Hoax mit Handbüchern

„Herzlichen Glückwunsch zum Kauf dieses Buches!“ – Wenn ich das schon wieder lese, weiß ich, dass ich wieder mal reingefallen bin. Ich habe ein Software-Handbuch erwischt, dessen echte Informationen aufgebläht sind wie Popcorn. Die 30 bis 60 Euro, die der dicke Wälzer gekostet hat, waren wahrscheinlich eine Fehlinvestition.

Ich blättere weiter. Da wird mir in langen Kapiteln und schummrigen Screenshots in Schwarzweiß vorgeführt, was andere alles Tolles mit dieser Software angefangen haben. „Ihre Möglichkeiten sind praktisch unbegrenzt!“ jubelt der Autor, ein junger, aufstrebender und äußerst geschäftstüchtiger Jura-Student mit eigener Web-Design-Agentur.

Er greift tief in die Klampfe, um sich bei mir einzuschleimen mit Zeilen wie diesen: „Vielleicht .. sind Sie noch unschlüssig, zu welchem Buch Sie greifen wollen. Das ist in der Tat eine schwierige Frage, und ich möchte nun nicht so plump sein und Sie zum Kauf dieses Buches anstiften. Denn Sie tun weder Ihnen noch mir einen Gefallen, wenn Sie ein Buch kaufen, mit dem Sie nicht zufrieden sind…“

Im Folgenden trägt er das Schmalz noch dicker auf. Sein Buch sei auch für blutige Laien geeignet, versichert er: „Ich setze am Anfang nur voraus, das Sie einen Computer anschalten können (ausschalten ist nicht so wichtig).“

Das ist dreist; denn schon ein paar Seiten später liest es sich so: „Beim Starten des Apache-Servers kann es mitunter zu Problemen führen, wenn auf Port 80 Ihres Systems noch eine andere Software läuft, die diesen Port verwendet…“ – alles klar?

Der Autor beherrscht aber auch die Kunst der Tautologie, die wir von zahllosen Hilfe-Funktionen oder stümperhaften Bedienungsanleitungen kennen. Sie finden einen Knopf, der mit BLURP beschriftet ist. In der Anleitung lesen Sie: „Hiermit aktivieren und deaktivieren Sie die BLURP Funktion“. Bei unserem Autor liest sich das so:

„PLUGINS listet beliebte, neue oder gerade erst aktualisierte Plugins auf. Auch wenn bei der enormen Anzahl an verfügbaren Plugins hier mit Sicherheit nicht immer etwas für Sie dabei sein wird, so lohnt sich ab und an dennoch ein Blick auf diese Anzeige. Wer weiß, vielleicht finden Sie dort schon bald Ihr neues Lieblings-Plugin?

Ersetzen Sie spaßeshalber in diesem Text das Wort ‚Plugin‘ durch ein anderes, zum Beispiel ‚Drops‘, ‚Gemüse‘ oder ‚Gesülze‘ – Sie werden sehen, diese drei Sätze beziehen sich nur auf sich selbst und erklären nichts.

An einer anderen Stelle des Buches lässt derselbe Autor duchblicken, dass er durchaus weiß, was es bedeutet, hohlen Schaum zu quirlen; denn seinen Lesern rät er dringend zum Gegenteil:

„Ohne eine Botschaft ist Ihr Artikel nur ein weiterer Text im World Wide Web. Sie müssen Ihren Lesern eine klare Botschaft vermitteln.“

Andererseits merkt er selbst oft nicht, wenn er seinen eigenen Regeln widerspricht, wie etwa im folgenden Beispiel:

„Wenn Sie mit dem Schreiben fertig sind, sollten Sie den Text noch einmal gezielt auf solche Füllwörter hin durchgehen und diese am besten ersatzlos streichen.“ Bei ‚gezielt‘, ’solche‘, ‚am besten‘ und ‚ersatzlos‘ handelt es sich um – Füllwörter.

Schorsch Bonks

 

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