Cherchez la femme

Adelige Frauen der Renaissance auf der Suche nach Freundschaft und Liebe nennt die Historikerin Christine Maes ihre Studie über die Töchter eines niederrheinischen Herzogs aus dem 16. Jahrhundert. Herausgegeben haben das Buch gemeinsam die Geschichtsvereine von Jülich und (Leverkusen-) Opladen.

‚Geschichte‘ ist ein feminines Wort. Die historische Wissenschaft hat sich mit den weiblichen Biographien und der Rolle der Frauen in der Geschichte lange schwer getan. Im Rahmen der aktuellen „Gender Studies“ hat die Untersuchung der der gesellschaftlichen Rolle der Frau an Bedeutung gewonnen, schreibt die Autorin in ihrer Einleitung. Was die von ihr betrachteten Töchter Herzog Wilhelms V. von Jülich, Kleve und Berg betrifft, kann sie sich auf ein reiches Quellenmaterial stützen, das sich grundlegend von dem unterscheidet, aus dem sich Historiker typischerweise Männergestalten erschließen müssen.

Es handelt sich dabei nämlich vor allem um Selbstzeugnisse in Form von Briefen, welche die vier Töchter des Herzogs an ihre gemeinsame Freundin Margaretha von der Marck-Arenberg geschrieben haben. Deren Antwortbriefe sind allerdings nicht überliefert.

Der Charakter der Quellen  bringt es mit sich, dass man nicht nur viel über die großen Züge der Historie erfährt, sondern auch viel Persönliches, ein farbiges Bild der Stimmungen und Gefühle, oft im (frühneuhochdeutschen) O-Ton. Zum Beispiel schreibt eine der Töchter über einen Höfling: … der hat mich darmalltzs so eynen tagh oder etlich etwas saur angesiehenn. Ich hab es moussen lachenn.

Der fabige Eindruck vom Leben der betrachteten Persönlichkeiten wird unterstütz durch allein 36 Seiten mit überwiegend farbigen Bildern, neben Karten, Stammbäumen und Darstellungen historischer Szenen auch viele Portraits Einzelner oder ganzer Familien. Ein ausführliches Literaturverzeichnis und ein Stichwortregister erschließen die Studie für künftige historische Arbeiten.

Weil aber die Frauen vieles nur in Andeutungen mitteilen, die ein ‚Insiderwissen‘ voraussetzen, sei die Deutung mitunter eine Herausforderung, und vor Verallgemeinerungen müsse man warnen, so die Autorin.

Abschließend deutet sie aber an, dass es an der Zeit sei, am Thema der hochadeligen Frauen weiter zu forschen. Denn, so ihre Vermutung: dass es in der Frühen Neuzeit viel mehr hochadelige Frauen mit starken Charaktereigenschaften gab und diese wesentlich entscheidender die Geschichte beeinflusst haben, als es bisher vermutet wurde.

Mit anderen Worten: Cherchez la femme!

Text: Jan-Peder Lödorfer

Cover mit freundlicher Genehmigung von Pro Classics

Informationen: www.juelich-gv.de, www.ogv-leverkusen.de

Christine Maes: Adelige Frauen der Renaissance auf der Suche nach Freundschaft und Liebe
Pagina Verlag, Goch
Hardcover 224 Seiten, € 19,80
ISBN 978-3-944146-69-0

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