Serie: Burnout-Syndrom
Teil 1: Modediagnose oder
ernstzunehmende Krise?

Die Wochenarbeitszeit in den vergangenen Jahrzehnten wurde immer weiter reduziert. Das ist auch gut so. Aber die Anforderungen die im Beruf – und zwar in jedem – gestellt werden, sind gewachsen. Und der Stress erstreckt sich längst auch auf die sogenannte Freizeit: Sport, Kino, Konzerte, Kneipentreffs, Kurse und Kultur – jeder will überall dabei sein. Die Freizeit wird durchgeplant; schon die Kinder von heute gewöhnen wir daran. Ein spontaner Spaziergang im plötzlich auftauchenden Sonnenschein ist nicht denkbar: Erst muss ein Zeitfenster dafür geschaffen werden.

Alles im Eimer...

Spontaneität ist dabei längst auf der Strecke geblieben. Wir befinden uns in einem Zustand der ständigen Terminabwicklung. Halten wir eine Frist nicht ein, wird das innerlich schon auf der ‚Versagens-Liste’ gebucht. Dabei sind wir heute gar nicht mehr in der Lage, alles zu erledigen, was wir uns morgens vorgenommen haben – da spielt das Leben nämlich einfach nicht mit, sondern kommt mit unvorhergesehenen Ereignissen daher, die unsere sofortige und komplette Aufmerksamkeit erfordern.

Die Wuppertaler Unternehmensberaterin Lioba Heinzler (moewe-Team) bringt es ironisch auf den Punkt: „Heute können wir eigentlich morgens schon entscheiden, was wir abends liegenlassen werden.“ Wir sind, so Heinzler, gefordert, ständig neue Prioritäten zu setzen. „Es gibt eine Studie, die nachweist, dass wir heute hundertmal so viele Entscheidungen in einem bestimmten Zeitraum treffen müssen, wie Menschen vor etwa 80 Jahren. Da kann man auf die Dauer nicht immer mithalten. Das ist auch keine Altersfrage. Das geht einfach nicht.“

Die Grundlagen für ein Burnout-Syndrom fallen somit bei vielen Menschen auf einen fruchtbaren Boden. Prinzipiell kann man sagen, dass das Ausgebranntsein ein Zustand der mentalen Erschöpfung ist, die unsere Leistungsfähigkeit hemmt. Aber Burnout ist keine Krankheit. Es ist nicht mit einer Depression gleichzusetzen. Burnout ist eine durch Stress verursachte Entkräftung, die uns den Alltag nicht mehr bewältigen lässt.

Nach und nach ausgebrannt

 

Die US-amerikanischen Wissenschaftlerinnen Christina Maslach und Susan Jackson haben ein System von Kriterien entwickelt, nach denen das Ausmaß der Erkrankung taxiert werden kann. Das ‚Maslach Burnout Inventory‘ (MBI) beruht auf 22 Fragen, die sich auf drei verschiedene Bereiche beziehen:

  • Depersonalisierung (Klientenbezogener Burnout), Symptome: Gleichgültigkeit, Zynismus und Distanz; Die Betroffenen versuchen sich von ihren Kollegen, Kunden oder anderen zu distanzieren bis die Arbeit zur unpersönlichen Routine wird.
  • Emotionale Erschöpfung (Persönlicher Burnout), Symptome. Reizbarkeit, Anspannung und Antriebsschwäche; Der Burnout entsteht oft aus einer übermäßigen expressiven Anspannung. Die Betroffenen leiden unter ihrer Antriebsschwäche und werden reizbar.
  • Erleben von Misserfolg (Aufgabenbezogener Burnout), Symptome: Sinnentleerung, Unwirksamkeit und Hyperaktivität; In der Verzweiflung überall mithalten zu wollen, stellen sich Misserfolge ein, die die Betroffenen als persönliches Unvermögen einordnen.

Die einzelnen Bereiche verschwimmen natürlich und greifen ineinander über. Einen typischen Verlauf gibt es nicht. Und damit ist auch klar, Mit ‚Burnout‘ ist kein kurzfristiger Erschöpfungszustand nach einem langen Arbeitstag gemeint. Burnout ist ein langwieriger und schleichender Prozess. Die meisten Menschen, die modebedingt vom Burnout bei sich sprechen, leiden in Wirklichkeit nicht daran.

Typische Phasen der Entwicklung bis zu einem Burnout-Syndrom sind:

  • Enthusiasmus
  • Stagnation
  • Frustration
  • Apathie

Möchten Sie jetzt wissen, ob Sie ein Burnout-Kandidat sind, dann prüfen Sie kritisch, ob bei Ihnen einer oder mehrere Punkte auf der folgenden Checkliste zutreffen:

  • Körperliche und emotionale Erschöpfung?
  • Chronische Müdigkeit?
  • Abnehmende Leistungsfähigkeit?
  • Konzentrationsstörungen?
  • Schlafstörungen?
  • Sich nicht erholen können?
  • Zynische und abweisende Grundstimmung gegenüber anderen Menschen und der eigenen Arbeit?
  • Ängste?
  • Leichte Reizbarkeit?

Es treffen mehrer Punkte auf Sie zu? Sie sollten etwas unternehmen. Wege aus dem Burnout wird fifty2go in dieser Serie zusammen mit Experten vorstellen.

Ruth Hoffmann (Text)

fotolia (Photos)

Informationen: www.dtb-online.de

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