Fußball nach
Vorbildern

Auf dem Bolzplatz spielen die Kleinen Fußball. Es ist eine Übung fürs Leben. Nicht dass Sie jetzt glauben, meiner Ansicht nach gebe es kein Leben ohne Fußball, von wegen „Fußball ist unser Leben“ und so weiter – nichts davon. Was diese Kinder fürs Leben üben – und zwar ganz nebenbei – ist, wenn man es vorsichtig ausdrückt: sich durch Heimtücke und leicht gebremste, körperliche Gewalt Vorteile zu verschaffen und dabei vor dem Publikum möglichst unschuldig auszusehen.

Die Kleinen haben nicht nur die Schubs- Rempel- und Schienbeintricks der Profi-Kicker den Medien entnommen, sondern führen auch unmittelbar und reflexartig deren Gesten der Selbstentlastung und ostentativen ‚verfolgten Unschuld‘ aus. Leon rempelt Kevin ruppig weg, und während der mit dem Stolpern noch gar nicht fertig ist, breitet Leon schon beide Arme aus, hebt das Gesicht und dreht sich langsam vor den nicht vorhandenen Kameras und Tribünen, um zu demonstrieren: „Kannixdafür!“

Übrigens stehen die Mädchen den Jungs in dieser Disziplin keineswegs nach. Getrennte Mann- und Frauschaften gibt es in dieser Altersklasse schon längst nicht mehr.

Auf diese Weise wird zwar das ursprüngliche Ideal des Mannschaftssports – ‚hart aber fair‘ – gründlich verraten. Da sich aber im Fußball spätestens ab der A-Jugend aufwärts sowieso nur noch um Geld dreht, bleibt zumindest der Nutzen des Trainings für den harten, aber unfairen Wettbewerb des Berufslebens. Bekanntlich finden sich ja auch kaum noch Schiedsrichter für Jugend-Fußballturniere, weil sie nicht sicher sein können, mit heilen Knochen davonzukommen.

Denn hier üben die Kids, sich in einer Gesellschaft isolierter Individuen bei versagendem sozialen Feedback scheinbar harmlos, aber faktisch fies durchzuboxen. Folgerichtig tragen schon die Jüngsten Hightech-Schutzkleidung wie Helm sowie Knie-, Ellbogen- und Schienbeinschoner. Vermutlich wird die EU oder eine Grünen-geführte Landesregierung demnächst ja sowieso die allgemeine Helmpflicht für Kinder beschließen.

Schorsch Bonks

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