Semester für Ältere:
Uni Saarbrücken – klein aber oho!

Rund 18.000 Studierende gibt es an der Universität des Saarlandes, unter die sich circa 650 Gasthörer mischen. Seit 1948 besteht die Hochschule. Inzwischen ist der Angebot für Gasthörer breit gefächert. Besonders erstaunlich: es gibt sogar ‚offene’ Seminare und Vorlesungen in den Fakultäten der Rechtswissenschaft und der Medizin. Das gibt es woanders so gut wie nicht.

Das Angebot reicht weiter von den Geschichts- und Kulturwissenschaften über Sprache und Literatur, Empirische Humanwissenschaften, Mathematik und Informatik, Physik und Mechatronik bis hin zur Chemie und Pharmazie. Mehr als 700 Vorlesungen und Seminare in 112 Studienfächern, organisiert in acht Fakultäten stehen Gasthörern offen. Das Gesamtangebot für Gasthörer steht im ‚Studienführer Weiterbildung’, der jedes Semester neu herausgegeben wird.

Der Campus in Saarbrücken

Für die Teilnahme als Gasthörer gilt keine Beschränkung: Wer Interesse am Thema hat, darf teilnehmen. Das Abitur ist nicht notwendig. Es genügt einfach die Einschreibung zu Beginn des Sommer- oder Wintersemesters. Auch die Gebühren sind im Saarland sehr günstig. Die Gebühr pro Semester beträgt 60 Euro bei bis zu sechs Semester-Wochenstunden (SWS). Wer noch mehr Veranstaltungen belegt, zahlt 90 Euro. Hinzu kommt jeweils ein Versicherungsbetrag von 1,30 Euro.

Organisatorischer Mittelpunkt des Gasthörerstudiums ist das ‚Zentrum für lebenslanges Lernen‘ (ZelL). Das Angebot eignet sich sowohl zur beruflichen als auch zur allgemeinen Weiterbildung für all diejenigen, die sich für ein wissenschaftliches Fach interessieren.

Kunstwerk ‚Automedon‘, 1992, auf dem Saarbrücker Campus von Oswald Hiery

Um Einsteigern den Studienbeginn zu erleichtern, bietet das ZelL sogenannte Brückenkurse an, die den ersten Kontakt zur Wissenschaft vermitteln sollen. Themenschwerpunkte sind hier zum Beispiel Rhetorik, Geschichte, Kunst und Kultur.

Teilweise überschneiden sich die Kurse auch mit dem ‚Studienkreis Regionalgeschichte‘. Erklärt werden aber auch die neuen Medien und Social Media wie Wikipedia, Facebook, Twitter und Co, und wie man mit ihnen umgeht.

Lernen und Erforschen

Mit ‚Techniken des wissenschaftlichen Arbeitens’ (TWA) bietet die Universität des Saarlandes einen Service, der Studierenden hilft, wenn ihnen der Umgang mit bestimmten Computerprogrammen noch nicht so vertraut ist. Das reicht vom Umgang mit der Tastatur über die Textgestaltung in Word, den Umgang mit Excel, HTML und CSS, Photobearbeitung, Drucksachenerstellung, Präsentationstechniken, E-Mail-Workshop bis hin zum speziellen Apple-Kurs. Einige dieser Kurse kosten 20 Euro zusätzlich zur Gasthörergebühr. Aber man sollte sich ja auch nur mit Computerprogrammen befassen, die man wirklich benötigt. Nichts ist so vergänglich wie die Handhabung von Computer-Programmen.

Blick in die Universitäts-Bibliothek

Wer sich besonders für die Geschichte des Saarlandes, aber auch etwa Heimat- und Familiengeschichte erforscht, ist richtig beim ‚Studienkreis Regionalgeschichte‘. Das Studienprogramm ist auf vier Semester ausgelegt. Dabei finden in den Sommersemestern Exkursionen statt. Die Themenpalette reicht von der Vor- und Frühgeschichte über das Mittelalter bis hin zur politischen, sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung in der Neuzeit. Auch die wechselreiche Geschichte des Saarlandes im 20. Jahrhundert wird beleuchtet.

