Bauhaus-Reihe: Bühnenwelten

Marianne Brandt, Selbstportrait mit Schmuck zum Metallischen Fest, Februar 1929, Reprint 1993, Museum Folkwang, Essen, © VG Bild-Kunst, Bonn 2019

Das Essener Museum Folkwang zeigt bis zum 8. September 2019 in seiner Bauhaus-Reihe die Schau Bühnenwelten. Diese zweite ‚Kabinettschau‘ gilt der performativen Kultur der Bauhaus-Schule, die von 1921 bis 1929 an der Bühnenwerkstatt gelehrt wurde. Sie zeigt Fotografien, aber auch Spielgänge und Kostümentwürfe aus den Beständen des Museum Folkwang. 

Mit rund 40 Werken zeigt Bühnenwelten, wie die Bauhaus-Schule die Lust am Spiel und der an Inszenierung miteinander verband. Aufführungen sind zeitlich gebunden und flüchtig, deshalb stehen Druckgrafik und Photographie als künstlerische Ausdrucksmittel im Vordergrund. DiePräsentation um das Gemälde Springende Tänzerin, Gret Palucca (1931) von Ernst Ludwig Kirchner (1880–1938) ergänzt diese Medien. Projektionen von Bauhaus-Stücken in der Filmbox im Foyer des Museum flankieren die Schau.

Ernst Ludwig Kirchner,
Springende Tänzerin, Gret Palucca, 1931-1932, © Museum Folkwang, Essen

Die Exponate illustrieren die Entwicklung der berühmten Bauhaus-Bühne und auch ihre weniger bekannten Phasen wie die expressionistische Anfangszeit oder das Agitprop-Theater* der Jungen Bauhaus-Bühne, die sich im letzten Jahr der Bühnenwerkstatt gründete.

Als erster Meister der Bühnenwerkstatt wurde Lothar Schreyer (1886–1966) 1921 nach Weimar berufen. Einer Werkgruppe von sieben druckgrafischen Arbeiten stellt Schreyers expressionistische Bühnenkunstwerke vor, darunter der Spielgang zu Schreyers Stück Kreuzigung (1920) sowie die frühe Partitur zur Dichtung Erinnerung von August Stramm (1917–20).

Die zweite Werkgruppe ist der Maske gewidmet. Photographien von Grete Stern (1904 –1999), Gyula Pap (1899–1983) und Josef Albers (1888–1976) veranschaulichen, dass die Maske in den Inszenierungen des Bauhauses nach der Übernahme der Bühnenwerkstatt durch Oskar Schlemmer (1888–1943) im Jahr 1923 ihre Bedeutung beibehielt.

Lothar Schreyer, Figurine zum Bühnenstück Mann, 1921, © Michael Schreyer, Hamburg, © Museum Folkwang, Essen

Anlässlich der Bühnenwelten wird der einzige in Essen erhaltene Entwurf für den sogenannten Folkwangzyklus (1928) von Oskar Schlemmer präsentiert. Hier wird das neue Schulgebäude in Dessau in den künstlerischen Arbeiten selbst zum Schauplatz. Neben einzelnen Fotografien von László Moholy-Nagy (1895–1946) thematisiert die Kabinettausstellung dies auch mit einer Auswahl von Werken Theodore Lux Feiningers (1910–2011).

Die Verbindung der künstlerischen Produktion in den Werkstätten zur Theater- und Festkultur fokussieren sechs Photographien von Marianne Brandt (1893–1983). Sie zeigen Brandts vielseitige Auseinandersetzung mit dem Licht. Sie ist eine der wenigen Frauen, denen am Bauhaus die Leitung einer Werkstatt übertragen wurde.

Lothar Schreyer, Seite 74 der Partitur des Theaterstückes Kreuzigung. Spielgang Werk II, 1920, © Michael Schreyer, Hamburg, © Museum Folkwang, Essen

Das Museum Folkwang gibt im Jahr des Bauhaus-Jubiläums 2019 mit der Ausstellungsreihe Bauhaus am Folkwang Einblicke in seine Bestände. Drei Kabinettausstellungen zeichnen den Weg der Schule von ihren expressionistischen Anfängen bis hin zur programmatischen Neuausrichtung nach dem Motto „Kunst und Technik – eine neue Einheit“ nach. Bühnenwelten vermittelt als zweite Präsentation der Reihe einen Eindruck von der performativen Kultur der Schule. Die dritte Präsentation am Beispiel von László Moholy-Nagy (20. September 2019 – 12. Januar 2020) gilt der medialen Wende hin zu Photographie und Film.

Text: Museum Folkwang / repor-tal

Photos mit freundlicher Genehmigung des Museums Folkwang

Informationen: www.museum-folkwang.de

Ort: Museum Folkwang, Museumsplatz 1, Essen

Öffnungszeiten: dienstags bis sonntags 10 bis 18 Uhr, donnerstags und freitags 10 bis 20 Uhr

Eintritt frei!

* Agitprop ist das Kurzwort für Agitation und Propaganda; Das Agitprop-Theater war ein Laientheater der Arbeiterbewegung in den 1920er Jahren.

Print Friendly, PDF & Email

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sind Sie ein Mensch? *