Der neue Kopf für Pinas Truppe

Seit dem Tod der legendären Tänzerin, Choreographin und Compagnie-Gründerin Pina Bausch waren es Mitglieder der Truppe, die sich in deren Leitung engagierten. Zuletzt hatte Lutz Förster das Ruder geführt. Doch der will sich jetzt ganz seiner Lehrtätigkeit an der Essener Folkwang-Schule widmen. Also galt es, eine Persönlichkeit zu finden, die dem Anspruch gewachsen scheint, und diese auch zu überzeugen, den Job anzunehmen.

Die Gremien hielten dicht bis zur letzten Minute und luden die Kulturministerin des Landes Nordrhein-Westfalen, Christina Kampmann, persönlich ein, die künftige Chefin des Tanztheaters Wuppertal Pina Bausch zu präsentieren.

Als Ort kam natürlich nur das Foyer des für die Öffentlichkeit sonst gesperrten Wuppertaler Schauspielhauses in Frage, aus dem mit massiver Unterstützung des Bundes ein internationales Tanz-Zentrum werden soll.

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Adolphe Binder

„And the winner is:“ Adolphe Binder, 46 Jahre, noch als künstlerische Direktorin der Danskompani der der Staatsoper in Göteborg verpflichtet. Ihr Vertrag als Intendantin in Wuppertal beginnt im Mai 2017 und gilt zunächst bis zum Sommer 2022. “Das gibt Planungssicherheit für das Tanztheater”, sagt Stadtdirektor Johannes Slawig. “Damit kann sich Frau Binder mit ihren Vorstellungen auch einbringen in die Planung des internationalen Pina-Bausch-Zentrums, das 2022 eröffnet werden soll.”

“Die Bausch-Company ist der wichtigste Kulturbotschafter unseres Landes in Deutschland, Europa und der ganzen Welt”, so ihre ersten Sätze bei der Präsentation. Eine wesentliche Aufgabe sei, das Erbe Pinas zu erhalten. Dazu brauche sie die Tänzer. Ihr Körpergedächtnis  enthalte alle großen Choreographien. Und: “Es ist das Größte für mich, mit dieser Compagnie zu arbeiten. Pina hat mich zum Tanz gebracht. Früher wollte ich immer nur am Schauspiel arbeiten. Es ist für mich wichtig, den Schatz, den Pina geschaffen hat, in die Welt zu tragen und zu bewahren.”

Adolphe Binder ist keine Choreographin, wie sie auch selbst betont. Sie ist ‚kuratierende, künstlerische‘ Intendantin. Für die tänzerische Arbeit mit der Company wird sie unterschiedliche Choreographen nach Wuppertal holen.

Gleichzeitig soll Binder auch neue Impulse für die Zukunft des Tanztheaters setzen und Impulse geben beim geplanten Bau eines Internationalen Tanz-Zentrums in Wuppertal. Während der Bund bereits hierfür Mittel in Höhe von 29 Millionen Euro für den Bau eines Internationalen Tanz-Zentrums zugesagt hat, steht noch nicht fest, wie hoch der Anteil des Landes sein wird. Auch jetzt konnte oder wollte die Ministerin noch keine konkrete Zahl nennen. Das Land gibt aber bereits jetzt jährlich einen Zuschuss in Höhe von 975.000 Euro an das Tanztheater.

Auch Pinas Sohn Salomon Bausch, heute verantwortlich für die Stiftung, die ihr erbe verwaltet, äußerte sich zufrieden mit der Entscheidung: “Ich freue mich. Es ist eine gute Entscheidung im Sinne meiner Mutter. Und die Zusammenarbeit mit Adolphe Binder wird ja auch wichtig für die Bausch-Foundation.”

Adolphe Binder ist gebürtige Rumänin und in Deutschland aufgewachsen. Unter anderem war sie Dramaturgin an der Deutschen Oper in Berlin, Tanzchefin an der Komischen Oper in der deutschen Hauptstadt und Kuratorin und Programmdirektorin für viele Tanzorganisationen. In Göteborg ist sie seit 2011 tätig. Damit bringt sie die idealen Voraussetzungen für das renommierte Wuppertaler Tanztheater mit, sagt Christina Kampmann: “Sie ist exzellent vernetzt, vertritt ihre Anliegen begeistert und ist somit eine große Bereicherung für unser Land.”

“Es ist mir wirklich eine Ehre vom Ensemble aufgefordert zu sein, es zu leiten”, schließt Adolphe Binder. “Und ich freue mich, dass es mich so warmherzig willkommen geheißen hat.”

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