Das Puzzle der Drei mit dem Stern (1)

Im bunten Kosmos der christlichen Kulturtradition spielen sie eine besonders brillante Rolle: die ‚Heiligen Drei Könige‘, auch als ‚Magier aus dem Morgenland‘ bekannt. Was steckt hinter der Legende, was bedeuten die Figuren und ihre kostbaren Gaben? Was hat es mit dem Stern auf sich, dem sie gefolgt sein sollen? fifty2go hat einen Experten gefragt: Prof. Dr. theol. Manfred Becker-Huberti.

fifty2go: Auf welcher Überlieferung, welchen biblischen Texten beruht die Legende von den Heiligen Drei Königen?

Professor Dr. Becker-Huberti © Manfred Becker-Huberti

Professor Dr. Becker-Huberti
© Manfred Becker-Huberti

Professor Becker-Huberti: Im Rahmen der Geburtserzählung berichtet der Evangelist Matthäus (2,1 – 16), und nur er, von Magiern – ohne eine Anzahl anzugeben – (gr. mágoi; im engeren Sinn Angehörige der medisch-persischen Priesterkaste; im weiteren Sinn Astrologen, Traum-, Orakeldeuter, Seher), die einen ‘Stern’ (‘Stern von Bethlehem’) gesehen haben, dem sie über Jerusalem bis zum Geburtsort Christi gefolgt sind. Herkunft und Namen der Magier werden nicht genannt. Heute wird die Historizität der Magiererzählung von der neutestamentlichen Forschung mehrheitlich nicht aufrechterhalten.

Auf dieser Grundlage haben sich alle anderen Vorstellungen in späterer Zeit entwickelt: Anhand der drei symbolischen Geschenke – Gold, Weihrauch und Myrrhe – hat Origenes (um 185 – 254) die Dreizahl der Magier angenommen, was bald Allgemeingut wurde. Schon Tertullian (um 160 – 220) verweist auf Jes 60, 3 und Ps 72, 10: ‘Könige von Tarschisch, Saba und Scheba bringen Geschenke.’

Drei Generationen, drei Kontinente

Drei Generationen, drei Kontinente

Spätestens seit Caesarius von Arles (469 – 542) sind die drei Magier zu Königen geworden. Als letztes bilden sich für die drei Könige Namen aus. Die ‘Legenda aurea’ nennt noch die angeblich hebräischen Namen ‘Appelius, Amerius, Damscus’ und die angeblich griechischen ‘Galgalat, Balthasar, Melchior’. Aber schon das berühmte Mosaik aus dem 6. Jahrhundert in Ravenna (S. Apollinare Nuovo) listet auf: Der Älteste heißt Caspar, der mittlere Balthasar, der jüngste Melchior.

Keiner der drei hatte zu diesem Zeitpunkt eine schwarze Hautfarbe. Seit dem 9. Jahrhundert sind Caspar (persisch: Schatzmeister), Melchior (= Gottesschutz) und Balthasar (= Lichtkönig) üblich. Einer davon, zunächst überwiegend Kaspar, dann aber Melchior, galt als ‘Mohr’ und Vornehmster der Drei. Dass zuweilen auch Balthasar der älteste der Könige sein kann, geht auf den großen ikonographischen Einfluss des ‘Altars der Stadtpatrone’ (1445) von Stephan Lochner zurück, der seit 1809 unter dem traditionellen Namen ‘Kölner Dombild’ den Dom schmückt.

Seit Beda Venerabilis (674 – 735) repräsentieren die Heiligen Drei Könige die drei Lebensalter: Jüngling, Mann ‘in den besten Jahren’ und Greis. Zuvor waren die Drei auch als Personifikationen der drei biblischen Rassen (Semiten, Chamiten und Japhetiten, die Nachfahren der Söhne Noahs) gedeutet worden. Die Dreikönige versinnbildlichen darüber hinaus die drei damals bekannten Kontinente: Asien, Europa und Afrika. Über den weiteren Lebensweg der Dreikönige erzählen die Apokryphen. Das Proto-Evangelium des Thomas (6. Jh.) berichtet von ihrer Taufe. Sie sollen später zu Priestern und Bischöfen geweiht worden sein und – nach einer gemeinsamen Weihnachtsfeier – seien alle drei kurz nach 53 hintereinander gestorben.

Die drei Magier sind bis in die Gegenwart populär. Das beweisen nicht nur die Zahl der Besucher des Kölner Doms sondern auch Lieder wie ‘Wir sind geführt von Gottes Hand, wir kommen aus dem Morgenland’, das in Dialekt von der Kölner Gruppe Black Fööss gesungen wird.

Lesen Sie morgen Teil 2: Gab es den ‚Stern von Bethlehem‘ wirklich?

Photos mit freundlicher Genehmigung des Erzbistums Köln, © bilder-erzbistum-koeln.de, Photograph: Bernhard Moll

Informationen: www.becker-huberti.de

Print Friendly, PDF & Email

, , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

No comments yet.

Schreibe einen Kommentar

Powered by WordPress. Designed by WooThemes