde später recht gründlich beseitigt. An die DDR-Zeit erinnern heute eindrucksvoll die Gussplatten im Untergeschoss des Turmes. Hier wurden die Ruhmestaten der Arbeiter, Bauern und Soldaten im Sozialismus ‚verewigt’.

Ein 'Kreuzritter' als Cicerone
Ein ‚Kreuzritter‘ als Cicerone

Auf Wunsch können Besuchergruppen sich heute von einem ‚echten‘ Kreuzritter durch das Denkmal führen lassen. Die teilweise neu- oder rekonstruierten Gebäude der Oberburg umfassen unter anderem ein Museum und einen Kinderspielplatz. Eindrucksvoll ist der Brunnen, der mit 176 Metern als tiefster Burgbrunnen der Welt gilt. Seit 1990 ist das Kyffhäuserdenkmal eine Baustelle. Der sogenannte Barbarossaturm der Oberburg ist seit 2006 nach einer Sanierung wieder als Ausstellungsgebäude geöffnet.

Doch wer die echten Spuren des Mittelalters sucht, wird eher auf dem Gelände der Unterburg fündig. Man erreicht sie auf lauschigem Pfad durch den Mittelteil der ehemaligen Burganlage, von der wenig erhalten ist, weil das Gelände schon seit dem 14. Jahrhundert als Steinbruch genutzt wurde. Der Pfad windet sich durch die Schlucht und bietet immer wieder malerische Perspektiven auf Felsen und Bäume, dazwischen Ausblicke auf die Tallandschaft.

Hinter dem neu errichteten Tor zur Unterburg finden sich zwischen Bäumen und Sträuchern nicht nur die bemoosten Fundamente etlicher mittelalterlicher Nebengebäude, sondern auch die Grundmauer eines mächtigen Bergfrieds, die Reste eines Wohnbaus (Palas) und sogar eine recht gut erhaltene Kapelle.

Hier kann man wohl heute noch – und viel besser als in den je nach Zeitgeschmack überbauten Teilen des Komplexes – die Gefühle nachempfinden, die eine solche Ruine in romantischen Seelen des 19. Jahrhunderts angeregt haben könnte. Und man darf getrost sein, dass weder der alte Rotbart noch einer seiner autoritären Nachfolger je wieder aufwacht…

Text & Photos: repor-tal

Informationen: www.kyffhaeuser-denkmal.de

Telefon: 034651/2780

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