Silber, Schiefer, Sauerbier

Der Marktplatz mit der Kaiserworth (heute Hotel), rechts das gotische Rathaus

Die Stadt Goslar verdankt ihren mittelalterlichen Aufschwung dem Bergbau. Im 10. Jahrhundert wurde unter dem benachbarten Rammelsberg eine reiche Silberader entdeckt. Seitdem liebten es die jeweiligen Kaiser, es sich samit ihrem Gefolge hier gut gehen zu lassen, und  die umliegenden Landesherren zankten sich mehr oder weniger heftig um die Stadt und ihre reichen Einkünfte.

Goslarer Hinterhof-Idyll – gotische Gemütlichkeit

Aufwärts ging es mit Goslar wirtschaftlich bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts, was man bis heute an den Gebäuden sieht. Dann begann der Niedergang, der erst im 19. Jahrhundert durch die Industrie aufgehalten wurde. Der Erz-Abbau endete erst 1988. Das Bergwerk ist heute Museum und zählt zum Unesco-Weltkulturerbe.

Abgesehen vom Silber aus dem Bergwerk gelten zwei weitere Produkte als traditionelle Goslarer Export-Schlager: Schieferplatten und die Gose, ein obergäriges Weißbier, benannt nach dem Flüsschen, das die Altstadt durchquert.

Fachwerk, Figuren … finden Sie die Teufelsfratze?

Schieferplatten gibt es an den zahlreichen historischen Gebäuden der durchweg malerischen Altstadt reichlich zu bewundern. Darüber hinaus wimmelt es an den Fassaden von Figuren und Symbolen. Und weil man nur sieht, was man kennt, lohnt sich eine spezielle Stadtführung zu diesem Thema. Wir empfehlen, den Rundgang zu Fuß anzutreten; denn der Weg ist nicht weit, und mit dem elektrischen Bähnchen hat man nicht genügend Zeit, die Details zu entdecken. Ein handliches Fernglas oder eine Kamera mit Tele sind nützlich.

Die Kaiserpfalz ist eine Rekonstruktion aus dem 19. Jahrhundert

Manche der historischen Bauten sind allerdings nicht ganz authentisch. Die imposante Kaiserpfalz zum Beispiel ist eine ‚Rekonstruktion‘ nach preußischen Phantasien des 19. Jahrhunderts. Von dem riesigen Dom existiert nur noch eine Vorhalle – die allerdings zusammen mit einem ausgestellten Modell eine Vorstellung von den Dimensionen des ehemaligen Bauwerks vermittelt.

Großes Heiliges Kreuz – in den ehemaligen Krankenstuben residiert heute Kunsthandwerk

Eine Sehenswürdigkeit erster Güte ist der mittelalterliche ‚Huldigungssaal‘ im Rathaus. Aber auch das ‚Große Heilige Kreuz‘, ein Kranken-Spital des Mittelalters, gehört zu den eindrucksvollsten Gebäuden. Übrigens ist die Stadt gespickt mit moderner Kunst an vielen Ecken. Im Rahmen einer Stadtführung lassen sich etliche Skulpturen entdecken.

Zünftige Bierprobe mit Gose, Harzer-Variationen und kernigem Brot

Rundgänge starten und enden üblicherweise am Marktplatz. Da bietet es sich an, eine Bierprobe anzuschließen. Die Probe wird hier wirklich inszeniert: Man bekommt vier Sorten lokaler Bierspezialitäten in 0,1-Liter-Gläschen auf einem Holzbrett serviert. Die legendäre ‚Gose‘ sollte natürlich dabei sein. Sie enthält Milchsäure, und die schmeckt man auch. Eine gute Grundlage für ausgedehnte Bierproben sind die dazu angebotenen regionalen Spezialitäten, darunter der Harzer Käse, der je nach Zubereitungsart und mit dem passenden, kernigen Brot durchaus ein Genuss sein kann.

Das Museum ‚Weltkulturerbe Rammelsberg‘ braucht mindestens einen Extra-Tag, sonst lohnt sich das relativ hohe Eintrittsgeld nicht. Es empfiehlt sich auch hier, sich zu einer Führung anzumelden. Denken Sie an feste Schuhe und Kleidung, in der Sie während bis zu vier Stunden bei 12 Grad Celsius nicht frösteln. Wer nicht gut zu Fuß ist, kann auch mit der Grubenbahn einfahren und auf einer kürzeren Führung einiges erleben.

Fassadenfiguren sind mitunter kurios.

Zum stilechten Übernachten im Fachwerkhaus können wir die ‚Altstadtpension Koch‘ an der Oberen Kirchstraße empfehlen. Zu Fuß von der Altstadt erreicht man auf einem etwa einstündigen Spaziergang bergauf die ‚Steinberg Alm‘, ein Restaurant im alpinen Hüttenstil mit Blick auf die alte Kaiserstadt im Tal.

Für einen kurzen, motorisierten  Ausflug in die Umgebung bietet sich zum Beispiel der ‚Kräuter Park Harz‘ in Altenau an. Ein hübsch angelegter Garten zeigt hunderte Heil- und Gewürzpflanzen, darunter allein etwa ein Dutzend Minze-Sorten mit unterschiedlichen Aromen und eine kleine Ausstellung über Gewürze in Form einer Pagode.

Die Gose – ein früher vielbeschäftigtes Flüsschen

Text: Jan-Peder Lödorfer
Photos © repor-tal

Informationen: www.goslar.de

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