Spam vom
Nebentisch

Es war eins dieser Restaurants, in die man geht, um gesehen zu werden, obwohl das Essen mies und teuer ist, in einem dieser Stadtviertel, in denen man sein Büro hat, um ins Geschäft zu kommen, obwohl das Ambiente trist und die Mieten hoch sind – kurz: die Geschichte spielt in Düsseldorf-Pempelfort.

Wir waren da mehr aus Versehen hineingeraten. Und, wie gesagt: es geht da ums Gesehenwerden. Leider ist es damit aber nicht getan. Manche wollen offenbar auch unbedingt gehört werden. Die fortgeschrittene Yuppie am Nebentisch zu Beispiel textet schon, seit wir aufs Essen warten, also fast eine halbe Stunde, ihre Tischgenossin zu, und das halbe Lokal mit ihr.

Die einseitige Konversation ist zwar unüberhörbar, gibt aber keinerlei Aufschluss über die Art ihres Business oder ihrer Branche. Einziges Thema ist ihr unternehmerischer Erfolg, doch ihr Geschwaller enthält nur Hohlformeln aus dem Textbaukasten der PR-Branche:

„Wir händeln alles ganz straight und erfolgsorientiert. Bei mir gibt es weder unsupported Ventures noch Action ohne Controlling. Und das Feedback belegt eindeutig: wir sind auf dem richtigen Kurs…“ Und so weiter blah blah blah. Irgendwann entlarvt sich die hohle Hupe aber selbst mit dem Satz: „Wir sind ja jetzt schon drei Jahre am Start…“ – und da entfährt mir die Bemerkung: „Wenn man drei Jahre am Start ist, sollte man eigentlich mal in die Gänge kommen. Oder endlich merken, dass man den Knall nicht gehört hat.“

Wir wollten sowieso nie wieder in dieses Lokal.

Schorsch Bonks

 

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