Das Globe am Rhein erwacht wieder

Die Türen öffnen sich, das Spiel kann beginnen. © Christoph Krey

In Kürze startet das wahrscheinlich bedeutendste Shakespeare-Festival in Deutschland. Das Globe in Neuss öffnet seine Türen am 14. Juni mit Much Ado About Nothing – Shakespeare’s Greatest Romantic Comedy!

Die Wetthalle im Zeichen Shakespeares © Christoph Krey

Ab dem 14. Juni bis zum 13. Juli 2019 pilgert wieder die Shakespeare-begeisterte Gemeinde ins rheinische Neuss. Für vier Wochen verwandelt sich eines der originellsten deutschen Theater samt der alten Wetthalle an der Rennbahn und dem umgebenden Platz in eine Shakespeare-Welt.

Die Mitglieder der großen internationalen Shakespeare-Familie kommen in diesem Jahr aus Frankreich, Polen, Ungarn, England und Deutschland, um bei insgesamt 33 Vorstellungen fünfzehn Inszenierungen auf die Bühne zu bringen, von denen sieben Produktionen als Deutschlandpremieren und drei weitere erstmals in Nordrhein-Westfalen zu sehen sind. 

Northern Broadsides & New Vic Theatre: Much Ado About Nothing © Nobby Clark Photography

Zum Auftakt des diesjährigen Festivals gibt es am 14. Juni Much Ado About Nothing, das herrlich turbulente Lustspiel, in dessen Zentrum Beatrice und Benedick wahre Kanonaden an Silben- und Wortspielen aufeinander feuern. Die englische Koproduktion der Northern Broadsides, Halifax, und des New Vic Theatre beschert uns ein Feuerwerk der Extraklasse.
Dahinter steht die Twelfth Night (Was ihr wollt) der Londoner Bridge House Productions SE20 um keinen Deut zurück: Regisseur Guy Retallack, der den Freunden des Festivals kein Unbekannter mehr ist, inszeniert das vielfache Verwirrspiel um Liebe, Intrigen und einen ehrgeizigen Majordomus mit besonderes pfiffigem Dreh. Und auch die HandleBards, die vier radelnden Komödianten von der Insel, machen wieder in Neuss Station – dieses Mal jedoch in doppelter Ausfertigung: Das männliche Quartett liefert ein virtuoses Much Ado About Nothing, und das weibliche Kleeblatt, das sich im vorigen Jahr formierte, zaubert zum Abschluss des Festivals einen Tempest auf die Bretter des Globe, dass nicht nur Prosperos Folianten flattern. 

Woods of Birnam: Searching For William In Concert, © Yves Borgwardt

Zu den weiteren Höhepunkten zählen das Tanztheater For you my Love! des Kino- und TV-Allrounders Tim Bergmann, der die bekannten Gestalten des Dichters in Macht- und Liebeskämpfen agieren lässt, sowie das Gastspiel Searching for William in Concert der Dresdner Popband Woods of Birnam mit dem Schauspieler Christian Friedel, die mit I’ll Call Thee Hamlet einen Hit gelandet haben.

Wer’s klassischer liebt, ist bei Shakespeare at the Opera vorzüglich aufgehoben: Das Opernstudio der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf Duisburg schlägt einen Bogen von Vincenzo Bellinis I Capuleti e i Montecchi (sprich: Romeo und Julia belcantissimo) bis hin zu Cole Porters Kiss me, Kate!, die einem bekanntlich hilft, den „Shakespeare aufzubürsten“ …

RLT: Was ihr wollt, © Björn Hickmann/Stage Picture

Auch für die Liebhaber deutscher Inszenierungen ist reichlich gesorgt. Die bremer shakespeare company zähmt ihre Widerspenstige mit charakteristischem Humor und schwarzem Witz, indessen sie sich in ihrem King Lear mit den Problemen des Ruhestandes auseinandersetzt. Das Rheinische Landestheater präsentiert Was ihr wollt in Alexander Maruschs neuer Inszenierung, die erst kürzlich ihre Premiere erlebte. Und das Theater Poetenpack reist aus Anlass seines zwanzigsten Geburtstags mit Romeo und Julia an – der berühmtesten und meistgespielten Liebestragödie der Weltliteratur. 

Aber auch Shakespeare auf ausländisch darf beim Festival nicht fehlen. Das Budapester Maladype Színház bringt einen eindringlichen Richard III., dessen einziges Requisit aus einem schimmernden Gerüst besteht: Spinnennetz, Käfig des Schurken oder Symbol intriganter Verstrebungen …
Dan Jemmett wird in dieser Saison für seine Monstres de Luxe einen französischen Sommernachtstraum inszenieren: Je suis invisible (Ich bin unsichtbar) hat er das märchenhaft-betörende Spiel überschrieben, das vom Théâtre de Nîmes produziert wird. 

Teatr Papahema: Macbett, © Lucjusz Sawicki

Im vorigen Jahr gab das Teatre Papahema aus dem polnischen Bialystok mit einer kapriziösen Zähmung der Widerspenstigen. Diesmal haben die jungen Leute bei ihrem zweiten Gastspiel einen eigenwilligen Macbeth im Gepäck: eine auf die wesentlichsten Handlungsstränge reduzierte Farce namens Macbett, deren Verfasser Eugène Ionesco mit lockerer Hand die tragischen Verknüpfungen löst und neu schürzt, bis das Spiel um Ehrgeiz, Korruption und Feigheit – das beim Teatre Papahema sehr passend auf einem Golfplatz stattfindet – sich in einer äußerst befremdlichen „line of kings“ verheddert. Eine Rarität, die man nicht verpassen sollte. 

Patrick Spottiswoode in action, © Christoph Krey

Film Klassiker im Kino, das Education Programm mit Workshops für Schüler und Lehrer, Führungen durch das Globe und der inzwischen bereits traditionelle Kinder-Shakespeare-Tag sowie die unverzichtbare Lecture Shakespeare and the Globe von und mit Patrick Spottiswoode runden das Festival ab. 

Das Festival hat sich zu einem Event für Jung und Alt entwickelt. Auch in seiner 29. Saison können die Besucher davon ausgehen, dass die Geschichten des Dichters voll Zündstoff für Tragödien, Historien und Komödien sie in ihren Bann ziehen werden. Da gibt es natürlich wieder die Montagues und Capulets, die sich bis aufs Blut hassen; dann wieder versuchen sich verschiedene Clans um der flüchtigen Machtergreifung willen auszurotten; Kinder werden von Eltern, Geschwister voneinander getrennt, um sich – mitunter nach einem halben Leben – an unvermutetem Ort wiederzufinden … Das volle Programm!

Die HandleBards im Doppelpack, © Tom Dixon

Es gibt nur einen Nachteil für das diesjährige Festival: Es ist so gut wie ausverkauft. Aber wenige Restkarten sind noch zu haben. Nachfragen an der Abendkasse sind auch noch oft erfolgreich.

Text: Pro Classics / repor-tal

Photos mit freundlicher Genehmigung von Pro Classics

Informationen: www.shakespeare-festival.de

Veranstaltungsort: Globe Neuss an der Rennbahn, Stresemannallee, 41460 Neuss

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