Ganzkörpertraining im Verein mit Naturgenuss

Petra und Stephan Pauly, beide 53 Jahre alt, sind vom Rudersport gepackt. Stephan rudert schon 39 Jahre, und auch Petra ist schon mehr als 15 Jahre dabei. Doch man kann auch durchaus erst mit 50 oder noch später mit diesem Sport beginnen. „Die Tendenz geht dahin, dass unsere Anfänger immer älter werden“, erklärt Stephan Pauly. „Wer die Karriereplanung und die Familienphase im wesentlichen hinter sich hat, kann wieder mehr an sich und seine Gesundheit denken.“

Die ersten Übungen auf dem 'Trockenen': der Ruderkasten

Doch wie lernt man Rudern überhaupt? Auf dem Rhein ist es schließlich nicht ohne. Außer der Strömung, die in der Flussmitte im Durchschnitt bei vier bis fünf Stundenkilometern liegt, ist auch der Schiffsverkehr nicht ungefährlich. „Der Rhein ist eine Autobahn“, stellen die beiden Rudersportler nüchtern fest. Da ist eine fundierte Ausbildung die Voraussetzung, bevor man sich ins Getümmel stürzt.

Das Bootshaus des Bonner Rudervereins 1882

Der Bonner Ruder-Verein 1882 bietet Interessenten eine Drei-Block-Basis-Ausbildung:

  • Die ‚Einführung ins Rudern’ (50 Euro) umfasst zwei Termine im Ruderkasten, das ist ein Ruderbecken an Land, zur Einübung der elementaren Technik, der Kommandos und Manöver sowie eine kleine Bootskunde.
  • Die Einheit ‚Rudern auf dem Rhein’ kostet 150 Euro und enthält acht Fahrten auf dem Fluss mit erfahrenen Steuerleuten.
  • Die ‚Öffentlichen Rudertermine’ sollen das Kennenlernen des Vereins fördern. Die fünfmalige Teilnahme an den öffentlichen Ruderterminen kostet 50 Euro.
Das Boot muss zum Anleger getragen werden

Diese Blöcke sind unabhängig voneinander buchbar, und man kann jederzeit aussteigen – natürlich nicht mitten auf dem Rhein. Bleibt man dabei, empfiehlt sich auch eine Steuermannsausbildung. Gesteuert wird ein Ruderboot von der Person, die im Bug sitzt, und zwar mit dem Fuß am Stemmbrett. Ein Stemmbrett hat jeder Platz im Boot. Darauf stemmt der Sportler die Füße und drückt sich mit dem Rollsitz nach hinten, was den Druck auf die Skulls* oder Riemen* erhöht. Ein Stemmbrett des steuernden Ruderers (nicht zu Verwechseln mit dem Steuermann im Heck z.B. eines Achters) ist drehbar und mit dem Ruderblatt am Heck verbunden.

Frachter und Personendampfer machen hohe Wellen.

Das Rheinrudern ist eine Herausforderung. Strömung und Wellengang durch die Schiffahrt müssen gemeistert werden. „Aber das ist gerade das Schöne“, erklärt Petra Pauly. „Der Rhein ist niemals gleich. Jedes Mal hat man sich anderen Situationen zu stellen.“ Besonders lieben die beiden die Wanderfahrten. „Die Sicht vom Wasser aus ist einfach ganz anders“, erklärt Petra. „Oft bekommt man so Dinge zu sehen, die man sonst nicht sehen würde.“

Das Land aus einer neuen Perspektive entdecken

Wanderrudern ist in ganz Europa möglich. Unterstützung finden die Ruderer bei anderen Vereinen. Allein in Deutschland gibt es rund 500 Ruderclubs. „Dadurch, dass man im Ruderboot nur begrenzt Sachen mitnehmen kann, sind die Fahrten relativ einfach“, lacht Petra. „Alles kommt aus dem Seesack und ist oft verknautscht. Aber das gehört dazu.“

Eine Art Lebensphilosophie

„Rudern ist schon fast eine Lebensphilosophie“, erklärt Stephan. „Es gibt ein Gefühl der Freiheit, aber auch der Verantwortung. Und es ist ein Kampf gegen Wind und Wetter und auch gegen den inneren Schweinehund.“ Es entstehen besondere Freundschaften, weil man aufeinander angewiesen ist. Die Gruppe muss zusammenhalten. Und auf dem Wasser besinnt man sich oft genug auf Urbedürfnisse zurück, wissen die Sportler nur zu gut: ein schattiger Baum, wenn die Sonne erbarmungslos vom Himmel brennt oder trockene Kleidung und ein Dach über dem Kopf, wenn es aus Eimern schüttet. Auf alles muss man beim Rudern eingestellt sein. Der Witterung ist man immer ausgesetzt.

Teamgeist und Gemeinsinn gehören dazu.

Dabei entpuppt sich Rudern auch noch als günstiger Sport. Beim Bonner Ruder-Verein 1882 beträgt die einmalige Aufnahmegebühr 100 Euro und der Regelbeitrag jährlich 360 Euro. Das ist weniger als manches Sportstudio im Jahr kostet. Der Verein stellt die Boote, die ein erhebliches Kapital darstellen. Ein Zweier kostet etwa 11.000 Euro, ein Fünfer etwa 30.000 Euro.

Rudern ist ein geselliger Sport und das Vereinsleben gehört dazu. Und „Rudern ist ein Lifetime-Sport“, sagt Stephan. „Unser ältestes aktives Mitglied ist über 80.“ Also, nichts wie ran an die Riemen oder Skulls*.

Ruth Hoffmann (Text)

repor-tal (Photos)
Bonner Ruderverein 1882 (Photo Ruderkasten)

Informationen: www.bonnerruderverein.de, www.rudern.de

* Ein Riemen wird von einem Ruderer mit beiden Händen bedient. Das Rudern mit Riemen erfordert mehr Training als mit Skulls. Skulls sind kürzer als Riemen; eine Person bedient immer zwei Skulls, jeweils mit einer Hand.

 

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