Unterstützt werden die Studierenden mit Übungen zum Umgang mit Quellen und Fachliteratur. Wer das ‚Zertifikat Regionalgeschichte‘ erwerben möchte, muss eine schriftliche Hausarbeit abgeben und den Nachweis erbringen, während der vier Semester drei Vorlesungen, drei Einzelvorträge, drei Exkursionen und drei Schwerpunktseminare absolviert zu haben. Die Teilnahme am ‚Studienkreis’ kostet pauschal pro Semester 91,30 Euro.

Die Saarbrücker Mensa mit dem Kunstwerk ‚Rosengarten‘, Architekt: Walter Schrempf, Gesamtkunstwerk: Otto Herbert Hajek

Ebenfalls ein Zeugnis erhalten können Studierende bei der Teilnahme am ‚Zertifikat Medien’. Dieses Angebot soll umfassend in den Umgang mit Medien einführen und für deren gezielten Einsatz qualifizieren. Das Ziel ist nicht nur, über Medien nachzudenken, sondern auch selbst aktiv und souverän mit ihnen umzugehen. Dieses Qualifikation kann nicht nur im Beruf helfen, sondern auch im Ehrenamt.

Angelegt ist das ‚Zertifikat Medien’ auf mindestens drei Semester. Um aber der Schnelllebigkeit der heutigen Medien gerecht zu werden, sollen zwischen dem ersten und dem letzten für das Zertifikat anzurechnenden Modul nicht mehr als drei Jahre liegen. In einem Theorie-Modul wird in den ersten beiden Semestern der stand der Wissenschaft in verschiedenen Bereichen von Werbung bis Kommunikation und von Film bis Computer erklärt. Im Praxis-Modul dieser Zeit sollen Kenntnisse im Print-Design, Web-Design oder auch zur Datensicherheit erworben werden.

Das Zertifikat erhalten die Teilnehmer, wenn sie an den Einführungsveranstaltungen teilgenommen und erfolgreich jeweils zwei Theorie- und Praxis-Veranstaltungen absolviert haben. Außerdem haben sie eine Abschlussarbeit zu erstellen. Das kann entweder eine Hausarbeit oder auch ein Medienprodukt sein. Die Teilnahme an diesen Veranstaltungen kostet pro Semester 200 Euro inklusive Versicherung.

Der Science Park Saar

Deutschlandweit einzigartig ist das Zertifikat ‚Europaicum’, das die Felder ‚Europäische Sprachen’, ‚Recht und Wirtschaft’, Geschichte – Politik – Kultur’, ‚Europäischer Raum’ und ‚Europa in der Praxis’ umfasst. Jedes Jahr ist ein anderes europäisches Land durch eine ‚Gastprofessur Europa’ vertreten. Um das Zertifikat zu erlangen, müssen die Studierenden Nachweise in den unterschiedlichen Bereichen erbringen. Die Teilnahme ist für Gasthörer aber nur zugänglich, soweit Plätze frei sind.

Gasthörern steht an der Universität des Saarlandes außerdem das Sprachenzentrum offen. Hier können sie Kurse in 25 unterschiedlichen Sprachen belegen.

Text: Ruth Hoffmann

Illustration ‚Einstein‘: © s.gatterwe – Fotolia
Luftbild ‚Campus Saarbrücken’: © Winkler
Photo ‚Automedon’: © das bilderwerk
Photo ‚Studentin bei einem Versuch’: © das bilderwerk
Photo ‚Universitätsbibliothek’: © Neu
Photo ‚Mensa’: © das bilderwerk
Photo ‚Science park’: © Jörg Pütz

Informationen: www.uni-saarland.de

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